PowerShell Buch einfach so gekauft

Ich habe mir gerade ein O-Reilly Buch über die Windows PowerShell online gekauft. Es ist ein E-Book im PDF-Format. Es hat 21,99 Euro gekostet und ich habe es über meine Kreditkarte bezahlt.

Eigentlich dürfte ich ja das Buch nicht gekauft haben, denn ich habe kein Microsoft Zertifikat und auch keine IT-Ausbildung; ich habe ja nur eine stümperhafte Bürokaufmann  Ausbildung. Aber der O’Reilly Verlag war wohl jetzt zu nachlässig; er muss das noch überprüfen. Nur zertifizierte Leute dürften sich das kaufen. Wenn man das Buch als Normales auf Papier im Laden kaufen möchte, verlangt die Kassiererin immer nach einem Microsoft-Zertifikat und den Ausbildungsnachweis aus der IT.

Wo kämen wir hin, wenn jeder Otto-Normalverbraucher sich einfach so auf normalem Wege weiterbilden würde? Das geht ja gar nicht. Nur ein zertifizierter Microsoft Techniker ist zertifiziert genug, Buchseiten in einem Buch über die PowerShell zu blättern. Vom Inhalt verstehen mal ganz zu schweigen.

Wenn ich das Buch gelesen habe, muss ich auch das mit einem Zertifikat nachweisen, denn sonst glaubt mir ja keiner, dass ich das auch kann, was da drin geschrieben steht.

In Deutschland ist es so, dass man zuerst mit einem misstrauischen Auge bedacht wird, wenn man etwas nicht mit einem Zertifikat belegen. Ein Zertifikat ist die 100%ige Sicherheit, dass jemand etwas kann. Aber nicht nur das Zertifikat ist entscheidend, sondern auch die Note (möglichst 200 Punkte von 100 möglichen Punkten), von welcher bestimmten Bildungseinrichtung (bloß nicht die falsche nehmen).

Ich habe sehr viel Vorstellungsgespräch bei dieser Firma gelernt. Je mehr Zertifikate desto besser. Am besten 40 Jahre Berufserfahrung, 20 Microsoft-Zertifikate und eine mehrjährige mit Bestnoten absolvierte Berufsausbildung (natürlich in der richtigen Firma und der richtigen Berufsschule) und natürlich ein Gehaltswunsch von 2.400 Euro brutto.

Das ist also immer noch Trendy. Ob ich mich jetzt unbeliebt mache bei meinen Mitmenschen? Ganz bestimmt. Aber das mache ich ja sowieso meistens mit meinen Blogartikeln.

Es hieß mal früher: Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Leben. Im Berufsleben heißt es umgekehrt. Wir lernen nicht mit Berufserfahrung, sondern für Zertifikate

(Es bedarf keinerlei Erwähnungen, dass dieser Artikel Spuren von Ironie enthält – das kann ich ohne mein Ironie-Zertifikat).

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