Meine Reise nach Delfzijl vom 27.06.2017 bis 01.07.2017

Für meine deutschen Leser, die der niederländischen Sprache nicht mächtig sind, schreibe ich kurz auch meine Erlebnisse auf Deutsch.

Ich bin am 27.06.2017 also einen Tag, nachdem ich mein Auto verschrotten ließ, also in die Niederlande, nach Delfzijl, was ganz hoch im Norden, nordöstlich von Groningen, ca. 30 km entfernt. Delfzijl hat ungefähr 25.000 Einwohner, also eine ziemlich kleine Stadt, für die Gegend aber eine große. Noch größer ist Groningen mit 105.000 Einwohnern.

Delfzijl liegt direkt an der Nordsee, so schräg gegenüber von Emden, was ich im Jahre 2005 besucht hatte. Mit dem Zug kommt man einzig und alleine mit den Arriva-Zügen von Groningen, die alle 30 Minuten verkehren dahin. Innerorts ist der ÖPNV eher mäßig, kleinstädtisch organisiert. Man ist mit dem Fahrrad bedeutend besser unterwegs. Auch das Auto ist eher unpraktisch, weil sonst die kleinen aber interessanten Orte nicht anfahren kann.

Meine Unterkunft im Viertel Kwelderland, nördlich vom Bahnhof gelegen. Dieses Viertel hat sehr viele kleine Kanäle, die mit Schilf bewachsen sind. Ich hatte ein Bed & Breakfast, die Form einer Unterkunft, die ich am meisten bevorzuge. Hotels sind seit meiner Kindheit sehr unbeliebt, weil sie so unpersönlich sind.

Leider hat es durchgängig mehr oder weniger nur geregnet. Sonnige Abschnitte gab es eher am 27. und 28.06. ansonsten haben Wolken den Himmel dominiert.

Es aber gesagt, Delfzijl ist keine Touristenstadt, sondern eine Hafenstadt. Wer Rummel sucht, ist Fehl am Platze. Hier werden sprichwörtlich die Bürgersteige am Abend noch hochgeklappt. Tourismus ist hier auf der untersten Stufe angesiedelt. Mich hat das nie gestört, weil ich mag keinen Rummel; Touristenorte meide ich so gut wie es geht. Ich war auch mit Ende Juni noch in der Nebensaison.

Angereist bin ich aus Deutschland mit dem ICE von Duisburg HBF nach Utrecht. Dort musste ich 48 Minuten auf den durchgängigen IC nach Groningen warten. Ich habe die Zeit genutzt, um etwas zu essen. Der IC hatte eine Verspätung von 10 Minuten, so dass ich den Anschlusszug in Groningen nicht bekam. Vom Bahnhof in Delfzijl musste ich noch ca. 15 Minuten laufen, um zur Unterkunft zu gelangen. Glücklicherweise gab es dort einen Fahrradverleih, so dass ich gleich für die vier vollen Tage ein Rad ausgeliehen habe. Niederlande ohne Fahrrad geht für mich gar nicht mehr. Nach einem ersten Eindruck war ich noch abschließend bei Jumbo, einer der größeren Supermarktketten in den Niederlanden.

Am nächsten Tag bin ich mit dem Fahrrad westwärts, zur Nachbargemeinde Appingedam gefahren. Zuerst hatte ich mir die Lage des Schwimmbads angeschaut, denn die Mitarbeiter in der Touristeninfo von Delfzijl waren der Meinung, es läge in Appingedam, obwohl es postalisch zu Delfzijl gehörte, was auch letzteres stimmte. Vom Zentrum in Appingedam wollte ich irgendwie noch weiter westwärts, aber die angeschlagenen 30 km bis nach Groningen wollte ich nicht schaffen. Da aber langsam dunkle Wolken aufzogen, bin ich in den Außenbezirken von Loppersum doch umgekehrt und bin doch noch in den Regen gekommen. Ich sehe das allerdings nicht so eng, weil es ja nur Wasser ist, was auch trocknen kann.

Spontan, mit einem Umweg zur Unterkunft, war ich noch später am Schildmeer (meer = See im niederländischen). Obwohl es warm geworden war, wollte doch keine Stimmung aufkommen, in vollem Umfang ins Wasser zu steigen. Bis zur Wade bin ich gekommen, aber dann irgendwie hatte ich auch so die Lust, weil das Wetter schien nicht stabil zu sein.

Zum Abschluss des Tages war ich noch bei Albert Heijn. Eine für mich gut aussehende Kassiererin fragte nach dem Bonusprogramm von Albert Heijn, ob ich daran Interesse hätte. Irgendwie verstand ich nicht, was sie genau meinte. Also bot sie es an, es auf Englisch und schließlich auf Deutsch zu versuchen. Sie verabschiedete sich von mir und sie ist mir bis jetzt im Kopf hängen geblieben. Keine Ahnung warum, aber sie hat mir sehr gefallen.

Am Donnerstag bin ich doch noch einmal in Richtung Loppersum unterwegs gewesen, aber weil ich die Radfahrkarte von der Gegend, die ich hier gekauft hatte, noch einmal zur Hand führen wollte, bin ich mit dem Schuh am Rücklicht dran gekommen was dann vom Rad abgefallen ist. Ich dachte, ich hätte etwas kaputt gemacht, aber anscheinend wird das bei einem Gazellen-Fahrrad so halt irgendwie befestigt, was mir auch schließlich gelang. Durch diese Unsicherheit bin ich doch noch wieder nach Appingedam gefahren, habe mir in einem Sportgeschäft eine Schwimmbrille gekauft, weil ich die eine verbummelt habe und die andere wirklich in die Jahre gekommen ist und nicht mehr hielt.

Auf dem Rückweg war ich dann bei Albert Heijn, weniger für Lebensmittel, sondern mehr für sie. Leider war sie da an dem Tag nicht da. Auch wenn ich 39 Jahre alt bin, so habe ich nicht die Lockerheit, so wie viele andere spontan die Telefonnummer rauszurücken. Also hatte ich vorher etwas auf einem Blatt Papier geschrieben. Aber da sie nicht da war, hatte sich das erübrigt.

Am Abend war ich schließlich noch im Schwimmbad schwimmen. Für das Bahnenschwimmen gibt es Extraschwimmzeiten (von 20.15 Uhr bis 21.30 Uhr). Ich war erstaunt, es war voll, aber nicht zu voll und alles Leute, die zwar gerne lang andauernd schwimmen, aber nicht so wie in Deutschland (so wie auch heute wieder) meinen, unbedingt wie Michael Phelps durch das Wasser pflügen zu müssen. Für das Schwimmbad gibt es nur eine Dusche. Das heißt Männer und Frauen duschen gemeinsam, aber halt in Schwimmklamotten. Als ich zur Dusche ging und geduscht habe, stand eine schlanke Frau im Badeanzug neben mir, die aber zu Boden schaute. Leider kam bei mir die deutsche Unsicherheit und ich stellte mich etwas abseits von ihr. Aus meiner Erfahrung weiß ich, deutsche Frauen wollen wirklich am Anfang erst einen großen Sicherheitsabstand, vor allem zu mir, haben. Wie es bei niederländischen Frauen ist, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich genauso, denke ich.

Am letzten Tag war ich nur noch in Delfzijl unterwegs. Erst mit dem Rad, später auch mal zu Fuß.

Die Rückfahrt ging über Groningen, Zwolle, Arnheim und Oberhausen nach Essen. Ab Arnheim habe ich dann das Ticket2000 benutzt.

Fazit von der Reise: Es war sehr gut, bin viel Fahrrad gefahren und konnte auch des öfteren die Erfahrung machen, durch den Regen zu fahren, ohne dass es mir peinlich wäre. Besonders hier in Essen, ist man der Auffassung, dass als Autofahrer zur privilegierten Oberschicht gehören würde, während alle anderen, die Rad fahren oder sich mit dem ÖPNV bewegen zur armseligen Unterschicht gehören würden. Radfahrer, die durch den Regen fahren und dabei nass werden, werden von Autofahrern eher als Öko-Fanatiker angesehen, die man nicht ernst nehmen braucht.

In den Niederlanden und dort vor Ort machen das bedeutend mehr Menschen. Ob sie es freiwillig machen oder eher gezwungen, weiß ich nicht.

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