Persönlichkeit zeigen fällt sehr vielen sehr schwer

25. November 2021 0 Von elsenorweb

Mir ist das durch eine Fragestellung einer Person auf LinkedIn aufgefallen. Sie hatte drei oder vier Fragen, diese übliche Umfrage gestellt und ich schrieb darunter, dass sich viele nicht öffnen wollen, weil sie Angst haben, dass ihr Arbeitgeber das negativ auslegen könnte. Vor sehr vielen Jahren gab es immer diese Bewegung meist, dass Jugendliche möglichst keine Fotos im Betrunkenen Zustand auf Facebook posten sollen, weil dann die Personaler das sehen und immer negativ auslegen. Als ob Personaler immer nüchtern wären.

Noch neulich gab es eine Überschrift bei der Welt.de, wo auch wieder der typische Satz geschrieben worden ist: „Das würde ich bei Xing und LinkedIn nicht posten“. Da ging es um Hobbys, da ging es um Fotos und etc..

Den Firmen geht es doch um Persönlichkeit oder doch nur was der Mensch kann? Es gibt Monate da überwiegt der Glaube an der Persönlichkeit und dann wieder was der Mensch auf dem Kasten hat? Letzteres wäre sehr technisch und ein Mensch ist mehr als seine Fähigkeiten und sein Wissen.

Soll der moderne Mensch wie die Grauen Herren bei Momo sein? Das Leben ist vielfältig. Viele Menschen können aufgrund der Technik zu Hause arbeiten und müssen theoretisch nicht mehr in eine künstlich geschaffene und leider sehr stilisierte Umgebung, sprich Büro gehen. Die Expertise eines Menschen geht auch nicht verloren, nur weil er mal nicht im Anzug im Büro sitzt, sondern in Sportkleidung zu Hause. Mir macht ein Anzug persönlich gesagt mehr schaffen, er lenkt noch mehr ab, als wenn ich im Homeoffice in bequemer Kleidung sitze.

Wenn aber 20 Menschen alle in Anzug im Büro sitzen, wirken dann alle 20 Menschen gleichermaßen kompetent? Oder sind es die 20 x Graue Herren von Momo oder wie auf diesem Bild hier? Ich sehe die Grauen Herren vom Aussehen. Klar sie hatten noch eine andere Funktion in Momo, aber darum geht es hier mal nicht.

Ja natürlich gibt es auch bei den Anzügen Unterschiede, Stoffqualität, schwarz sieht eleganter aus als grau oder umgekehrt oder in beige etc…

Ich erlebe es sehr oft bei LinkedIn, dass nur einige viel posten (wie ich auch) und einige sich ein Leben lang verstecken. Konto haben gut, ein kleines Profil erstellt haben und dann inaktiv das ganze verfolgen. Dann wird man oftmals auf der Arbeit angesprochen, so im kleinen Privatgespräch was man so auf LinkedIn treibt, dass es nicht gut wäre.

Was bedeutet das: „es wäre nicht gut, so viel von sich zu veröffentlichen?“ Theoretisch dürfte man keinem Menschen irgendwas sagen, denn auch der eine Kollege mit dem man jeden Tag in der Kneipe gesessen hat und seine Seele ausgeschüttet hat, kann die ganze Geschichte an andere weiter erzählen und die erzählen es immer weiter und weiter (auch ohne Internet – es geht langsamer als ohne Internet, aber in einem 300 Seelendorf war das bestimmt für den einen oder anderen nicht immer ideal).

Wenn Persönlichkeit gezeigt wird, wird das meiste so verstanden nur die Schokoladenseite zu zeigen. Das wird in LinkedIn oder Instagram sehr gerne gemacht, wie auch sonst wo. Alle Firmen präsentieren sich auf deren Webseiten immer nur von der besten Seite. Ich glaube, selbst die Mafia, die ETA, wenn die Menschen für sich werben würden und eine Internetseite haben, da werden auch nur die besten Seiten gezeigt.

Mit Persönlichkeit meine ich aber alle Seiten des Lebens, auch mal die schlechten Seiten. Oftmals wird es in allen sozialen Netzwerken so dargestellt: „Ich hatte eine schwere Zeit und ich konnte mich ganz alleine aus diesem Sumpf befreien und heute habe einen Umsatz von 3 Milliarden Euro monatlich“. Dann kann man sich sicher sein, dass man unter diesen Kommentar 5000 Likes bekommt, weil so etwas will jeder lesen, egal ob in den sozialen Netzwerken oder in der Tageszeitung. Wenn mal nachfragt, er, sie, es das gemacht habe, bekommt man keine Antwort.

Ich hatte mal behauptet, dass die Menschen keine Meinung hätte. Ein anderes LinkedIn-Mitglied hat mich dann angeschrieben, dass dies ungeheuerlich wäre, zu behaupten, dass die Menschen keine Meinung hätten. Ich bot dem Mitglied an, dass sie gerne unter meinen Beiträgen was kommentieren könnte (wenn dieser Mensch doch eine Meinung hätte), aber nach einer Woche habe ich keine weitere Kommentare unter den Artikeln mit 0 Kommentaren empfangen. Also alles nur heiße Luft. Vielleicht hatte das LinkedIn Mitglied auch Angst, seine Persönlichkeit zu zeigen.

Daher mein Rat: Zeigt Persönlichkeit und wer sich daran stört – der ist ein Miesepeter, der wohl ewig mit einem gebeugten Rücken durch die Lande zieht – aber diese Art der Menschen braucht niemand.

Ich störe mich seit Jahren nicht mehr daran. Entweder mag man mich oder nicht.