Die Lufthansa-Piloten streikt – na und!

2. September 2022 Aus Von elsenorweb

Auch Piloten dürfen streiken. Was so einige fordern, streiken nur bis zu bis zu einem bestimmten Einkommen. Das sind komische Forderungen. Also wer dann mehr als diese Grenze verdient, weil er das durch Streiks erreicht hat, darf dann nicht mehr streiken? Das wäre aber sehr seltsam.

Sehr viele denken bei den Gehältern, dass sie gar nicht streiken könnten.

Ich glaube, die Bevölkerung ist nicht klar, dass Piloten erstens ihre Ausbildung selber finanzieren müssen. Dann stehen nach Ausbildungsende 15.000 Euro im Minus, die man erst sich erfliegen muss.

Die Vorstellung eines Pilotenberufes ist, glaube ich, sehr viel Hollywood geschuldet. Vielleicht denken viele an den Film „Airport“, wobei er schon recht realistisch darstellte. Ich weiß auch nicht wie dieses Klischee zu stande kommt. Aber ist das nicht in allen Berufen so? Frauen, die in einer Bibliothek arbeiten, sind angeblich streng. IT-Mitarbeiter sind alle Nerds (fettige Haare, nur Pizza essen und kommen gar nicht ans Tagelicht und etc… Piloten sind immer braungebrannt und werden von den Stewardessen umworben.

Angeblich wäre so ein Beruf mit viel Leichtigkeit verbunden. Ich glaube nicht. Es ist natürlich faszinierend in viele Länder zu fliegen, aber das ist auch an der Langstrecke ein Nachteil. Ständige Zeitunterschiede, dauernd Jetlag, fliegen durch die Nacht (auch wenn sie sich mal aufs Ohr legen können, wenn vorhanden). Aus einem 4-Personen Cockpit, wurden es drei Personen, jetzt sitzen nur noch zwei Personen vorne und nach den Vorstellungen sitzt bald nur noch eine Person da.

Aber auch bei den Lokführern schwingt die Angst mit, dass sie ihren Beruf wegen der Automatisierung (automatisch fahrende Züge) nicht mehr ausüben. Bei jedem Streik der GDL schreiben verärgerte Fahrgäste, dass sich die Lokführer ihren Job wegen der Automatisierung (hoffentlich) nicht mehr ausüben können.

Ich habe mit einem Lufthansa Piloten in LinkedIn Kontakt, Kapitän eines Airbus A330. Ja sehr nett der Kapitän und auch wenn er sagt, er habe aus seiner Sicht den besten Beruf (aber das sagen sie irgendwie alle bei LinkedIn), so sind die ganzen Unannehmlichkeiten nicht wegzudiskutieren.

Piloten können auch übermüdet sein, wie Absturz des Korean Air 801 in Guam im Jahre 1997 dokumentierte. Eigentlich sollte der Pilot eine andere Maschine fliegen, zu einem späteren Zeitpunkt, aber er wurde auf diesen Flug von Korean Air eingesetzt. Es kamen 228 Personen ums Leben, 26 wurden verletzt.

Viel mehr von Müdigkeit sind Piloten von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen betroffen. Colgan Air Flug 3407 bei Buffalo im US-Bundesstaat New York New York im Jahre 2009 machte das deutlich.

Ich kenne einen anderen Piloten, also kennen ist jetzt übertrieben, der auf Instagram viel positives schreibt, ist Airbus A320 Pilot und hat am Tag 4 Flüge. Das klingt nicht viel, aber wenn jeder Flug mehr als 2 Stunden dauert ist das viel. Viele unterschiedliche Klimazonen auch innerhalb von Europa. Er war mal in Madrid bei 41 Grad und am Morgen in Barcelona, dann auf Zypern bei 35 Grad. Also da fliegt man morgens um 6 Uhr los (früh aufstehen nicht vergessen zu erwähnen, das ist anders als bei mir, wenn ich um 6 Uhr anfange im IT-Support, stehe ich um 5 Uhr auf). Ein Pilot muss noch die Flugvorbereitungen machen, Wetterdaten einholen und vielem mehr. In einem Cockpit-Anflugvideo wurde mal erwähnt, dass diese Besatzung um 2 Uhr nachts aufgewacht ist für einen Flug von La Palma nach München. Also dieser Pilot flog von Frankfurt nach Barcelona, dann wieder Barcelona – Frankfurt und am selben Tag Frankfurt – Madrid und manchmal wieder zurück, wo man spät abends um 23 Uhr landet.

Aus vielen Flugzeugunfällen („Mayday – Alarm im Cockpit“ so heißt die Serie, die ich mir auf YouTube anschaue) weiß ich, dass Piloten dann ihren sturen Kopf durch setzen, spät abends bei Gewitter am Zielflughafen landen wollen und es dann schief geht. Mag sein, dass es mal gut geht. Dann hat man aber im Hinterkopf: „Es hat einmal gut gegangen und es wird ein zweites Mal auch wieder gut gehen“.

Wir wissen doch alle, dass mit einsetzender Müdigkeit unsere Konzentration nachlässt – weiß ich selber von mir. Nach 18 Uhr bin ich arbeitstechnisch zu nichts mehr zu gebrauchen. Dann setzt bei mir die Müdigkeit ein. Ich habe die letzten beiden Stunden früher bis 20 Uhr immer herunter gezählt im IT-Support und war dann echt froh, Feierabend zu haben. Zum Glück kamen nicht mehr viele Anrufe.

Müdigkeit im Cockpit dazu gab es mal einen Bericht bei der Tagesschau.

Also wer meint, dass angeblich alle Piloten ein tolles feudales Leben hätten, hat vollkommen falsche Vorstellungen. Klar, sie können sich mehr leisten, aber dafür haben sie auch viel mehr Verantwortung, für die Flugpassagiere und für die Leute am Boden. Warum am Boden? Weil bei einem Flugzeugabsturz auch die Menschen am Erdboden betroffen sind.

Wir sagen etwas von Geldverdienen, der Busfahrer oder andere Berufe würden zu wenig verdienen. Dann bitte dieses Video vom Bernd Geropp anschauen und sich als Gesellschaft fragen, warum verdient ein Busfahrer so wenig, warum ist mir seine Leistung so wenig wert? Das ist der Tenor des verlinkten Videos.

Es sind aber nicht nur die Lufthansa Piloten, die so viel verdienen. Auch die Spitzen-IT’ler verdienen 70.000 bis 100.000 Euro. Wir im IT-Support von Level 1 kommen auf rund 35.000 Euro im Jahr und bewegen uns am untersten Ende der Gehaltübersicht in der IT. Anscheinend ist unsere Leistung in einem Callcenter zu sitzen und alles anzuhören zu müssen von der Gesellschaft als unbedeutend. So ein Tag ist äußerst stressig. Aber bin ich neidisch auf die IT-Security, die 70.000 Euro verdient? Nein, denn schließlich ist das auch nicht unbedingt ein Job, den ich gerne ausüben würde. Bin ich neidisch auf die Lufthansa-Piloten – nein – unabhängig ob ich nun die beiden kenne oder nicht. Ich bin auch bereit für Lufthansa-Flüge oder anderen größeren Airlines Geld auszugeben.

Wer meint, dass man wie früher vor Corona, für einen Flug nur angeblich 9 Euro bei Ryanair zu bezahlen (am Ende war mit Sicherheit teurer), dem soll klar sein, das Piloten dort viel weniger verdienen und sie müssen viel mehr machen. Hat ein Pilot einer größeren Airline, wo die Flugtickets teurer sind, am Boden 45 bis 55 Minuten Zeit sich auf den nächsten Flug vorzubereiten, starten die Ryanair Maschinen schon nach 25 Minuten. Es hat alles seinen Preis, was wir jemanden zahlen möchten.

Meinen Hin- und Rückflug von Düsseldorf nach A Coruna mit Iberia habe ich mit Sitzplatzreservierungen 498 Euro bezahlt.