Moers und Krefeld

Nachdem ich gestern “nur” in der Nachbarstadt Mülheim unterwegs war, ging es heute auf größere “Reise”. Ich habe die Städte Moers, das zwar am Niederrhein liegt, aber noch zum Ruhrgebiet zuordnet wird, und die Samt- und Seidenstadt Krefeld, die natürlich nicht mehr zum Ruhrgebiet gehört.

Auf meinem Weg nach Moers bin ich Duisburg Hauptbahnhof in den “Niederrheiner”, die RB 31 umgestiegen. Diese Linie wird wie eine Vielzahl von Linien im NRW von der Nordwestbahn betrieben. Am Wochenende verkehrt diese Linie im Stundentakt Minute 10, in der Woche gibt es Verstärkerfahrten von Duisburg HBF nach Moers, so dass ein halbstunden Takt entsteht. Im Gegensatz zu der RB 33 (Duisburg-Aachen) hält diese Linie nicht in Duisburg Hochfeld Süd und Duisburg Rheinhausen Ost. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Das Fahren nach Moers ist mit der Integration der ehemaligen Verkehrsgemeinschaft Niederrhein in den Verkehrsverbund Rhein-Ruhr viel einfacher geworden. In der Eigenständigkeit konnte man nur mit der Regionalbahn und mit der ehemaligen Buslinie 831 im VRR-Tarif die Kleinstadt am Niederrhein erreichen. Heutzutage ist das wie gesagt, sehr einfach. Moers gehört komplett zum VRR, wie auch die anderen Städte am Niederrhein.

In Moers angekommen bin ich dann obligatorisch zu Fuß zur Innenstadt gelaufen. Man geht einfach die Homberger Straße in westliche Richtung. An der Landwehrstraße bin ich kurz in diese hinein gegangen. In dieser kleiner eher unscheinbaren Straße war in der Hausnummer 6 der Lokalfunksender Radio K.W. (Kreis Wesel) beheimatet.

Schon den 90er Jahren war ich ein großer Fan des Rundfunks und im Gegensatz zu vielen anderen privaten Lokalfunksendern und durch Zufall habe ich diesen entdeckt und sehr lieb gewonnen. Der Grund war eine Rate- und Spielshow, die “Einer gegen den Kreis” am Samstag abend, die ca. 2 Stunden lief. In den Anfangsjahren von 19 bis 21 Uhr und später von 20 bis 22 Uhr lief. Das Prinzip dieser Show war denkbar einfach. Zwei Moderatoren stellen Anrufern fünf Fragen, die sie alle richtig beantwortet werden mussten (es gab keinen Joker). Derjenige, der fünf Fragen am Stück beantworten konnte, kam in die zweite Stunde. Wenn es keiner mit fünf Fragen schaffte und die Zeit zu knapp wurde, genügten auch vier Fragen, oder es kam auch zur Stichrunde, wenn zwei auch fünf Fragen beantwortet hatten.

Dabei verfolgte der Sender hart das Konzept, dass Stammanrufer nicht immer in der ersten Stunde anrufen konnten, sondern auch mal welche Finalist wurden, die eher selten anrufen.

Denn für die Finalrunde, in der zweiten Stunde, musste der Finalist gegen alle anderen Anrufer aus dem Sendegebiet antreten. Wenn der Finalist die Frage richtig beantwortet hatte, musste der Anrufer auflegen, wenn der Anrufer die Antwort richtig beantwortet hatte, schied er erst dann aus, wenn der Finalist sie wusste. Das ging so eine Stunde, unterbrochen von einer kurzen Musik. Es wurde laufend mitgezählt, welche Partei wie viele Fragen beantwortet hatte. Am Schluss der Sendung, wenn der Finalist nicht gewonnen hatte, also kaum etwas wusste, wurde von allen Anrufern aus der zweiten Stunde, die angerufen hatten, Lose gezogen und dessen Los gezogen wurde, gewann den Preis, der meist aus einem großen Gutschein bestand oder kleineren Sachpreisen.

Lustige Runden ergaben sich aus dem Moderatorenpaar Stephan Babisch und Wally Bakes bzw. Stephan Babisch und Udo Stiehl.

Ich habe etliche Sendungen auch auf Cassette aufgenommen. Natürlich kann ich sie aus urheberrechtlichen Gründen nicht veröffentlichen.

Die Sendung wurde leider irgendwann 1992 / 1993 eingestellt, weil dem Sender nicht die Fragen ausgingen, sondern weil der Aufwand für ihn sehr groß war, Woche für Woche Fragen aus vielen Quellen zu den unterschiedlichsten Themenbereichen zu beschaffen. Damit endete auch meine Leidenschaft für den Sender, denn sonst interessierten mich die anderen Sendungen, die die anderen Lokalstationen doch sehr ähnelten, nicht mehr.

Der Sender sitzt jetzt tatsächlich in Wesel. Müsste man einem Weselbesuch mitaufnehmen.

Nach einem kurzen Bummel durch den Schlosspark, der mal ausnahmsweise ruhig war, denn bei meinem letzten Aufenthalt dort, fand so eine Art Hippefest statt.

Ich bin dann schließlich mit der Linie der Krefelder Stadtwerke 052 (die Linie im Niederrhein beginnen alle mit einer “Null” vor der eigentlichen Liniennummer) nach Krefeld HBF gefahren. Die stündlich verkehrende Buslinie (am Sonntag) braucht ca. 42 Minuten für diese Fahrt und diese führt über den landschaftlich reizvollen Süden der Stadt, die bundesweit durch den Volleyballverein Moerser SC bekannt sein sollte. Der in der Regionalliga NRW ansässige Verein GSC Moers und der Frauenfussballverein GSV Moers dürften nur sportliche Fachleuten von Bedeutung sein.

Neben den Krefelder Stadtwerken verkehren noch die Busse der Rheinbahn (Düsseldorf), Duisburger Verkehrsgesellschaft und der NIAG. Letztere ist für den gesamten Niederrhein zuständig und betreibt regionalen Güterverkehr auf der Schiene.

Freunde von vielen historischen Gebäuden kommen in der Innenstadt auf ihre Kosten.

Na ja auf jeden Fall bin ich mit dem 052 nach Krefeld gefahren. Dort am Krefelder Hauptbahnhof habe ich mir kurzerhand überlegt, was man noch so machen könnte. Viel ist mir nicht eingefallen. So bin ich dann schließlich mit der Straßenbahnlinie 043 nach Uerdingen gefahren, die am Krefelder Zoo und an der Grotenburg hält.

Ja, war doch etwas. Grotenburgkampfbahn ist allen Fußballfans ein Begriff. Neben dem Krefelder Pinguinen im Eishockey spielt zwar Fußball derzeit keine so große Rolle, aber die ehemalige Werkself von Bayer 05 Uerdingen spielte auch langezeit in der 1. Bundesliga, ehe dann der Bayerkonzern sein Interesse an der Elf verlor und der Verein als KFC Uerdingen mehr in den unteren Ligen (Oberliga, Niederrheinliga und etc..) aufhält. Unvergessen ist allerdings das torlose Uendschieden der Uerdingen (Bayer 05 wohl gemerkt) in der Saison 1988/89 (ich hoffe, dass ich da richtig liege) gegen Borussia Mönchengladbach, als beide Mannschaften nur ein Punkt genügte, um den Klassenerhalt zu schaffen. Statt sich zu bekriegten, spielten beide Verein 90 Minuten den Ball in den eigenen Reihen. Der damalige Sportreporter Werner Hansch vom Westdeutschen Rundfunk kommentierte das Spiel mit seinem eigenem Humor. Früher habe ich den letzten Spieltag der Bundesliga auch immer auf Cassette aufgenommen. Leider ist mir das Band dieser Cassette kaputt gegangen, zerrissen aber nicht. Es gibt auch eine legendäre Aufnahme (zumindest für mich), wo Bayer Uerdingen gegen den SV Werder Bremen spielte, Reporter war damals Manfred Breuckmann. Das Band ist irgendwo verschütt gegangen, aber so bestimmte Passagen sind bei mir Kopf gespeichert.

Am Uerdinger Bahnhof, wo die 043 endet, hätte ich auch sofort Anschluss an den RE 11 nach Mülheim gehabt, aber ich hatte es vorgezogen noch einwenig durch den Stadtteil zu laufen. Im Gegensatz zur Krefelder Innenstadt, ist die Uerdingen Mitte viel schöner und es ist noch einiges erhalten geblieben. Der nahegeliegende Rhein versprüht zwar Romantikerwartungen, die aber durch den Anblick der Industrieanlagen gleich wieder verpuffen. Aber auch das ist der Rhein – nicht nur die schöne romantische Stimmung zwischen Bonn und Mainz, sondern auch Industrie und Frachtverkehr. Der Fluss hat viele Gesichter.

In Uerdingen hätte man die Möglichkeit gehabt, habe ich schon einmal ausgenutzt mit dem 941 nach Duisburg (Großenbaum, über Mündelheim) zu fahren, oder mit der Linie 831 nach Meerbusch Haus Meer. Ich habe aber die Rückfahrt mit der RB 33 nach Duisburg HBF vorgezogen, um dann mit der leichtverspäteten S 1 nach Essen-West zu fahren.

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Hobbys: schwimmen, Badminton spielen, verreisen, Musik hören, lesen, Spanisch und Französisch lernen. Ich kann natürlich auch Englisch sprechen.
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One Response to Moers und Krefeld

  1. Ilse Flück says:

    Finde deine Art zu Reisen einfach die Richtige, mache das auch so; die Fahrplankenntnis beeindruckend schoene Woche! !!

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