Eine schlimme Schneewoche liegt hinter mir

13. Februar 2021 Aus Von elsenorweb

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so etwas hier in Deutschland erleben würde. Aber leider bewahrheitet es sich immer wieder, Deutschland ist inzwischen ein sehr armes Land. Deutschland hat kaum finanzielle Mittel mehr, um seinen Betrieb, aufrechtzuerhalten. Besonders das Ruhrgebiet ist sehr abgehängt inzwischen.

Ich rede nicht von den allgemeinen Versäumnissen, sondern über ein Phänomen, das man Winter nennt und Schnee. Solche einfache Verhältnisse können ein Land wie Deutschland in die Knie zwingen.

Bei Schnee und Glatteis habe ich die Erwartung, dass man so etwas nach dem zweiten Tag beherrscht. Beherrscht heißt, dass die Straßen befahrbar für den ÖPNV sind.

Gelsenkirchner Straße am Montag, 08.02.2021 um 5.53 Uhr

Am Sonntag 07.02.2021 hatte es geschneit. Dann setzte strenger Bodenfrost ein mit Temperaturen bis -10 Grad. Die Ruhrbahn aus Essen/Mülheim schickte erst am Mittwoch 10.02.2021 erst die ersten Fahrzeuge in den unregelmäßigen Linienbetrieb. In Gelsenkirchen fuhr die BOGESTRA erst am vergangenen Freitag, den 12.02.2021. Gelsenkirchen ist bedeutend flacher als Essen.

Gelsenkirchen Steeler Straße in Rotthausen am 08.02.2021

Weder die Ruhrbahn noch die BOGESTRA ließen ihre Straßenbahnen die gesamte Woche fahren.

Ich bin mit dem Fahrrad erstmals wieder am Mittwoch 10.02.2021 zaghaft gefahren. Natürlich musste ich es viel schieben. Am Donnerstag und am Freitag wurde die Straßenverkehrslage wieder besser. Besonders die Straßen im Gelsenkirchener Süden waren sehr gut zu befahren.

Ich habe den ersten Gelsenkirchener Winterdienst erst am Freitag den 12.02.2021 gesehen. Ein Essener Winterdienstfahrzeug habe ich bis gestern nicht gesehen. In Essen vertraut man auf der Natur. Also die Sonne und die Fahrzeuge werden die Straßen schon auftauen.

Also heute, fast eine Woche nach dem Eintritt des Schneefalls fahren noch keine Straßenbahnen. Ich hacke so auf die Straßenbahn, weil im Falle von Schnee würde ich mit der Linie 107 von hier in Stoppenberg bis nach Gelsenkirchen HBF fahren und damit wäre ich der Arbeitsstelle sehr nahe. Aber die Linie 107 ist von Sonntag, 07.02.2021 bis heute Morgen Samstag, 13.02.2021 kein einziges Mal durch bis Gelsenkirchen HBF gefahren.

Bei der Deutschen Bahn AG sieht es noch viel schlimmer aus. Alle DB Linien waren bis gestern eingestellt. Vereinzelt fuhren Privatbahnen, also von Abellio, Eurobahn und etc… Ich muss auch sagen, ich habe mich seitdem ich wieder mit dem Fahrrad größtenteils fahren konnte, auch nicht mehr für die Ruhrbahn/Deutsche Bahn AG interessiert.

RB32 im Gelsenkirchener HBF am Dienstag 09.02.2021

Hauptübel ist der Essener Winterdienst. Der Essener Winterdienst ist seit Jahren überhaupt nicht präsent. Der Essener Winterdienst, der von der EBE betrieben wird, kann noch bei Schneehöhen von 1 cm etwas anfangen, aber wenn es zweistellig wird, dann ist der Essener Winterdienst sehr überfordert.

Angeblich wurden Lehren hier in Essen aus dem Katastrophenwinter 2010/2011 gezogen. Wahrscheinlich hat man seitdem die Speisekarte der betriebseigenen Kantine der Essener Entsorgungsbetriebe (Essener Winterdienst) verbessert, aber sonst scheint alles andere beim alten zu sein.

Essen braucht mehr Personal und viel mehr Fahrzeuge. Ich weiß die BWL’er wollen mir bestimmt jetzt die Gurgel abreißen und sagen, dass alles viel zu teuer sei. Aus deren Sicht können die Straßen in so einem Land für Woche im Winter, wo man ohnehin, weil es so kalt ist, ruhig mal außer Betrieb sein. Wahrscheinlich arbeiten alle BWL’er sowieso schon seit Jahren im Homeoffice und brauchen keinen ÖPNV oder Auto, um zur Arbeit zu kommen. Vielleicht ist es für einen BWL’er aus finanzieller Sicht besser, wenn eine Woche wegen Schnee und Glatteis kein Linienbus und keine Straßenbahn fahren.

Was ein BWL’ler nicht auf dem Schirm hat. Der Imageschaden ist enorm. Hier in Essen hat sowieso niemand Hoffnung, dass wir einen Winterdienst haben.

Essen hat 18 Räumfahrzeuge und Dortmund 50. Beide Städte sind gleich groß. Noch Fragen?

Auch wenn die Fahrzeuge möglicherweise 10 Jahre nur mal jährlich gewartet werden müssen, müssen solche Fahrzeuge für unsere Breitengrade vorhanden sein. Wenn im Senegal, in Dakar, solche Schneemassen herunterkämen und man dann überfordert wäre, könnte ich es noch verstehen. Aber in einem solchen Breiten- und Längengrad wie bei uns überhaupt nicht. Auch wenn der Schnee im Winter immer wieder mal ausfällt und dann sich herrlich über den Klimawandel aufregen kann, so fällt immer wieder doch mal Schnee. Oder hat man in der Essener Stadtverwaltung wirklich an den schneefreien Winter für die nächsten 100 Jahre gedacht, nur weil die Klimaforscher dies immer wieder vorhergesagt haben?