VRR plant S-Bahn Taktverlängerung von 20 auf 30 Minuten

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR), gegründet am 01.01.1980, mit Sitz in Gelsenkirchen plant in einer Studie den S-Bahntakt wochentags von 20 Minuten auf 30 Minuten zu verlängern.

Die S-Bahn Rhein-Ruhr fährt nun seit dem Jahre 1967, damals als erste Linie die heutige S 6 von Essen nach Köln. Im Laufe der folgendenen Jahre kamen immer mehr Linien hinzu und ersetzten die Nahverkehrszüge, die beim VRR die Bezeichnung „N“ hatten. Also die heutige S9 war früher die N9, ausgestattet mit der Diesellok-BR 212 später dann 216 / 218 und den bekannten Silberlingen. Diese Linie verkehrte schon im 30 Minuten Takt zwischen Bottrop und Velbert-Langenberg, aber als N-Verkehrslinie.

Auf den gesamten S-Bahnlinien besteht, bis auf wenige Abschnitte ein kontinuierlicher 20 Minuten Takt in der Zeit von morgens ca. 6 Uhr bis abends ca. 19 Uhr. Danach wird auf ein 30 Minuten Takt umgestellt, was auch den Bedürfnissen entspricht. Auch wenn die Läden um 20.00 Uhr schließen, so sind die S-Bahnen nicht bedeutend voller. Am Wochenende wird von sonntags morgens abgesehen (da fahren die S-Bahnen nur stündlich) durchgehend bis zur Nacht ein 30 Minuten Takt angeboten. Im Gegensatz zu den RE-Linien sind die im Raum Essen mir bekannten S-Bahnlinien nur in der Hauptverkehrszeit morgens und abends wirklich voll. Hier will der VRR auch die Taktrate auf alle 15 Minuten verdoppeln.

In der Theorie klingt das alles wunderbar, aber da die Deutsche Bahn AG, die mit ihrer S-Bahn Rhein-Ruhr Tochter den S-Bahnverkehr abwickelt, auch schon gerne ausfällt – wegen Triebwagenstörungen oder Störungen an der Strecke (Signal, Weichen etc..) oder Verspätungen aus vorheriger Fahrt  bzw. Verzögerungen im Betriebslauf (klingt auch immer sehr gut als Ausrede, wenn man den wahren Grund verschleiern möchte, zum Beispiel wenn der Triebwagenführerwechsel nicht so zügig voran schreitet wie geplant – weil er selber eine Verspätung gefahren ist), wird der 15 Minuten-Takt in der Rush Hour nur auf dem Papier existieren.
Beim 30 Minuten-Takt und wenn da mal zwei Züge hintereinander ausfallen (alles schon mal im 20 Minuten Takt erlebt – auch wenn die DB da immer nur einen entschuldigen lässt – dass dies die Ausnahme sei), wartet man womöglich 1,5 Stunden auf den nächsten Zug, der dann proppevoll sein wird.  Aber da Zugausfülle nach einem Bericht vom ARD Markencheck bei der DB nicht in die Pünktlichkeitsstatistik fallen, weil nur das sonst fährt auch registriert werden kann, sind die Züge daher alle pünktlich, auch wenn einer oder gar zwei ausgefallen sind. Leider kennt die DB auch nur ihr eigenes Unternehmen, was an Linienbussen am Bahnhof hält, ist für sie schon fremdes Territorium auf das man nicht verweisen darf (man hat immer noch das uralte Denken. Früher um 1900 waren Straßenbahnen die Konkurrenz für die Bahn. Diese durften ja nicht einmal ebenerdig mit einem Bahnübergang die Gleise überqueren. Das hat man denen verboten.) und das in einem Verkehrsverbund. Ich muss auch sagen, die örtlichen Verkehrsbetriebe, auch wenn sie jetzt mit der geplanten Umstellung des Taktes sich aufregen, so richtig haben es viele noch nicht begriffen, dass der Fahrgast vom Bus oder von der Bahn in den Zug umsteigen könnte. Oft fahren viele Bus- und Straßenbahnfahrer wohl absichtlich langsam so, dass man den Zug verpasst.

Untereinander, zwischen den Verkehrsbetrieben herrscht ja nicht einmal Einigkeit. Ein Bus der Linie 143 der STOAG wartet sehr ungerne die 30 Sekunden ab an der Haltestelle in Essen-Frintrop am Kreyenkrop auf die Straßenbahn der Linie 105 ab, obwohl sie schon im Nacken sitzt.

Daher kann ich die Aufregung nicht verstehen, wenn die örtlichen Verkehrsbetriebe jetzt so laut schreien.

Die Taktverlängerung der S-Bahn auf 30 Minuten hat allerdings eine fatale Außenwirkung. Nicht jeder wird bereit sein, statt 20 Minuten 30 Minuten auf die Bahn zu warten. Wer, wie ich, kein Auto hat, wird nichts anderes übrig bleiben, aber wer die Wahl hat, wird sich auf das Auto konzentrieren. Fahrgäste, die das System S-Bahn bislang benutzt hatten, weil 20 Minuten noch so eben ging, werden diese Toleranz auch bei 30 Minuten haben und dann wenn die Bahn wieder ausfällt? Wohl kaum? Wer möchte schon 1 Stunde an einem Bahnsteig im Winter stehen, wenn der Wind von allen Seiten bläst und es saumäßig kalt ist? Da hift auch die beste Kleidung nichts. In Wülfrath-Aprath oder Essen-Überruhr gibt es auch kein Café in das man sich mal hinsetzen könnte. Oder erlebt die Bahnhofs-Gaststätte dann wieder eine Renaissance?

Im Ruhrgebiet leben über 5 Millionen Einwohner laut Wikipedia im Jahre 2011 und die S-Bahn fährt alle 30 Minuten. In anderen größeren Ballungszentren fährt sie bedeutend häufiger. Die Regional-Express Linien quer durch das Ruhrgebiet sind in der Hauptverkehrszeit und am Wochenende eher Menschentransporter, weil man so dicht gedrängt stehen muss und kaum Luft zum Atmen.

Wir brauchen den Takt 10/20 bei der S-Bahn und mit der neuen Leittechnik der DB, die sie zurzeit in Duisburg und Wuppertal installiert, müsste das möglich sein. Den 10 Minuten Uni-Takt der S 1 zwischen Bochum und Dortmund hat man vor einigen Monaten ja abgeschafft. Aber das passt ja alles zusammen. Die Landespolitik, vorallem die Grünen haben bislang überhaupt noch nichts dazu gesagt. Denen ist das Thema auch wohl ganz egal. Aber sie müssen sich eher äußern, wenn es um unseren Fleischkonsum geht (Veggie-Day nur mal so angemerkt) und was sie uns noch alles verbieten wollen. Der ÖPNV steht inzwischen ganz unten auf der Liste.

Ich hoffe, das war vom VRR nur ein schlechter Scherz.

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3 Antworten auf VRR plant S-Bahn Taktverlängerung von 20 auf 30 Minuten

  1. Fahrgast sagt:

    Bleiben wir bitte bei den Fakten. Zwischen Bochum und Dortmund gab es nie einen 10-Minuten-Takt! In den Spitzenzeiten ist immer nur eine S-Bahn zusätzlich pro Stunde zwischen Bochum und Dortmund gependelt.
    Ab Dortmund Hbf (1995) 6:57 | 7:17 | 7:37 | 7:47 | 7:57 | usw. also 20-20-10-10-Takt

    Die zusätzliche S-Bahn fuhr stündlich von 7:47 bis 11:47 und 13:07 bis 17:07 Uhr. Allerdings wurden anfangs drei Halte zwischen Dortmund Hbf und Bochum Hbf ausgelassen. Im Jahr 2000 hielt die zusätzliche S-Bahn an jedem Haltepunkt auf dem Abschnitt. Als das Geld knapp wurde, hat man auf diese S-Bahn verzichtet. Es gibt S-Bahn-Linien die schon immer im 20/40 bzw. 30/30 Minuten-Takt gefahren wurden. Die S5 verkehrt zwischen Hagen Hbf und Witten Hbf nur stündlich. Was ist das für eine S-Bahn? Dann wurde auf der S5 die Bahnsteige auf S-Bahn-Niveau ausgebaut und jetzt verkehrt wieder ein Regionalzug drauf und die Menschen können nicht ebenerdig einsteigen.

    Der geplante 15/30-Minuten-Takt im Ruhrgebiet ist eine Bankrotterklärung des Landes NRW und des VRR.

    Berlin (* Am Stadtrand seltener):
    5-Min-Takt: S41*, S41*
    10-Min-Takt: S1*, S2*, S3*, S5*, S7*, S25*, S75
    20-Min-Takt: S8, S9, S45, S46, S47, S85
    Auf einigen Strecken ergibt sich ein 5-Min.-Takt auf Grund parallel verlaufender Linienführung

    Ruhrgebiet:
    20-Min-Takt: S1, S2(Dortmund – Herne), S4, S6, S7, S8 (Wuppertal-Oberbarmen – MG), S9 (Bottrop – Wuppertal), S11, S28
    30-Min-Takt: S5 (Witten – Dortmund)
    20/40-Takt: S8 (Wuppertal-Oberbarmen – Hagen)
    60-Min-Takt: S2(Herne – RE/DU/E), S5 (Hagen – Witten), S9 (Haltern – Bottop)

    Auf einigen Abschnitten in Essen ergibt verkehrt die S-Bahn häufiger als 10 Minuten durch parallele Linienführung.

    Die Pro-Kopf-Verschuldung der Bundesländer und Stadtstaaten ist in Berlin fast doppelt so hoch wie in NRW. Es ist kein angestrebtes Ziel. Aber durch die Zusammenlegung des Ruhrgebiets zu einer Stadt, könnte nicht nur der gesamte Verkehr günstiger gestaltet werden.

  2. Tobi sagt:

    Ich mache mir jeden Tag mehr Sorgen um unsere Umwelt. Schade, dass andere nicht so denken. Mehr fahren, mehr Emmiossionen usw…

  3. Dirk Schmidt sagt:

    Ich kenne Sie nicht. Das macht mir Sorgen aufgrund meines folgenden Anliegens.
    Ich mag diesen Beitrag zum S-Bahn-Takt, auch wenn ich anders argumentiere.
    Ich habe selber für meinen Blog was dazu geschrieben. Vielleicht wird der Beitrag auch zuerst auf ruhrbarone.de erscheinen.
    Ich würde Ihren Beitrag gerne als Cross Posting in meinem Blog veröffentlichen.

    Ich hoffe von Ihnen zu hören.

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