Ich bin perplex über die Auftragsbesteller

Ich hatte mich ja beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr über den letzten Freitag in der Baustellenzeit, den 23.08.2019, über die Eurobahn beschwert, weil sie nur einen Triebwagen eingesetzt hatte, als ich um 9.43 Uhr ab Oberhausen Hauptbahnhof nach Düsseldorf Hauptbahnhof gefahren bin und der Zug so voll war.

Das war so gewollt. Der VRR erklärte mir, bei Nachfragen, im Vertrag zwischen Eurobahn und VRR steht drin, dass nicht alle Fahrten auf dem RE3 (und RE13) sind in Doppeltraktion (also zwei Triebwagen hintereinander gekoppelt). Die morgendliche Fahrt um 5.36 Uhr ab Essen-Altenessen (welche um 5.43 Uhr in Oberhausen Hauptbahnhof ankäme) wäre so eine. Da wird auch im Laufe des Tages kein zweiter Triebwagen hinzu gekoppelt. Diese Leistung von 5.35 Uhr ab Essen-Altenessen fährt den ganzen Tag als Einzeltraktion herum. Natürlich kommt der Triebwagen irgendwann mal in den Berufsverkehr hinein.

Und auch die Fahrt um 9.36 Uhr ab Essen-Altenessen (9.43 Uhr ab Oberhausen Hauptbahnhof, 9.53 Uhr ab Duisburg Hauptbahnhof bzw. 10.45 Uhr ab Düsseldorf Hauptbahnhof zurück nach Hamm/Westfalen Hauptbahnhof) fährt den ganzen Tag als Einzeltraktion durch die Gegend. Ich würde mich nicht wundern, wenn die Leistung ab 9.36 Uhr ab Essen-Altenessen, die erste Fahrt von 5.36 Uhr ab Essen-Altenessen wäre.

Der Abschnitt zwischen Düsseldorf und Duisburg ist einer der am meisten genutzten Abschnitte und die Züge sind meistens voll bis ziemlich voll.

Wir wollen mehr Menschen von der Straße auf die Schiene locken und dann werden solche Verträge geschlossen? Dann werden diese Verträge auch nicht während der Baustellenzeit geändert, so dass mehr Kapazitäten vorhanden ist.

Denken die Verantwortlichen wo auch immer, dass immer alles gut geht und sich keiner beschwert und wer sich beschwert, dem erzählen wir ihm irgendeine Geschichte? Da Politiker auch in den Aufsichtsräten von Verkehrsverbünden und Zweckverbänden drin sitzen, kann man sich ausrechnen, dass auch von der Politik so gewollt ist. So nach dem Motto: Kalkuliert mal haarscharf, damit wir (Politiker) Euch nicht so viel Geld zu Verfügung stellen müssen (damit wir unser Diäten oder das Geld nach Griechenland raus werfen können).

Leider kann man die ganzen Lobbygruppen von „Pro Bahn“, „Allianz pro Schiene“, „VCD“ auch alle vergessen. Was ich oft von denen in den Medien lese bzw. auf deren Nachrichtenportalen, hört sich immer total harmlos an.

Es hat in Deutschland keiner ein richtiges Interesse, dass wir so einen ÖPNV oder einen öffentlichen Fernverkehr wie in der Schweiz oder in den Niederlanden bekommen. Es wird zwar immer öffentlich geschimpft und mag sein, dass eine oder andere mehr für den ÖPNV und den Fernverkehr einsetzt, aber diese eine Person muss sich dem Druck der anderen beugen.

Geschichten wie die Magnetschwebebahn wurden bestimmt auch auf diese Art abgeschmettert und ich wage zu bezweifeln, ob bei uns in Deutschland auch der Hyperloop käme.

Die Grünen und alle anderen Parteien, die sich immer für mehr ÖPNV angeblich einsetzen wollen, werden sich nie durchsetzen, besonders nicht, wenn sie an der Macht sind.

Die Grünen waren ja schon mal in Regierungsverantwortung (Joschka Fischer) und was ist daraus geworden? Nicht so viel. Die Grünen waren auch in NRW an der Macht. Es kam auch nichts daraus und jetzt in Baden-Württemberg höre ich auch nicht besonders viel.

Die Umweltzonen sind ein Witz (daran hält sich niemand; es wird auch nicht kontrolliert), die Fahrverbote sind auch vom Tisch (wenn auch nicht offiziell) – sie sind so aufgelockert, dass sich daran niemand mehr halten muss.

Eigentlich kann man die ganze Veranstaltung von Friday for Future vergessen. Es sind nette Demonstrationen, aber bewirken werden sie nichts.

Wenn man nicht einmal möchte, dass auf allen Linien in Deutschland das größtmögliche ÖPNV-Angebot zur Verfügung gestellt wird, wenn im Kleinen bei einzelnen Linien solche komischen Verträge wie zwischen Eurobahn und VRR geschlossen wurde, so lange hat niemand irgendwelches Interesse am Klimaschutz. Denn wenn man Interesse am Klimaschutz hätte und die Menschen bewegen würde von der Straße auf die Schiene, so lange muss man als überzeugter ÖPNV Nutzer das Leben in vollen Zügen genießen und schon mal nicht mitkommen.

Aber alles das ist so gewollt, von so vielen Beteiligten in Deutschland.

Selbst in Belgien sind die Züge für deren Verhältnisse sehr lang. Die IC Linie 01 von Eupen nach Ostende ist bedeutend länger als so mancher Intercity in Deutschland. In Belgien und den Niederlanden fahren schon seit Ewigkeiten Doppelstock Intercity Züge. Die Niederländer fahren im 30 Minuten Takt. Hat man einen verpasst wartet man 25 Minuten auf den nächsten und fährt weiter.

Man fährt mit dem Fahrrad zum Bahnhof, parkt es dort, stempelt man sich mit der OV-Chipkaart ein, fährt mit den Zügen zum Endbahnhof, geht es ins Parkhaus, leiht sich ein örtliches Fahrrad aus und fährt weiter. Man hat nur eine Fahrkarte (die OV-Chipkaart), einstempeln, ausstempeln, Ankunft. Alles ganz einfach.

Klar, der Deutsche schreit sofort und verfällt in totaler Panik wegen Datenschutz.

Unser deutscher Datenschutz verhindert ganz erfolgreich solche einfachen Methoden wie in den Niederlanden. Die Deutschen wollen es nun mal ganz unbequem haben, zig Fahrkarten, zig Fahrkartensystem (und das nur innerhalb eines Bundeslandes). Das ist alles nicht so schlimm, wie die Daten weiterzugeben. Gut, die Deutschen wollen das alle so haben (bis auf ich), dann müssen wir mit so vielen Verkehrsverbünden leben, den schließlich sichert das auch die wertvollen Managerposten.

In Belgien gibt es nur vier Verkehrsgesellschaften (die SNCB, die STIB (Brüssel), De Lijn für Flandern und TEC für die Wallonie).

In den Niederlanden gibt es nur auch nur einige Verkehrsgesellschaften. Auf dem Portal 9292.nl kann man seine Fahrt von Sluis bis nach Eemshaven (7 Stunden und 16 Minuten braucht man für diese Fahrt planen, die 38 Euro einfach kostet).

Man fährt mit der Linie 42 bis Oostburg, mit der Linie 1 (fünf Minuten Wartezeit) bis Terneuzen, dann mit der Linie 20 bis Goes, dann mit den Zug (Intercity) von Goes nach Leiden, umsteigen in den Intercity nach Groningen und dann mit dem Stoptrein nach Eemshaven.

Bei den Umsteigezeiten wird einem schwindelig. Die längste Umsteigezeit ist in Groningen mit 10 Minuten, alle anderen sind darunter.

Mit welcher App kann man das für Deutschland? Das Portal der Deutschen Bahn.de eignet sich manchmal dafür, aber man kann dort nur die Schienenverbindungen buchen; die Fahrt mit den örtlichen Bussen und Bahnen nicht.

Machen wir uns nichts vor. Es wird keinen Deutschland Takt geben (auch wenn man anders sagt). Es wird hübsch alles beim Alten bleiben. Das ist bequem, da braucht man sich nicht anstrengen und alle Manager können am Mittwoch Abend pünktlich in die Loge vom Theater sitzen und teures Essen zu sich nehmen.

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