Bahnmanager sollen verpflichtet werden mit der Bahn zu fahren

29. Juli 2019 Aus Von elsenorweb

So eine Schlagzeile müssten mal alleine Tageszeitungen bringen. Ich glaube, wenn alle Bahnmanager inklusive Vorstand mal ein Jahr nur mit der Bahn fahren müssten, dann wäre ihnen spätestens nach 2 Wochen klar, was für einen Unsinn sie verzapft haben und dass das System Schiene mehr am Abgrund steht.

Denn bislang interessieren sich alle Bahnmanager nur für Dividenden, irgendwelche Bilanzen zu Verspätungen und etc.. 15 Minuten Verspätung eines Zug zu einer bestimmten Uhrzeit nehmen sie nicht wahr. Das geht in hunderten oder tausenden Zahlen unter. Da werden mit Sicherheit ganz tolle Balkendiagramme erstellt und dann wird daraus irgendwas abgeleitet.

Aber nein, sie müssen das selber am eigenen Leibe spüren, wenn sie auf dem Weg ins Büro nicht im Stau stehen, sondern 15 Minuten im Winter bei Kälte auf die nächste Regionalbahn warten müssen, wo sie dann wissen, dass der Anschlusszug (alle 60 Minuten) nicht erreicht werden kann. Das muss ein Bahnmanager mal fühlen und nicht in irgendeiner Bilanz sehen. Und vorallem auch mal am Tagesrand fahren. Um 20 Uhr aus dem Büro hechten, den Zug um 20.13 Uhr nehmen, um dann am Bahnsteig festzustellen; der Zug hat eine Verspätung von 15 Minuten und nicht nur einmal, sondern mehrmals in der Woche.

Anzeige im verspäteten RE5 nach Wesel

Zurzeit gibt es ja diese Baustelle zwischen Essen und Duisburg. Ich hatte gesehen, dass der RE5 von National Express um 20.12 Uhr vom Flughafenbahnhof in Düsseldorf abfährt und um 20.28 Uhr in Oberhausen HBF ankommt. Da wäre eine S2 um 20.42 Uhr (14 Minuten später) abgefahren, die um 20.54 Uhr in Zollverein Nord gewesen wäre.

Ich schreibe alles im Konjunktiv, weil der RE5 ist um 20.16 Uhr vom Flughafenbahnhof in Düsseldorf abgefahren. Bis Duisburg Buchholz ist der Zug nur mit 20 km/h unterwegs gewesen, weil es gab eine Weichenstörung. Somit kam der RE 5 mit 17 Minuten Verspätung in Oberhausen HBF an.

Anzeige auf Gleis 6 im Oberhausener Hauptbahnhof

Damit war die S2 weg. (so ein Gefühl muss ein Bahnmanager auch mal haben).

Die S2 fährt alle 60 Minuten.

Da der RE3 schon 30 Minuten Verspätung hatte, bin ich dann mit dem bis Essen-Altenessen gefahren. Der vorgesehene RE 1 um 20.48 Uhr hatte eine Verspätung von 15 Minuten.

Intercity und ICE Züge hatten alle eine Verspätung zwischen 66 und 86 Minuten.

So etwas muss mal ein Bahnmanager auch erleben und nicht nur in der ersten Klasse, wo es immer Kaviar für ihn gibt, sondern der normalen Holzklasse, wo kein WLAN gibt, wo die Toiletten auch mal kaputt sind und den ganzen Tag kaputt herum fahren.

Ich wette es würde sich nach einem halben Jahr wirklich etwas ändern bei der Bahn, aber solange sie nur vom Chauffeur abgeholt werden und sich für megawichtig halten, so lange passiert nicht.

Auch ein Herr Habeck von den Grünen muss jeden Tag mit der Bahn fahren, von morgens bis abends, vom ICE bis zur Regionalbahn. „Wir sollen alle Bahn fahren und nicht fliegen“. Auch ein Herr Habeck muss das mal erleben, wenn er irgendwo in der Pampa auf den nächsten Zug oder Linienbus 55 Minuten warten muss, weil der Zug mal wieder getrödelt, weil es eine Weichenstörung gab oder Signalstörung oder wenn er aus dem IC geworfen wird, weil die Lok wegen der Hitze ihren Geist aufgegeben hat, sich in überfüllten Waggons eines Regionalexpress quetschen muss.

Nein ehemalige Studienzeiten von Herr Habeck zählen nicht. Das hier und jetzt ist entscheidend, nicht was mal romantisch verklärt aus der Studienzeit verklärt wurde. Natürlich auch mit Frau und Kindern. Jeden Tag von morgens bis abends.

Ich glaube, all die Leute, die in den gehobenen Positionen sind, haben überhaupt kein Bild davon, wie es in der Wirklichkeit ist.

Ich bin mal gespannt, von den restlichen vier Tagen bei wie vielen ich die Verbindung zwischen RE5 und S2 in Oberhausen schaffe. Ich schätze auf einmal, aber dann nur mit Müh und Not.