Das war schon längst überfällig

25. April 2020 Aus Von elsenorweb

Es gibt ein verschärftes Strafmaß für Autofahrer gegenüber Radfahrern. Ab dem 28.04.2020 tritt es in Kraft. Nur es muss auch kontrolliert werden. Sehr viele Autofahrer haben es einfach nicht daran gehalten.

Zitat:

„Auf Schutzstreifen für Fahrradfahrer am Straßenrand darf nicht mehr gehalten werden – sonst drohen bis zu 100 Euro Strafe und ein Punkt“

Genau richtig. Vielleicht noch etwas niedrig, 500 Euro wären aus meiner Sicht richtig. Es kann wirklich nicht, oder doch, dass man als Radfahrer auf die Fahrbahn wieder ausweichen muss. Es gibt hier in Essen auf der Herkulesstraße einige Geschäfte (kleinere ausländische Supermärkte) und in Fahrtrichtung Engelbertstraße (wenn ich vom HBF aus komme) stehen immer wieder Fahrzeuge auf dem Radweg. Die Herkulesstraße Richtung Engelbertstraße ist hier abschüssig und die Fahrbahn, wenn ich da ausweichen muss, weil mal wieder einer auf dem Radweg steht, ist auch mit einigen Schlaglöchern ausgestattet. Zudem muss ich bei einer abschüssigen Straße auch noch einen Schulterblick machen, ob ein Auto kommt oder nicht.

Genau hinter der Kreuzung auf der Goldschmidtstraße ist eine kleine Bude (ein kleiner Kiosk). Dort direkt auf dem Radweg stehen regelmäßig Autos – klar die berühmten 2 Minuten, um eben etwas zu holen, Motor ist natürlich noch an.

Da hat man endlich einen Radweg und dann wird dieser dauernd von Autos belegt.

Auf der Hollestraße gibt es einen Radweg. Wenn Schienenersatzverkehr herrscht von der Deutschen Bahn AG wird der Radweg ständig von den Bussen als Parkplatz missbraucht.

Das zieht sich durch das gesamte Stadtgebiet.

Auf der Kreuzung Altenessener / Lierfeldstraße / Hövelstraße, wenn man von Stoppenberg kommt über die Altenessener Straße hinweg fährt, geht der Radweg noch ein Stückchen weiter und fädelt sich dann in den normalen Straßenverkehr ein. Aber dieses Stückchen, weil an der Ecke gibt es wieder eine Bude, ist ständig von zwei oder drei Auto voll geparkt – ach ja die berühmten 2 Minuten – nur mal eben etwas holen.

Diese „eben nur mal etwas holen“ Mentalität, die sich so eingeschlichen hat und als ganz normal betrachtet wird, kann für einen Radfahrer unangenehme Folgen haben, denn wenn der auf die Straße ausweicht, der Autofahrer, der hinter einem ist und meint noch eben schnell überholen zu wollen (kein Autofahrer kann mal eben keine einige Sekunden warten), kann der Autofahrer den Radfahrer mitnehmen und es kommt zum Unfall oder muss der Radfahrer warten bis die ganze Meute so wichtiger Autofahrer (sitzen da nur VIP drin) vorbei ist? Bei Busfahrern mache ich mir keine Sorgen, denn Busfahrer bekommen an der Bushaltestelle Altenessen Bahnhof fünf Sekunden früher grün als der Radfahrer / Autofahrer. Die sind schon vor dem Individualverkehr weg.

Ich weiß, es wird sich jeder in einer persönlichen Freiheit wieder einmal eingeschränkt fühlen.

Zitat:

„Wer Fahrräder überholt, muss im Ort künftig mindestens 1,5 Meter Abstand halten, außerorts zwei Meter – bisher war lediglich ein „ausreichender Seitenabstand“ vorgeschrieben.“

Autofahrer kennen keinen Sicherheitsabstand. Nein, nicht alle, aber viele und je breiter und desto mehr Fahrspuren es gibt, desto weniger ist ein Autofahrer bereit, diesen Sicherheitsabstand einzuhalten.

Das muss man sich mal vorstellen: Der Autofahrer hat drei breite Fahrspuren hier auf der Schützenbahn in der Essener Innenstadt zur Verfügung und der Radfahrer einen Radweg von 60 cm Breite und dann stellen sich Autofahrer noch auf diesen Radweg drauf.

Vielleicht meinen Autofahrer 1,50 Meter Sicherheitsabstand von sich, der auf der linken Seite des Auto sitzend bis zum Radfahrer. Nein, für alle, die das nicht so wissen, damit meint man den Abstand von der rechten Seite des Auto bis zum Radfahrer.

Gerade in der Rush Hour morgens und abends wird so rücksichtslos überholt. Alle haben es gerade abends eiliger als so mancher Krankenwagen im Rettungseinsatz. So kommt mir das sehr oft vor.

Ich hoffe, das auch endlich das Gehwegradeln bei Erwachsenen aufhört. Ich finde das ist unerträglich. Wir haben in Deutschland so viele Überängstliche. Auf der Fahrbahn zu fahren ist nicht schön. Das Verhalten der Autofahrer ist darauf zurückzuführen, dass so wenige auf der Fahrbahn fahren.

Wenn in den Niederlanden so ganz Pulk von 10 bis 20 Radfahrer auf einmal kommt und die Straße überquert, müssen die Autofahrer halt rücksichtsvoller fahren.

Mir ist das einmal auf einem Ausflug mit dem Rad wo ich frei hatte, außerhalb der Ferienzeit passiert. Es kamen da 15 oder 20 Schüler auf dem Weg zur Schule mir entgegen, also innerhalb von nur einigen Minuten, also ich auf der rechten Seite der Fahrbahn war und auch bei einem Kreisverkehr warten musste. Die Autofahrer mussten doch für unsere Verhältnisse lange warten.

In den Niederlanden ist das Strafmaß bei Verstößen für Autofahrer in Sachen Radfahrer viel viel höher. Es kann bei Unfällen mit Radfahrern auch ein Tag Gefängnis drohen. Man braucht ja nur in den Niederlanden sich zu Fuß oder per Rad einen Übergangsweg zu nähern, schon treten die Autofahrer auf die Bremse. Trotz allem haben viele ein Auto. Also das Autofahren ist nicht verboten, man sieht auch nicht wenige auf den Straßen und das niederländische Radio berichtet auch von Staus auf deren Autobahnen.

Auch die Radfahrer fahren dort ziemlich diszipliniert. Die Rowdys auf zwei Rädern sind man dort auch nicht so sehr. Sie gehen in der Masse wahrscheinlich auch unter. Sehr viele fahren auch mit dem Rennrad, aber gemütlich, also gemütliches Rennradtempo und meist in einem großem Pulk.

Wenn man bei uns so etwas hat, dann habe ich immer den Eindruck alle Rennradfahrer (egal ob Männer oder Frauen) haben das Recht gepachtet, dass nur sie Vorfahrt haben.

Leider ist hier auch die deutsche Politik so was daneben. In den Rathäusern sitzen nur Vollpfosten. Warum? Jeder ach so tolle Radweg einer ehemaligen Bahntrasse (Radschnellweg 1, oder Zollvereinweg oder Kray-Wanne-Bahn) ist in Deutschland auch gleichzeitig ein Fußweg. Hier fahren Radfahrer, laufen Spaziergänger, laufen Kinder umher, der Weg wird für Veranstaltungen missbraucht Begegnungen / Konflikte sind hier vorprogrammiert.

Wenn in Deutschland mal ein Straßenabschnitt am Sonntag für einen Marathon für einige Stunden abgesperrt ist, dann ist der Teufel los. Dann fühlen sich alle Autofahrer wieder unfair behandelt.

Beim Stilleben auf der A40 im Rahmen der Kulturhauptstadt, wo man nur als Fußgänger unterwegs war, war der Teufel los von den Autofahrern.

Man kann an solchen Dingen sehen, wie tief die Liebe und die Verbundenheit der Deutschen im Auto ist. Jetzt bei den Lockerungen kommt in jedem dritten Satz vor: „Die Automobilindustrie kommt langsam in Gange oder ähnlichem; die Förderbänder von VW rollen wieder an“.

In den Nachrichten kommt nie der Satz: „Die Deutsche Bahn AG fährt wieder im Normalfahrplan oder die örtlichen Verkehrsgesellschaften erweitern wieder die Fahrpläne oder die Fahrradhändler, die nur reparieren durften, hatten einen unerwarteten Zulauf“. Wenn Wirtschaft, dann sofort Auto und dann kommt nichts und dann vielleicht noch andere Sparten. Aber Auto Auto Auto, das ist den Köpfen von so vielen Menschen drin und noch viel tiefer. Das ist ein Symbiose.

Beim Fleisch sollen wir verzichten, aber bloß nicht auf das Autofahren.

Und es kommt ein Aufschrei, wenn das Strafmaß erhöht wird. Dann kommt die übliche Tränendrüse vom gemolkenen Autofahrer. Diese ganze Vorherrschaft, dieses Denken, nur ich und mein Auto und dann kommt lange Zeit nichts. Hier in der Straße wo ich wohne, gibt mit mir noch eine Person, die regelmäßig fährt, ansonsten nur Autofahrer.

Im Essener Norden ist die überwiegende Anzahl immer noch Autofahrer. Das Fahrrad ist immer noch ein Freizeitmittel, aber kein Verkehrsmittel.

Ich habe nichts gegen das Auto, aber diese total innige Liebe und nur im Glauben: „Ohne Auto ist das Leben nichts wert oder ohne Auto bin ich total aufgeschmissen, auch innerhalb einer Großstadt, ich muss jeden Zentimeter mit dem Auto erledigen. Morgens zum Bäcker, mit dem Auto, morgens zum Einkaufen mit dem Auto und an den See auch mit dem Auto, dann muss ich außerhalb von Coronazeiten nach der Arbeit noch 20 Termine wahrnehmen und das geht alles nur mit dem Auto“ und so, das geht mir auf die Nerven, was ich auch nicht verstehe.