Die nähere Zukunft

Ich habe jetzt fast jede Sendung im Talksendung im Radio zum Thema Diesel; Dieselfahrverbote und etc.. gelesen, aber auch in anderen Sendungen zu eigentlich ganz anderen Themen kommt unser städtische Zukunft immer mehr in den Blickpunkt.

Seit dem 26.06.2017 wo ich kein eigenes Auto besitze (ist alles abgemeldet, habe 102 Euro von der Autoversicherung noch erhalten, 28 Euro vom Zollamt Duisburg + 80 Euro vom Autoverwerterer) lebe ich fahrtechnisch gesehen gesünder. Ich bin auch heilfroh, endlich diesen Schritt gegangen zu sein. Ungewohnt? Nein, ich hatte eigentlich 37 Jahre kein eigenes Auto. Als ich 1997 den Führerschein machte, fuhr ich kurz den Wagen meiner Mutter, aber ich besaß ihn nicht. Trotz Wagen bin ich eigentlich kaum damit richtig gefahren, denn die Ausbildungsstelle befand sich in der Innenstadt, wo Parkmöglichkeiten rar waren. Danach war der damals 14 Jahre alte Wagen zu reparaturanfällig und meine Mutter hatte ihn verkauft. Jetzt bin ich selber den Wagen meines Vaters gefahren und nach knapp 8 Monaten war er mehr Ballast als Freude.

Ich habe zwar unverständlicherweise sehr viel Kritik von Kollegen bekommen, dass ich den Wagen einfach so zum Verschrotten gegeben habe, und nicht verkauft habe. Ok, viele haben den Wagen nur vom Aussehen gesehen gekannt, die Fahreigenschaften (Verbrauch), technischer Verschleiß waren schon enorm und andere Defizite, die mir immer wieder mal aufgefallen sind, haben die Verwertung des Wagen schon gerechtfertigt. Aber leider meinen Menschen, die nur die äußeren Werte sehen, besser etwas zu beurteilen können, als derjenige, der es benutzt hat.

Auf jeden Fall fahre ich nun Fahrrad, auch wie heute morgen bei Starkregen zum Einkaufen und es ergeht mir sehr gut dabei. Mein Ansehensverlust ist bestimmt schon sehr groß, denn nur vermeintlich besseren Menschen fahren nicht bei Regen Fahrrad. Das sehe ich bei mir im Fahrradkeller, wo die Räder, die unten drin stehen, wahrscheinlich nur einmal im Jahr benutzt wurden, denn die Plätze sind unverändert.

Auch wenn die aktuelle Debatte um das Dieselfahrverbot in den Medien einbißchen ungerechtfertigt zu sein scheint, die Debatte, wie wir unsere Mobilität gestalten wollen, wie unsere Städte aussehen sollen, das scheint auch derzeit niemanden so recht zu interessieren.

Es gibt zwar viele hochinteressante Portale wie Zukunft Mobilität, wo toll beschrieben wird, wie man am besten leben kann, oder die Vorträge von Heiner Monheim sind zwar sehr gut, denn scheint, der Abschied vom Auto noch bei allen kein richtiges Thema zu sein. Das Problem wird man durch Fahrverbote auch nicht lösen können, aber sie könnten schon einmal Denkanstöße geben, wie die Zukunft sein könnte. Leider fühlen sich viele Deutsche in ihrer angeblichen Freiheit bedroht. Der Prozess wie unsere Städte auszusehen zu haben, findet nicht statt.

Wie die Grauen Herren bei Momo die verzweifelt nach der gestohlenen Zeit ringen, so ringen viele nach dem letzten Strohhalm Dieselauto oder Benziner.

Nein, es will niemanden etwas wegnehmen, aber mal nachzudenken, muss ich wirklich mit dem Auto fahren?

Es gibt diesen ewigen Spruch, der durch alle Jahrzehnte geistert: „Wir wollen unseren Kindern eine bessere Welt hinterlegen“. Das gilt für alles, außer für das Autofahren. Warum gilt dieser Spruch nicht dafür?

Über die Plastiktaschen haben sich die Menschen aufgeregt, Palmöl, Glyphosat, Kernkraft und etc.. dafür (bzw. dagegen) setzen sich die Menschen ein, aber auch nur, weil sie ihren eigenen Lebensstil nicht ändern müssen. Das Auto, das ist nun mal ihr eigenes Leben. Da wird nicht großartig nachgedacht, auch wenn es mal in Reparatur kommt und es dann teuer wird, aber das Geld wird locker gezahlt. Die Bahnfahrkarte für 70 Euro wird als maßlos teuer angesehen. Singles sehen das noch als erträglich an, Familien mit Kinder nicht.

 

Wenn ich mir in den Niederlanden in der Realität anschaue, wie groß der Flächenverbrauch von hunderten von Fahrrädern vor Bahnhöfen ausschaut und wenn ich mir vor meinem geistigen Auge vorstelle, das seien alles Autos, möglichst alles SUV’s, wie viel Fläche da benötigt werden würde, dann wird mir schlecht.

Man würde so viel Parkfläche sparen, so viel Grün gäbe es zusätzlich in der Stadt. Wer schon mal an einem heißen Sommertag Barfuß auf Asphalt gelaufen ist, der weiß, wie heiß, der werden kann. Einmal hätte ich mir fast die Fußsohle verbrannt, weil der Asphalt war unerträglich heiß. Statt mal den Flächenverbrauch wirklich einzudämmen und damit die Überhitzung der Städte zu verhindern, wenn wir in Deutschland meinen unbedingt so eng zu wohnen, bauen wir immer mehr und mehr. Die benachbarte Wiese war trotz der gleichen Sonneneinstrahlung bedeutend kühler.

Was ist schöner? Ein großer asphaltierter Parkplatz oder eine schöne Wiese? Das gute Gewissen wird sagen: „Die Wiese“ (für unsere Kinder), aber das andere Gewissen: der Asphalt“, damit ich mit meinem Wagen dort parken kann.

Wenn ich mir die Niederlande so anschaue, mit ihrer Verkehrsstruktur, mit der Infrastruktur des Radwegnetzes, die sehr gute Verknüpfung des ÖPNV’s, wie die Niederländer ihre Städte planen, wie viel Luft in den Städten herrscht, davon können wir Deutschen uns eine Scheibe abschneiden. Aber der Zug ist in Sachen Stadtplanung leider schon fast abgefahren, denn wir haben zu dicht gebaut. Das rückgängig zu machen, ist schon fast unmöglich.

Leider.

Ich kann mit dem Attribut: „Spinner, Umweltfreak“ ganz gut leben, wenn viele denken, was ich hier so geschrieben habe bzw. mein Umfeld.

Von alleine verändern sich nur die, die ein großes Selbstbewusstsein haben.

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