Das lang erwartete Urteil aus Leipzig wurde heute verkündet

Heute hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig den deutschen Städten ermöglicht Fahrverbote auszusprechen.

Dieselfahrzeugbesitzer müssen damit rechnen, dass Fahrverbote verhängt werden. Die Stadt Hamburg hat schon angekündigt, im April auf zwei Straßen welche zu verhängen. Wie in einem noch etwas jüngeren Beitrag angedeutet, gibt es auch Ausnahmen. Die Polizei in Hamburg soll das kontrollieren.

Diese Kontrollen werden nichts nützen, denn da ja inzwischen eine Respektlosigkeit gegenüber der Polizei angewandt wird, wird man nicht viele ernsthaft dazu bewegen können, die entsprechenden Straßen nicht zu benutzen. Außerdem wenn es Strafen geben könnte, dann werden sie ganz gering sein. Deutschland ist nun mal nicht europäisches Ausland, wo die Strafen einem schon ganz empfindlich treffen können.

Der Verkündigungsartikel vom Urteil aus Leipzig von Zeit.de hatte innerhalb von drei Stunden mehr als 1.000 Kommentare. Ich habe darin gesehen, dass die meisten Deutschland doch am liebsten das eigene Auto wohl noch im eigenen Schlafzimmer parken würden (wenn es möglich wäre). Die Ablehnung gegenüber dem Elektroauto war nicht umsonst so stark in den letzten Jahren (oder sie hielt sich in Grenzen, weil man ja an den sauberen Diesel glaubte). Zu meiner Jugendzeit war der Diesel immer schmutzig. Der Benziner galt als sauber. Ich kenne mich mit der Technik nicht so besonders aus, aber beim Dieselmotor fehlt(e) nämlich etwas was der Benzinmotor hatte. Irgendwas mit der Nachverbrennung oder mit dem Zünden – irgendwas machte der Dieselmotor anders und deswegen kam mehr Dreck aus dem Auspuff.

Es wundert mich jetzt, bzw. schon seit dem Bekanntwerden des Dieselskandals, dass die sonst so aufgeklärten Bundesbürger sich von der Werbung der Automobilhersteller in die Irre führen gelassen haben. Verbrennungsmotoren aller Anwendung sind immer schmutzig, denn schließlich benutzt man organische Materialien. Beim Elektroauto kamen Argumente auf, dass man seltene Erden benutzen würde, dass die Energie, die rein gesteckt wird, möglichst nur vom Wind und von der Sonne her kämen. Das Elektroauto wurde abgelehnt, weil zu schmutzig, aber der Verbrennungsmotor sei sauber, was ja nicht sein kann. Das müsste sich auch bei der deutschen Logik verbieten, aber irgendwie scheint das nicht überall angekommen zu sein.

Das komische an der Sache ist, dass ausgerechnet erst so ein Urteil von heute so ein Losbrechen der Emotionen verursacht, denn dass die Automobilhersteller nicht sauber gearbeitet hatten, ist schon so viele Jahre bekannt, aber das erzeugte nicht so viele Kommentare. Jetzt wird auf die Hersteller geschimpft (hätte man auch schon 2015 oder 2016 machen können, denn ich fand die Herausgabe dieser Informationen ungewöhnlich still, auch dass die Versuche der Abgasuntersuchungen angeblich an Affen und Menschen durchgeführt wurden).

Wahrscheinlich war das alles unbedeutend, denn es gilt ja in den deutschen Köpfen der Spruch: „Freie Fahrt für freie Bürger“ und jetzt gibt es Fahrverbote und das empfinden die Bürger als Beeinträchtigung ihrer Lebensverhältnisse.

Das Auto hat immer noch ein sehr großes Statussymbol oder zumindest glauben das die meisten immer. In einer der vielen Kommentare hatte ich gelesen, dass die Armen das Fahrrad nehmen müssten.

Wenn der Kommentator wüsste, was ich tagtäglich in den Fahrradabteilen der Züge der Deutschen Bahn AG für Fahrräder sehe, die Leute morgens auf dem Weg zur Arbeit und dann wieder zurück fahren. Das sind alles keine billigen Räder, die sehen nach Wert aus. Neben den Rädern sehe ich auch noch hochwertige Lichtanlagen (meine hat für das Vorder- und Rücklicht ja 74 Euro gekostet). Wer heutzutage zur Arbeit mit dem Rad fährt, benutzt kein Billigrad und trägt keine verknüddelte Kleidung. Der Kommentator hat wohl schon sehr lange nicht mehr die realen Verhältnisse gesehen, sondern nur das was er sehen und glauben will.

Bis der Deutsche mal wirklich um gedacht hat, das wird sehr lange dauern. Ich würde sagen, dass 99% der Deutschen das Auto als Transport- und Verkehrsallheilmittel ansehen. Die restlichen 0,5 % fahren mit dem ÖPNV und 0,5 % mit dem Rad. Ich kann mir das nicht anders erklären, warum so viele Deutsche so gerne jeden Morgen und jeden Abend im Stau stehen.

 

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