Adventszeit ist auch wieder vorbei

Die letzte Woche war noch einmal hektisch, auch der gestrige Tag. Die Erwartung, dass es morgen ruhiger zugehen würde, von einigen Kollegen geäußert, habe ich direkt widersprochen.

Es ist leider in der Natur des Menschen, arbeitstechnische Dinge auf den letzten Tag zu verschieben und es hat sich so eingebrannt, dass man vor Weihnachten und Jahresende alles erledigen möchte (oder denken, dass man das muss, weil es andere auch machen). Es geht nicht um Bilanzabschlüsse, Buchführung oder ähnlichem (die werden sowieso erst nach Weihnachten gemacht, meist irgendwann im Januar.

Leute, die lange Zeit etwas vorplanen, und das meiste soweit erledigen, dass sie am letzten Tag vor Weihnachten bzw. dem Jahresende werden nicht für richtig befunden.

Die Züge, bis auf Mittwoch, fuhren erstaunlich pünktlich. Mittwoch raffte die Bahn eine Signalstörung, eigentlich nur im S-Bahnbereich, die Bahn dahin, aber sonst erstaunlich, dass es auch mal wirklich funktioniert. So etwas ist man sonst nicht gewohnt. Ob ich die Bahn dafür loben soll?

In Deutschland gilt ja die Devise: Es ist ein Lob, wenn nicht gemeckert wird oder es für selbstverständlich gehalten, wenn man keine Fehler macht.

Ich sage mal so: Als Einzelperson möchte man schon mal Lob erfahren (habe ich bislang nur recht selten bekommen, gestern nach langer Zeit wieder einmal). Aber kann man den Normalbetrieb eines Unternehmens loben?

Der normale Fahrgast macht sich keine Gedanken darüber. Ich kenne mich in der Materie recht gut aus, auch wenn mir die Details aus bekannten Gründen verborgen bleiben werden, weil ich nicht im Unternehmen DB arbeite, kann aber sagen, dass es schon recht lobenswert ist, was die die Unternehmen mit den wenigen Resourcen auf die Gleise bringen.

Ich spreche jetzt nur von der Gleissituation. Für die komische Reduzierung von Personal und Wagenmaterial dafür kann ich kein Lob aussenden.

Wie sieht Weihnachten bei mir aus?

Ganz ruhig. Ich habe keine Eltern mehr, eine feste Freundin auch nicht. Also werde ich hauptsächlich Filme (DVD) schauen und vielleicht bietet sich die eine oder andere Gelegenheit an, noch einbißchen vor die Tür zu gehen.

Essen habe ich eingekauft. Aber nicht nur heute morgen, sondern damit habe ich schon so langsam am letzten Montag angefangen. Heute morgen um 7.00 Uhr hat man Leute bei EDEKA gesehen, die man sonst nie gesehen hatte.

Na ja, es sind vier Tage zu überbrücken. Das ist fast eine ganze Arbeitswoche. Das ist nicht ohne.

Deutsche Moralapostel haben sich bei der Frage erhoben, morgen am Heiligabend ein generelles Verkaufsverbot zu erheben. Aber einige Supermärkte öffnen trotzdem.

Ich fand es nur sehr lustig, wie komisch die Gesellschaft ist. In diesem Jahr ist Heiligabend heilig, aber wenn Heiligabend wieder auf einen Wochentag fällt, dann gilt diese Heiligkeit nicht mehr. Also in den letzten Jahren habe ich davon nichts bekommen.

Ob der Sonntag dann immer geöffnet werden soll? In den Niederlanden ist das selbstverständlich. Die Supermärkte öffnen von 10 bis 12 oder bis 14 Uhr, oder länger. Albert Heijn, Jumbo machen das in den größeren Ortschaften. Ich war auch schon an solchen Tagen einkaufen, allerdings nur für eine Flasche Mineralwasser für meinen Ausflug.

Ich sehe gerade, die öffnen auch am Heiligabend von 10 bis 19 Uhr, gilt auch bei Carrefour in Belgien, Frankreich, Spanien (stichprobenartige Überprüfung). Natürlich haben die auch am Sonntag so geöffnet. Ich weiß von anderen ausländischen ehemaligen und aktuellen E-Mailfreundschaften, dass in deren Ländern auch ganz normal ist.

Nur die Deutschen haben ganz erhebliche Probleme damit. Aber mit was haben die Deutschen nicht alles ein Problem? Wenn die anderen Länder ein Problem haben, dann versammeln sie sich zu hunderttausenden auf der Straße, dann wird das Land komplett lahmgelegt. Punkt fertig aus. Der Deutsche mault und meckert, aber sonst passiert eh nichts.

Ach so: Man muss ja nicht am Sonntag einkaufen gehen (ich meine den Supermarkt). Es zwingt ja keiner dazu. Oder doch? Ich bestelle mir auch nur ganz selten etwas am Sonntag im Internet, obwohl man die Möglichkeit dazu hätte. Ich gehe auch nicht zwangsweise am Sonntag ins Kino, nur weil es offen ist.

Aber viele sehen darin immer einen komischen Zwang, weil sie wahrscheinlich kein Rückgrat haben, bei ihren Freunden zu widersprechen.

Wenn ich mir davon mal abgesehen, hier im Essener Hauptbahnhof Lidl anschaue. Dann ist der Laden 7 Tage in der Woche immer brechend voll. Egal ob 6 Uhr morgens oder um 22 Uhr, egal ob am Montag oder am Sonntag.

Arbeitsbedingungen? Also ehrlich gesagt finde ich die Arbeitsbedingungen für die Leute an der Kasse auch nicht viel schlechter als in anderen Unternehmen. Die Arbeitsbedingungen von den Leuten an der Kasse ist nun mal für jeden sichtbar, weil man einkaufen geht und Lebensmittel braucht jeder nun mal.

Wahrscheinlich erregt das die Öffentlichkeit mehr als der Triebwagenführer, der durch das halbe Land fährt, auch Schichtdienst hat, zugleich noch anderen Orten als dem Heimatort übernachten muss oder den LKW-Fahrer oder derjenige, der im Kernkraftwerke in der Warte arbeitet oder im Stahlwerk am Hochofen steht bzw. die Krankenschwester im Krankenhaus.

Klar, der eine oder andere, den ich hier aufgezählt habe, bekommt mehr Geld. Aber wie viel ist Geld im Vergleich zu Erholung, Gesundheit wert? Ein Jahresgehalt von 50.000 Euro hat nur halb so viel wert, wenn man unter Burn-Out leidet, weil man vorher 50 oder 60 Stunden in der Woche im Büro verbracht hat. Das schicke Auto, Haus hat keinen Wert, wenn man körperlich ausgepowert ist.

Ich bin daher immer vorsichtig, wenn man nur auf Arbeitsbedingungen von den Kasserierinnen schaut.

Persönlich habe ich für 30 Stunden für zwei Monate und die 20 Stunden in der Woche für 14 Jahre sehr genossen. Klar habe ich finanzielle Abstriche (bei 30 Stunden habe ich 1.100 Euro netto im Monat verdient und bei 20 Stunden 1.249 Euro netto, erstere Firma war ein kleiner Handelsbetrieb von 10 Personen, die nicht so viel gezahlt hatten, wie wo ich 20 Stunden in der Woche war, wo die Firma mehr finanzielle Kapazitäten durch Tarifverträge hatte) gemacht, konnte  mir nicht alles sofort kaufen, aber wenn man spart und genügsamer ist, dann klappt das auch sehr gut.

Trotz der 1.249 Euro war ich in Sportverein aktiv, habe mich in der VHS viele Fremdsprachen gelernt und war auch regelmäßig im Urlaub und da auch bis Spanien (mit Swiss, 2012 in Málaga). Ok, ich hatte kein Auto, aber das waren auch eher andere Entscheidungen, weil mir das Auto auch nie wichtig war. Für mich ist es sehr unbedeutend.

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