Schlammiger RS1

Der heutige Samstag bescherte erst einen sonnigen und trocknen Morgen. Dann verzog sich die Sonne und der Regen hat angefangen zu fallen.

Ich lasse mich nicht davon abhalten, auch hier das Rad zu benutzen. Das Ziel war das Rhein-Ruhr Zentrum in Mülheim-Heißen. Die kürzere Strecke ist halt über den RS1, den Radschnellweg 1, der so viel Werbung erfährt, dessen Weiterbau in Essen Richtung Bochum sich um viele Jahre verzögern wird.

Der Grund ist ein Dauerstreit vieler Beteiligter und die Tatsache, dass der RS1 auf einer ehemaligen Bahntrasse verläuft. Genau diese Bahntrasse wird aber an ehemaligen Goldschmidtwerk noch einmal täglich benutzt. Solange da nun noch Bahnverkehr herrscht, solange gilt das Eisenbahnrecht noch. Keine Ahnung wie viele Gesetze da abgearbeitet werden müssen, aber auf jeden Fall der östliche Teil, der auch nahe meiner Wohngegend verlaufen soll, wird sich noch um Jahre verzögern. Wir reden hier um mindestens fünf oder sechs Jahre.

Der Dauerstreit betrifft ein Wohngebiet; das Eltingsviertel. Es gibt drei Modelle für dieses Viertel und bevor nicht alles ausdiskutiert, so lange passiert da nichts. Ganz schrecklich finde ich, dass man sich darüber streitet, ob man die Brücke wohl über der Schützenbahn abreißen möchte oder nicht. Viele wollen die abreißen und damit würde genau das eintreten, wie auch schon beim Bertold-Beiz-Boulevard. Hier gab es eine Brücke. Die Stadt Essen hat die Bedeutung des RS1 total unterschätzt und die Brücke abgerissen. Jetzt baut man die Brücke nach – nein man hat 1 Jahr gebraucht, um die Gelder zu finden, man plant jetzt x Jahre, um dann x Jahre Bauzeit zu haben. Es sind ja auch stolze 270 Meter Länge und ungefähr 4 Meter Breite, die diese Brücke haben wird.

Im Bereich Altendorf Niederfeldsee gab es auch mal einen Bahndamm und eine Brücke. Man hat auch sie abgerissen. Dafür gibt es zwei Rampen, die so gebaut worden sind, dann man nicht einsehen kann, ob jemand am Ende der Rampe von rechts oder links kommt. Über den ehemaligen, inzwischen völlig abgetragenen Bahndamm hätte man die Hauptstrecke führen können mit einer Ausfahrt in Richtung Altendorf. In den Niederlanden oder in Kopenhagen wäre man mit Sicherheit auf diese Idee gekommen, aber die deutschen Planer denken ja wie immer ganz anders wollen immer etwas ganz besonderes machen. Ich denke da gerade an einer Brücke in Nijmegen, in den Niederlanden, die nur für Radfahrer seitlich der Eisenbahnverbindung Arnhem-Nijmegen Centraal verläuft. Das ist echt klasse.

Im Zuge der Brückenerneuerung an der Bundesautobahn A40 in Duisburg wird es keinen breiteren Radweg geben. Die Begründung: Es wurde früher kein offizieller Radweg da geplant, also warum muss heutzutage einen breiteren bauen. Die Autobahnbrücke für den motorisierten Individualverkehr hat Vorrang. Also der enge Radweg wird bleiben. Deutschland hat überhaupt keinen Sinn für den Radverkehr.

Na ja auf jeden Fall bin ich auf dem RS 1 am Niederfeldsee vorbei Richtung Rhein-Ruhr Zentrum gefahren.

Das besondere am RS 1 ist dann, dass mit dem Abzweig nach Borbeck der asphaltierter Weg in eine Staubpiste übergeht oder bei Regenwetter in eine Schlamm- und Seenlandschaft.

Die Stadt Essen hat Besserung gelobt (vor einem Jahr), dass auch dieses Stück bis zum Mülheimer Stadtgebiet asphaltiert wird. Man kann aber nicht vor dem Jahre 2022 damit rechnen.

Der RS1 in Essen-Altendorf Richtung Mülheim
RS1 in Essen-Altendorf Richtung Stadtmitte. Sind die Seen nicht herrlich auf einen Radschnellweg? So etwas hat nur Essen zu bieten. Die Stadt Essen kann wirklich stolz auf sich sein.

Man stelle sich eine Autobahn vor, wo plötzlich der Asphalt für ungefähr einen oder zwei Kilometer sich in eine Staubpiste verwandelt, die bei Regen sich in einem Matschlandschaft verwandelt. Was wäre das für ein Aufschrei?

Der RS1 ist sowieso in Essen ein kombinierter Fuß- und Radweg. Das heißt der Fußgänger und der Dackel haben die gleichen Rechte wie der Radfahrer. Nein, der Radfahrer muss auf den Fußgänger Rücksicht nehmen.

Erst auf dem Mülheimer Stadtgebiet ist er unterteilt in Fuß- und Radweg. Das ist auch der einzige Lichtpunkt in der Mülheimer Stadtverwaltung im Mülheimer Osten. In der Stadtmitte ist er dann eher Fußweg und Schlendermeile, denn auf dem Radschnellweg stehen viele Bänke, Blumenkisten und etc..

Ich wünsche mir auch Sitzbänke und Stahlwände auf einer Autobahn, so zwischen der zweiten und dritten Fahrspur. Das fände doch jeder Autofahrer auch ganz toll.

Wir als Radfahrer müssen uns auf die blödsinnige Einfälle der Stadtverwaltungen gefasst werden.

Die Stadt Bochum, wo der RS1 auch durchlaufen soll, hat muss sich eine neue Strecke aussuchen, weil die ehemalige kreuzungsfreie Strecke eigentlich gar nicht in Besitz von der Stadt ist, sondern in Privathand. Vorher hat man das nicht festgestellt.

Der große Traum einer kreuzungsfreien Strecke zwischen Hamm/Westfalen und Duisburg wird nie Wirklichkeit werden. Ich fürchte, der RS1 wird auch eine Huckelpiste haben, weil irgendeine Stadt kein Geld für eine vernünftige Piste hat.

Das Festhalten von Eigenständigkeiten, das Festhalten von hochbezahlten Posten in der Verwaltung wird so ein Projekt verhindern und ich würde mich nicht wundern, wenn man sagt, dass der RS1 nur zwischen Bochum und Duisburg verläuft und das ganze Projekt begräbt. Man macht das so klammheimlich ohne großes Aufsehen.

Rückweg vom RRZ Mülheim nach Essen

Auf dem Rückweg bin ich über Stadtstraßen vom Rhein-Ruhr Zentrum (am Eingang Ost war ich der einzige mit dem Rad dort) nach Essen-Rüttenscheid gefahren. Es gibt auch dort einen Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse, die auch nur eine Staubschicht hat und jetzt vom Regen auch mehr matschig ist als sonst was. Dieser Radweg gibt es schon seit etlichen Jahren. An einer Asphaltierung denkt hier die Stadt Essen nicht daran. Die ideale Querverbindung in der südlichen Stadtmitte wird über Jahrzehnte noch eine Staub-/ Schlammpiste sein.

Radwege, auf ehemaligen Bahntrassen, werden in Essen noch in Jahrzehnten Stiefmütterlich behandelt werden.


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