Automatische Züge im Nahverkehr?

24. Juni 2022 Aus Von elsenorweb

Bei meiner gestrigen Fahrt kam mir wieder ein Gedanke auf, ob man nicht alle Nahverkehrszüge durch automatische Systeme fahren lassen könne.

Ich weiß, es wird ein Aufschrei durch die Gesellschaft gehen und alle werden um ihre Jobs fürchten. Aber gerade im Nahverkehr sind die Fahrgeschwindigkeiten auf den meisten Linien, Regionalexpress mal ausgenommen, ausgesprochen niedrig. S-Bahnen und Regionalbahnen fahren mit sehr niedrigen Geschwindigkeiten, halten ausgesprochen viel bzw. oft.

Mit den H-Bahnen am Düsseldorfer Flughafen, in der Dortmunder Universität und an einigen internationalen Flughäfen gibt es solche System bereits.

Die Bahnen halten passgenau an den Haltestellen, so dass man gefahrlos ein- und aussteigen kann.

Die Nürnberger U-Bahn soll voll automatisch fahren und die Düsseldorfer U-Bahn benötigt den Fahrer nur noch an der Oberfläche.

Warum also nicht auch für den gesamten Nahverkehr auf der Fläche?

Dazu muss man diese Linien vom Fernverkehr abkoppeln, aber ländliche Linien fahren eh meist praktisch alleine. Ich denke an die gestrige Linie RB77. Sie verläuft sehr unabhängig von den großen Linien, fährt von Bünde bis nach Hildesheim. Sie hat nur mit Bünde, Löhne, Hameln und Hildesheim Berührungspunkte mit anderen Linien. Sie würde nach meinen Vorstellungen einen eigenen Bahnsteig erhalten, wenn es nicht bereits so ist.

Was ist Bahnübergängen?

Die teuerste Lösung wäre, wenn man da immer eine Brücke oder eine Unterführung baut (entweder für den Zug oder den Individualverkehr). Das ist aber wohl in ländlichen Räumen nicht so machbar, denn manchmal kreuzen auch nur einfache Feldwege die Bahnstrecke. Die elegante Möglichkeit wäre, aber technisch anspruchsvollere, wenn ein Sensor ständig den Fahrweg kontrolliert, ob sich dort ein Gegenstand/Fahrzeug auf dem Gleis befindet. Wenn es so sein sollte, wird dem automatischen Zug mitgeteilt, dass er stoppen soll. Auf beiden Seiten könnten sich auch Sensoren im Fahrweg eingebaut sein (vielleicht in der Mitte der Schiene, die den Zug automatisch (hoffentlich) auch angenehm bremsen sollen.

Es sollte eigentlich kein Problem sein, denn entsprechende Zugsicherungssysteme sind bei Signalanlagen schon längst eingebaut. Bei einem rotüberfahrenden Signal wird der Zug automatisch gestoppt. Also müsste so etwas bei Bahnübergängen auch möglich sein.

Das heutige Problem ist der Mensch und im jüngsten Beispiel in Hannover (gestern) muss ein Mensch beurteilen, ob der Bahnübergang frei ist oder nicht. Liegt der Bahnübergang in einer Kurve kann man erst ganz spät den Bahnübergang sehen. Sehr oft ist ein solches Bremsmanöver zum Scheitern verurteilt, denn der Mensch muss reagieren und ist in den Hunderten oder gar tausenden Bahnunfällen immer der langsamere Part. Man kann an einer Verkehrsampel noch so mit dem Rad anfahrbereit sein, es vergehen immer 1-2 Sekunden bis man es im Kopf realisiert hat, dass die Ampel auf grün umgesprungen ist. Ist man müde, verlängert sich die Reaktion noch um ein vielfaches.

Ok, technische Systeme müssen auch gewartet werden, aber dazu gibt es auch Techniker.

Bleibt nur noch die Frage (vorerst) mit den Fahrscheinen. Ich bin dafür, dass die Ära der Papiertickets eigentlich generell zu Ende geht. Ich kenne das aus den Niederlanden, dass es dort Papiertickets nicht mehr gibt, oder nur ganz ganz wenige. An jeder Station, so kennt man das von den vielen U-Bahnsystemen und auch in den Niederlanden, stehen Zugangsstationen, wo man die Fahrkarte dran hält, und wo man dann Einlass zum Bahnsteig bekommt.

Ich weiß, dann werden viele meckern, weil sie doch gerne ihre Verwandtschaft bis zum Zug begleiten wollen. Mal ganz ehrlich. An kleinen Stationen mit nur einem Bahnsteig sieht man sich sowieso in Sichtweite. An Flughäfen kann auch nicht Hinz und Kunz bis zum Fluggate kommen. Auch hier gibt es einen Bereich, wo es nicht mehr geht. Wir haben das aber alle akzeptiert, dass dies am Flughafen so üblich ist.

Ich weiß auch viele befürchten mehr Plastik und etc.. Also die heutigen Fahrscheine aus dem Automaten haben auch einige Sicherheitsmerkmale eingebaut (Silberstreifen etc..). Beim Kauf des heutigen 9-Euro-Tickets am Automaten muss den Personalausweis an einen Scanner halten. Dann werden die Daten in das 9-Euro Ticket übertragen und es ist personifiziert. Die heutigen Geschichten, die ich so höre: „Sie müssen noch den Namen eintragen“ – Fahrgast: „Ach so, hab ich vergessen“, würden dann der Vergangenheit angehören. Beim Kauf eines Fahrradtickets würde man am Automaten die Auskunft erteilt bekommen, ob der Zug schon voll ist (auch mit Fahrrädern oder nicht). Damit würden lästige Debatten im Zug entfallen.

Selbstverständlich fahren solche Nahverkehrslinien nicht mehr nur im Stundentakt, sondern alle Strecken sind zweigleisig und ein Takt von alle 20 Minuten wäre anstrebenswert. Die Anbindung im ländlichen Raum wäre vielleicht dann eine bessere als im städtischen Umfeld.

Natürlich müssten auch genügend Züge vorhanden sein, wenn welche mal aus technischen Gründen nicht funktionieren könnten.

Also es geht hier in erster Linie um reine Regionalbahnlinien im ländlichen Raum, die auf den idyllischen Strecken verkehren, wo sonst keine andere Linie verkehrt. Ich denke hier an viele Strecken auch im Allgäu nach Oberstdorf oder nach Füssen, an den Tegernsee oder so aber auch nach Büsum oder Dagebüll im Norden Deutschland zum Beispiel.

Es geht hier nicht um Regionalexpresslinien zwischen Ballungszentren, die auf Hauptstrecken verkehren.

Die bisherigen Triebwagenführer könnten dann andere Aufgaben übernehmen – im Stellwerk arbeiten oder zu Technikern umgeschult werden, die die Fahrzeuge warten.

Trotz aller Automatisierung, es werden sich immer noch genügend Jobs für den Menschen geben. Der Mensch wird wohl nie auch aus eigenen Antrieb, nur noch faul auf einer Wiese liegen und bis zu seinem Lebensende den Himmel anstarren.