Am Ende geht es eh nur ums Fachliche

13. November 2020 Aus Von elsenorweb

Und das ist auch gut so.

Die Agentur für Arbeit hatte gestern eine Veranstaltung zur Verfügung gestellt, wo es um die IT und dessen Bewerbung ging. Das war ein Onlineevent, wo einige Personaler wieder mein Weltbild, was so viele angebliche Bewerbungsexperten vermitteln, geradegerückt haben.

Es ist keine Schande: „Sehr geehrte Damen und Herren“ zu schreiben, wenn kein Ansprechpartner genannt wird. Viele sagen, man müsse da den Ansprechpartner erfragen; man müsse sich dem Ansprechpartner ins Gedächtnis rufen. Wenn der Ansprechpartner aber jemand ist, der mit dem Bewerbungsprozess gar nichts zu tun hat, dann nützt das auch wenig. Die These, dass man dann die richtige Person finden muss, finde ich dann übertrieben und ich würde als Firmeninhaber denken: „Was ist das für eine nervige Person?“

Aus meinen Erfahrungen weiß ich, dass ich auch zu Vorstellungsgesprächen eingeladen worden bin, wo ich „Sehr geehrte Damen und Herren“ geschrieben habe. In der Regel ist der genannte Ansprechpartner in den Stellenanzeigen auch nie die Person, die mir die Einladung zum Gespräch oder die Absage versendet.

Der Ansprechpartner ist wahrscheinlich so eine undankbare Aufgabe, wie wenn man jemand zum Qualitätsmanagementbeauftragten macht. Aus meiner Bibliotheksarbeit weiß ich, dass aus meiner Sicht, diese Sachen sehr trocken sind.

Mein jahrelanger Tenor wurde auch bestätigt: Jeder Mensch ist einzigartig. Jeder Mensch tickt anders. Was ich gut finde, muss nicht ein anderer gut finden und umgekehrt. Ich hatte auch schon drei Rechtschreibfehler und einen Formfehler und trotzdem hatte mich die Firma zum Vorstellungsgespräch eingeladen (nein, kein Billigjob, sondern was hochwertiges).

Gerade auch auf Youtube gibt so viele Besserwisser wie eine perfekte Bewerbung aussehen mag und wie Henrik schrieb; man könnte ganze Bibliotheken damit füllen. Das gilt auch für die Partnersuche. Entweder bin ich für die eine Frau gerade interessant oder nicht. Meistens hat sich das auch im späteren Verlauf heausgestellt.

Ein Personaler und oder ein Recruiter soll sich einen Film anschauen oder ein Buch lesen, wenn er von mir als Bewerber unterhalten werden möchte. Es ist SEINE Aufgabe die gemeinsame Schnittmenge herauszufinden. Ich antworte nur auf sein Angebot. Ich schreibe, was ich meine, was wichtig ist für diesen Job, was ich mir vorstellen könnte und wenn ich damit falsch liege, kommt halt die Absage.

Aus meiner Sicht nützt es nichts, wenn man sich tagelang nur über diese eine Stelle informiert, aber weil der Personaler dann einen schlechten Tag hat, weil sein Lieblingsfußballverein haushoch verloren hat und mich dann aussortiert. Ich weiß, es werden jetzt alle aufschreien und sagen, so sind wir nicht. Glaube ich nicht. Das meiste ist eh nur geschönt. Die unliebsamen Wahrheiten wird man sowieso erst bei der Anstellung feststellen.

Auch wenn wir alle so wahnsinnig ständig professionell sein möchten, wir sind alles nur Menschen. Ich frage mich frage, wie definiert man das eigentlich, professionell zu sein? Meint man, dass man immer und ewig an alles denken muss? Das schafft niemand. Niemand ist perfekt. Das weiß auch jeder. Aber in einem Land zu leben, wo Fehler so bestraft und daher so vertuscht werden, wie in keinem anderen Land auf diesem Planeten (vielleicht echte Diktaturen ausgenommen), ist es immer noch schwer, Fehler offen zuzugeben.

Unsere Kultur in solch schwammigen Bereichen, wie einer Bewerbung, angeblich perfekt zu sein, zerstört viele Menschen, weil sie sich unter Druck fühlen, diesen Anforderungen gerecht werden zu müssen.

Wenn ich meine Fahrradhändler (für Reparaturen) immer nur danach aussuchen würde, wie perfekt sie mit dem Umgang mit Kunden sind, dann würde ich ständig von einem zum nächsten zu ziehen. Meiner ist ein typischer Ruhrpottler, herb, aber fachlich sehr gut. Das andere ist mir viel wichtiger, das herbe kann ich ertragen. Ich muss ihn ja nicht heiraten ;-).

Aber das Event von gestern war nicht die einzige Onlineveranstaltung. Von der Datenbank MongoDB hatte ich am Dienstag auch eine Veranstaltung online besucht. Die boten da viele Fachvorträge an, wo man sich vorher auch registrieren musste. Die Vorträge waren auf der Plattform von MongoDB und natürlich alles auf Englisch. Es wurden zwei Live-Vorträge angeboten und der Rest waren etwas ältere Videos on demand. Ich habe natürlich wieder sehr viel dazu gelernt.

Interessant war der Vortrag gestern von der Online-Veranstaltung von der Agentur für Arbeit, dass die eine Webentwicklerin sagte, als ich die Frage in den Chat stellte, welche Datenbankmanagementsysteme gerade viel verwendet würden und sie sagte: „MongoDB“ und ich war voller Glück, denn dann lerne ich ja das Richtige. In einer aktuellen Suche in Stepstone offenbarte mir, dass zum Stand letzter Woche, es ungefähr 20 Anzeigen für Gesamtdeutschland, wo das Wort MongoDB vorkam.

Ich war auch voller Glück, dass bei der gestrigen Veranstaltung von der Agentur für Arbeit, dass Firmen in der IT sehr offen wären für Quereinsteiger. Diese Fragen kamen auch sehr oft von den anderen Teilnehmern. Auch diese Webentwicklerin war Quereinsteigerin. Sie hatte erst was mit Sprachen studiert und hatte das Glück in der damaligen ersten Tätigkeit ganz rudimentär mit einer Programmiersprache zu tun und konnte so den Einstieg in die Webentwicklung finden.

Auch „meine“ beiden Youtuber Cedric Mösner und Niklaas Steenfatt sagen, dass man sich im Allgemeinen nicht kirre lassen machen solle, weil man noch Anfänger sei. Der eine ist selbstständig (macht super gute Videos von seinen Programmierprojekten) und der andere arbeitet bei Facebook. Ich finde beide auch sehr cool und auch natürlich.
Der typische Deutsche rollt wieder die Augen. Selbst die Leute von der Seite Geeks for Geeks schreiben das immer, dass man ganz beruhigt ran gehen sollen.

Das ist wiederum ein sehr typisch deutsches Problem. Alle Ausländer sagen, dass meine Sprachkenntnisse ziemlich gut seien, für einen Deutschen sind sie eher schlecht. Ich habe überall auf der Welt, wo ich bisher war, mich sehr gut verständigen können, auch in beruflichen Kontexten, aber sobald ich einem Deutschen das anbiete, dann heißt es immer: Es ist mir nicht gut genug.

Ich weiß noch von der einer Bewerbung nach Bochum, wo ein Firmeninhaber Französisch und Spanisch verlangte. Er rief mich spontan an und ich sollte ganz spontan sprechen und ich sprach und er sagte, es wäre ihm nicht gut genug. Weder im IT-Support in den letzten vier Jahren noch woanders hat sich nur einmal jemand über meine Englisch-Kenntnisse beschwert.

Wir Deutschen sind schon ein sehr seltsames Volk – stelle ich immer wieder fest.