Zeit nach Corona

Wir sehen derzeit, dass alles was uns lieb ist, herunter gefahren wird. Selbst die Verkehrsgesellschaften reduzieren ihr Angebot. Für den Moment ist das natürlich bedrückend. Der Haupttenor ist derzeit, dass die Welt nicht mehr die sein wird, wie jetzt bevor und die Frage ist, was kommt danach?

Ich hoffe zumindest, dass Firmen Leute einstellen, die zwar fachlich nicht immer auf dem Topstand sind, aber die in der Nähe wohnen. Nicht top ausgebildete Leute müssen bereit sein, vieles Neues zu lernen.

Bislang war es so, dass man gefühlt immer die Topleute suchte, die aber nicht in der näheren Umgebung (innerhalb einer Stadt) wohnten, sondern eher jemanden, der 40 km oder mehr zum Arbeitsplatz fahren musste. Home Office war ja bislang eher für einige wenige vorbehalten.

Ich kann davon ein tägliches Liedchen singen. Ich habe diese Woche Spätdienst und obwohl ich um 20.05 Uhr den RE6 ab Düsseldorf Flughafenbahnhof genommen hatte, war ich erst um 21.15 Uhr zu Hause. Es gab einen Personenunfall auf der Strecke zwischen Duisburg und Essen und der Zug hatte 15 Minuten Verspätung. Ich habe mich darüber natürlich geärgert. In den letzten 5 Wochen wo ich den Normaldienst bis 16.45 Uhr hatte, gab es nur wenige Störungen, aber nach 20 Uhr scheint es bei den Bahngesellschaften einen Schalter zu geben, wo Verspätungen erwünscht sind.

15 Minuten sind am Abend viel, wenn man 15 Minuten früher zu Hause ist.

Die meisten Jobs hier in Essen sind einer Umgebung von 30 Minuten mit dem Fahrrad sehr gut zu erreichen. Selbst wenn ich um 20 Uhr Feierabend haben sollte, wäre ich immer noch um 20.30 Uhr oder 20.35 Uhr zu Hause. Das ist für Psychologie immer besser als noch zu denken: „Hoffentlich fährt der Zug so einigermaßen pünktlich, wenn er überhaupt fährt“.

Wenn ich das richtig überblickt habe, habe ich bis Vertragsende Ende September 2020 auch keine weitere Spätschicht mehr. Aber ich kann mich auch täuschen.

Klar ein Arbeitgeber freut sich, wenn der Mitarbeiter pünktlich auf die Minute geht. Aber die meisten Arbeitgeber wissen nicht oder nur unzureichend, dass der Mitarbeiter, der mit den ÖPNV fährt, eher im Gedanken ist, ob er die nächstmögliche(n) Bahn / Bus / Zug erwischt. „Fährt dieser pünktlich, oder muss er noch länger warten, kommt er noch später nach Hause“.

Eine solche Rechnung macht kein Arbeitgeber. Arbeitgeber sieht nur die Arbeitszeit und dann endet das Denken, denn alle Arbeitgeber, Manager und etc. die höhere Führungsebene fahren Auto. Da fährt keiner mit dem ÖPNV.

Ich habe zwei Arbeitskollegen, die wohnen mit dem Fahrrad 20 Minuten entfernt. Da wäre es mir auch egal, ob ich das Büro um 20 Uhr oder 20.15 Uhr verlasse. Ich muss mir den Stress machen, weil ich weiß, dass die Züge um 20 Uhr und später total unzuverlässig fahren. Bei jeder Spätschicht ist das der Fall. Am Tage sind die Bahngesellschaften noch bemüht, Verspätungen irgendwie wettzumachen, am Abend ist denen total egal.

Daher habe ich die Hoffnung, wenn der zukünftige Arbeiter, wenn er Homeoffice weiterhin spektisch gegenüber steht, dass er Leute eher aus der Umgebung einstellt, die lernwillig sind als jemanden, der täglich 1 Stunde mit dem ÖPNV unterwegs ist, der aber vielleicht der ultimative Topmensch ist.

Bislang hatte ich auf einem Personalerpodcast, ich glaube von Heiko Link dies gehört, dass ein Arbeiter eine Bewerbung ablehnte, weil sie dann einen Arbeitsweg von 2 Stunden (einfache Fahrt) hatte.

Es wird noch weitere Änderungen nach Corona geben. In Zukunft werden solche Orte wie Gangelt oder Ischgl in einem anderen Licht stehen und wenn so etwas stattfindet, dann wird man mehr kontrollieren.

Besonders Ischgl ist jetzt zum Ort des Bösen erwacht.

Vielleicht werden die großen Massentourismusorte in Zukunft auch eher die großen Verlierer sein. Vielleicht wird man sich darauf besinnen, doch mehr Angebote in der Fläche zu haben, denn die bisherigen Zentren werden als Gefahr dastehen, dass man mit irgendwas anstecken könnte.

Ich denke schon, dass man das Leben mehr verteilen wird (also von der Fläche).

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