Es gibt da eine nicht kommunizierte Einschränkung in Corona-Zeiten

19. April 2020 Aus Von elsenorweb

Ich habe gestern durch Zufall gelesen, dass der ADFC geschrieben hat, dass man keine langen Radtouren machen soll / darf. Keine Ahnung, wie man das zu deuten hat, aber gefühlt würde ich sagen „darf“. Die Deutschen sind immer ganz schnell in Verbote. Lieber ein neues Verbot als gar keins. Eine kleine Hausrunde wäre in Ordnung, aber stundenlang durch die Gegend zu fahren, dürfe man nicht. Man dürfe mit dem Rad zur Arbeit, zum Einkaufen und mal so eine Hausrunde. Wie groß diese Hausrunde ist, stand nicht drin.

neu gebautes Gebäude am Waldhausenpark

Ich komme mir langsam aber sicher hier im Lande veräppelt vor. Klar bin ich mehr als eine Hausrunde – alleine gefahren, auch gestern und ich kann mir nicht vorstellen, dass sich jeder Radfahrer daran gehalten hat.

Ich halte mich da nicht. Solange ich auf dem Rad alleine fahre, in keiner Gruppe und wenn ich vom Rad absteige, dann in 1,50 Meter oder 2 Meter Abstand halte, ja, aber nicht noch beschränken, dass man möglichst eine kleine Runde fahren darf. Sorry, das geht mir doch zu weit.

Wenn ich da auf Instagram lese, dass es virtuelle Marathons gibt, warum dürfen die stattfinden, aber der Fahrradfahrer darf nicht weit fahren.

Das blöde ist ja. Die Politik beschließt etwas und alle verstehen etwas anderes drunter und die das kontrollieren, sprich die Polizei, die Ordnungsämter legen das offiziell immer so aus, wie die Politik das vorgibt, aber dann im täglichen Dienst wird dann oftmals weit über das Ziel hinaus geschossen.

Es gab ja diesen Fall eines Autofahrers, der eine Mundmaske beim Fahren von der Polizei erwischt wurde. Die Polizist wollte dem Autofahrer ein Bußgeld verlangen, weil das würde unter das Vernummungsverbot fallen. Beim Autofahren dürfe man keine Maske tragen, weil sonst man nicht auf eventuellen Radarfallen nicht erkennbar wäre. Ich dachte, man würde nur die Nummernschilder fotografieren oder dienen die auch zur Gesichtserkennung? Auf jeden Fall der Fall wurde fallen gelassen, kein Bußgeld, weil der Autofahrer wollte sich wegen Corona schützen.

Allerdings hatte ich gestern beim ADAC geschaut, dass man in Coronazeiten auch nur noch alleine im Auto sitzen dürfen, außer natürlich wenn man mit der Familie, aber bei Fremdpersonen nicht. Das steht dann wieder im Widerspruch mit anderen Dingen.

Wenn Züge ausfallen, setzen manche Verkehrsgesellschaften einen Taxinotverkehr ein. Also Taxen fahren dann für einen kurzen Zeitraum. Bei einem Zugausfall von Abellio hier in Essen hatte ich nachgefragt, so aus Neugierde, wo dann der Fahrgast sitzen dürfen, wahrscheinlich hinten. Abellio hatte mir das auf Twitter auch bestätigt.

Aber beim ADAC heißt, nur eine „fremde“ Person dürfe im Auto in Coronazeiten sitzen. Oder wird gewerbliche Verkehr hier ausgeschlossen? Ich muss mal beim ADAC nachfragen.

Geparkte Busse an der Frohnhauser Straße im Westend in Essen

Ich war dann gestern etwas unterwegs und habe mich wohl in drei oder vier Meter Abstand zum nächsten (würde ich auch in Nicht-Coronazeiten) einfach mal ins Gras gesetzt. Ich hoffe natürlich nur, dass da niemand in die Grashalme genießt hat, wo ich dann meine Hände gehabt habe. Es saßen noch andere auf dem Rasen.

So ab Morgen dürfen dann wieder einige kleinere Geschäfte öffnen. Jetzt wird schon von einem Run gesprochen. Ich glaube das kaum.

Vielleicht bin ich auch zu blöd dazu, aber die loben alle den Herr Söder mit seiner Politik der Verriegelung und Armin Laschet wird quasi verteufelt.

Egal ob nun nächste Woche die Schulen öffnen oder Mitte Mai wie es in Bayern geschehen soll, die Probleme werden die gleichen sein. Ach nein, in Bayern ist ja alles auf allerhöchsten Stand der Technik.

Der Kölner Express schrieb in einem Kommentar, dass wie können die Schulen jetzt geöffnet werden, wenn die Toiletten so kaputt sind? Sorry, das Thema ist uralt, seit so vielen Jahren ein Thema. Wurde vor vielen Jahren etwas geändert? Nein, es wurde nicht. Wenn es danach ginge, dürfte man die Schulen erst in 10 Jahren wieder öffnen, bis alles umgebaut worden ist. Aber selbst in 10 Jahren wäre man immer noch nicht zufrieden – man wird nie zufrieden sein, denn in 10 Jahren würden wieder andere Regeln herrschen und diese wären noch nicht umgesetzt.

Interessant war auch ein Artikel in der Wirtschaftswoche, der einen möglichen Büroalltag in Coronazeiten beschreiben würde. Mag ja sein, dass die Wirtschaftswoche ihre Büroräume schon in den zwei oder drei Wochen umgestaltet hat, wie in den Artikel gefordert, aber zu 99,9% der Büros in Europa sind es nicht. Interessant ist das bei Großraumbüros speziell in Call-Center aller Art. Die Leute sitzen da nicht in 1,50 Meter Abstand.

Ich frage mich sowieso, wie soll das weitergehen?

Bottroper Straße riesige große Baustelle Höhe Friedrich-Lange-Straße

In dem aktuellen Debattenpodcast von Sascha Lobo gab es einen interessanten Satz, der bei mir haften geblieben ist: Alle Länder verzeichnen einen Coronainfektionsrückgang, egal ob mit Ausgangssperre oder Kontaktverbot oder wie in Schweden mit fast gar nichts.

Ich glaube eher, dass es am Wetter liegt. Wärme, UV Licht der Sonne, Menschen bewegen sich mehr.

Das Coronavirus trat zu einer Zeit auf, als es hier besonders viel regnete, wo die Immunabwehr durch das fehlende Sonnenlicht eh unten war. Da hat ein so aggressives Virus eh noch einmal einbißchen leichter, als in warmen, trockenen sonnenreichen Zeiten. Dass sich Ärzte und Pflegepersonal auch infizieren, ist eigentlich mehr deren Stress und den besonders langen Arbeitszeiten zuzuordnen.

Von meiner Tätigkeit her weiß ich selber, dass ich nach 8 Stunden müde und kaputt bin und nach fünf Tagen dann eigentlich nur noch die Stunden bis zum Wochenende zähle. Was soll dann ein Arzt sagen, der die doppelte Anzahl von Stunden leisten muss, der dann wirklich um Menschenleben kämpfen muss, die wirklich richtigen Entscheidungen treffen muss.

Bei mir fällt maximal eine Maschine aus. Ist auch nicht schön, aber noch erträglich. In einer Reportage auf Youtube von den öffentlich-rechtlichen gab es ein Video über Ärztefehler. Einer Krankenschwester ist dem Fehler unterlaufen, dass sie der Patientin ein falsches Medikament gab. Die Folge daraus: Die Frau ist für ihr restliches Leben gelähmt und kann nur noch den Kopf bewegen. Das finde ich viel schlimmer.

Sascha Lobo sagte auch im jüngsten Podcast, dass in Deutschland nach wie vor keine Fehlerkultur gibt. Jeder noch so kleinster Fehler wird bei uns wie eine große Strafe gehandelt. Ich mache bestimmt sehr viele Fehler. Das wird nicht gern gesehen.

Ich höre viel mehr ein Video gerade von Horst Lüning über die aktuelle Coronakrise, wo er berichtet, dass wohl sehr viele Geschäftsführer es versäumen rechtzeitig Insolvenz beim Gericht anmelden.

Ach sie sind doch nicht so perfekt, wie sonst üblich geschildert?

In Sachen Bewerbungsverfahren werden Geschäftsführer, Manager, HR immer als so perfekte Menschen hingestellt und nur der Bewerber ist derjenige, der meistens alles falsch macht. Der Bewerber hat sich nicht gemeldet, die Firma aber auch nicht. Nur die Firmenvertreter können sich mit viel Arbeit herausreden.

Henrik Zaborowski, einer der von mir sehr geschätzt ist, beklagt in einem zweitstündigen Gesamtvideo, welches er mit zwei anderen Personalern aufgenommen hatte, dass Firmen sich sehr wenig Zeit um Bewerber machen. Es gibt da eine erschreckende Zahl 96 % der Firmen wissen anhand des Lebenslauf, dass der Kandidat nicht für den Job geeignet ist. Das heißt, 96 % der Firmenvertreter haben übernatürliche Fähigkeiten. Henrik vertritt die These schon seit Jahren, seit seinen ersten Blogeinträgen, dass 30 % der abgesagten Bewerber, könnten den Job.

Aber auch Bernd Slaghuis vertritt ähnliche Thesen.