Man ist immer wieder erstaunt, was hier vor sich geht

25. Januar 2021 Aus Von elsenorweb

Ich kenne einen guten ehemaligen Arbeitskollegen, seit einigen Jahren. Also wir haben zusammen gearbeitet. Er ist so mehr auf der Ökoschiene, was für mich kein Problem darstellt. Wir haben einige gemeinsame Interessen, aber wir sind eher etwas oberflächlich zu tun. An manchen Stellen weniger, aber egal.

Ich schaue gerne mal an einem Wochenende, wo man gut Urlaub machen könnte. Klar, in Coronazeiten ist das unmöglich und nur mit PC-Sachen Linux, PowerShell und sonst was sich zu beschäftigen, da raucht auch irgendwann der Kopf.

Und so schaue ich dann gerne, wo ich dann meinen nächsten Urlaub machen könnte. Für mich ist das auch einwenig Abwechselung, weil ich kann auch die ganzen Nachrichten wegen Impfung und so nicht mehr lesen. Für mich ist das auch ein Lichtblick. Mir ist auch klar, in diesem Jahr wird man wohl nicht mehr irgendwo großartig hinfahren können, nein hinfliegen.

Das letzte Mal bin 2012 nach Málaga geflogen mit Swiss von Düsseldorf über Zürich. Ich beabsichtige auch wieder in einem meiner nächsten Urlaube wegzufliegen.

2013 war ich in Belgien, 2014 in Südfrankreich, 2015 in den Niederlanden, 2016 gar nicht weg, 2017 in Arnhem, 2018 und 2019 in Rostock. 2020 bin ich hier geblieben, wegen Corona. 2021 wird es ähnlich sein. Für 2022 plane ich aber wieder mit dem Flugzeug unterwegs zu sein, also 10 Jahre nach dem ich geflogen bin.

Ich hab es dem ehemaligen Arbeitskollegen und das erste was von ihm kam: „Ja, aber die Umwelt, und die wird von den Flugzeugen verpestet.“ Dann versuchte er sich über meine Gesundheit (ich hatte 2012 aber Thrombosespritzen von meiner Gefäßchirurgin bekommen, die ich am Abend vor dem Flug gespritzt hatte).

Ich bin nur entsetzt: Wir befinden uns in einem Lockdown. Ich sitze, im Gegensatz zum ihm fast den ganzen Tag zu Hause; ich verzichte quasi auf alles. Dann rede ich über ein mögliches Ereignis in knapp 1,5 Jahren, worauf ich mich freue und ich bekomme die Umweltkeule geschlagen.

Er dachte, ich würde nicht so viel fliegen, nachdem ich aufgezählt hatte, dass ich als Kind sehr oft auf Teneriffa (von 1987 bis 1990 und 1993) war (meine Mutter vertrug damals das Klima sehr gut. Meine Mutter saß im Rollstuhl und hatte Multiple Sklerose). Wir hatten damals geplant, dass wir komplett nach Teneriffa ziehen würden und ich dort auf die deutsche Schule gehen solle. Dazu ist es aber nie gekommen. Der letzte Flug war 1993 mit Hapag Lloyd, mit einer Boeing 737-400. Dann war ich erst wieder 2005 mit Air Berlin nach Barcelona, 2007 in Tarragona (bis Barcelona geflogen, Eurowings/Lufthansa), 2009 mit Eurowings nach Bilbao und 2012 mit Swiss nach Málaga. Ich bin bislang in meinem 42-jährigen Leben 8-mal geflogen. Das ist sehr, sehr, sehr wenig. Für meinem ehemaligen Arbeitskollegen war das sehr viel, weil er ist nur dreimal in seinem Leben geflogen und er dachte, er wäre ein Eisenbahnfreak.

Der ehemalige Kollege hat aber ein Auto (ich habe kein Auto) und für ihn ist es in Ordnung mit dem Auto in den Urlaub zu fahren (mit dem Zug fährt er nicht mit dem Fahrrad in den Urlaub – was ich gemacht habe).

Ich bin sauer, weil er sich das Recht herausnimmt mit dem Auto zu fahren (ab und zu wie er sagt), aber ich dürfte nicht fliegen („die Umwelt wird verdreckt“), nach seiner Fasson.

Den Kontakt werde ich ruhen lassen. Man muss aufpassen, zu wem man was sagt. Vielleicht ist das wieder nur kindisch von mir, aber bevor ich irgendwas mit der Umweltkeule bekomme, schweige ich lieber.