Ich mache keine Reisen/Ausflüge mehr in Sachen 9-Euro-Ticket

25. Juni 2022 Aus Von elsenorweb

Ich bin seit mehr als 25 Jahren Ticketabonnent vom VRR und ich bin immer sehr gerne mit der Bahn gefahren. Die Züge waren immer voll. Niemand hat sich da für Fluchtwege interessiert. Die Leute haben schon damals gestanden in den Gängen, auf den Treppen, an den Türen. Die Leute sind in der höchsten Phase der Pandemie auch dichtgedrängt gestanden und jetzt mit dem 9 Euro-Ticket ist das alles bedenklich. Jetzt wird auf einmal darauf hingewiesen?

In den Straßenbahnen und Bussen stehen die Leute auch jetzt, auch den Türen. Wenn der Bus mal scharf bremsen muss, ist das nun ungefährlicher als im Zug?

Warum ich das schreibe und warum ich nicht mehr fahren möchte:

Ich bin heute am Samstag mit Start der NRW-Sommerferien nach Osnabrück gefahren, weil die haben dort ein großes Kaufhaus mit einer Surfwelle drin und die hatten auch reichlich Auswahl an sportlichen Kleidungsstücken. Die Firma hat auch ein anderes Sortiment als das was man bei Sportscheck oder Intersport so Mainstreamware sieht. Vor meinem Urlaub war das noch noch einmal meine letzte Gelegenheit.

Ich bin mit dem RE2, der endlich wieder bis Osnabrück durchfährt, um 7.41 Uhr losgefahren. Schon am Essener HBF standen einige Leute, aber nicht unüblich bei Ferienstart des wohl bevölkungsreichsten Bundeslandes in Deutschland, glaub ich. Der RE2 um 6.41 Uhr ist ausgefallen. Aber das ist beim RE2 seit mindenstens 10 Jahren Normalität, dass diese Linie zigmal mal Tage ausfällt. In meinem älteren Blogeinträgen schreibe ich da oftmals unschöne Worte, weil der Zug ist immer um 20.13 Uhr ab Düsseldorf Flughafenbahnhof ausgefallen und um 20.00 Uhr hatte ich damals Feierabend.

Auf jeden Fall das Zugpersonal war sehr unfreundlich. Wie gesagt, ich fahre seit 25 Jahren mit der Bahn und so ein unfreundliches Personal ist mir in meinem gesamten Leben noch nicht untergekommen. Der Lokführer meinte wohl auf Mr. Wichtig zu machen und hat nach jedem Bahnhof Lautsprecherdurchsagen von sich gegeben, dass mir wirklich eiskalt den Rücken herunter lief. Wie doofe Kinder hat er uns behandelt. Irgendwann wurde auch endlich die erste Klasse freigegeben (wozu es die noch in Nahverkehrszügen gibt, besonders in S-Bahnen ist mir immer noch ein großes Rätsel – ich wüsste nicht, dass es in spanischen S-Bahnen eine 1. Klasse gibt.). Die 1. Klasse hat nur noch Platz im ICE, aber in allen anderen Zügen ist das ein Oltimermodell.

Der Lokführer sagte ständig (ich kürze das hier ab): „Alkoholverbot, Maskenpflicht und Sitzplatzpflicht“. Der Lokführer hat die Leute schon an den einzelnen Bahnsteigen in Essen, Gelsenkirchen, Wanne-Eickel, Haltern und Dülmen (dort hält der RE2 bis Münster) angeschnauzt, die einsteigen wollten.

In Münster/Westfalen wurde er knallhart, denn es stiegen einige mit Kinderwagen ein. Der Fahrradfahrer wurde hinausgeworfen. Der Lokführer ist durch die ganzen Wagen gegangen und hat alle Fahrgäste in einem Ton behandelt, als ob er der totale Chef von der Deutschen Bahn AG wäre.

Er sagte, dass er dann weiterfahren würde, wenn alle, die keinen Sitzplatz hätten, hinausgehen müssen. Alle Leute im Mehrzweckabteil hat er angemeckert in einen harten Tonfall. Ich kann vieles ab, aber mir lief es eiskalt den Rücken herunter. Ich habe mich wirklich gefragt, in was für ein Land ich noch wohnen würde.

Da wohl einige nicht wollten, hat der Lokführer mit der Bundespolizei gedroht. Ja der Zug war voll, aber was ich vor Corona jeden Morgen und jeden Abend erlebt habe, wie voll die Züge dort waren, das war noch kein Vergleich.

Ich bin dann in Münster/Westfalen ausgestiegen. Der Zug ist wohl tatsächlich nicht weitergefahren, denn bei Twitter stand bei Zuginfo.NRW Osnabrück-Münster – Zugausfall und das wäre der Zug gewesen, der es hätte bis Osnabrück geschafft.

Da ich so viele Zugausfälle wegen Personalmangel in Twitter sehe, denke ich dass sehr viele Lokführer/Triebwagenführer auf diese Menschenmassen keine Lust haben und kurzfristig krank melden. Der Gedanke kam mir schon an Fronleichnam als ich nach Bremen wollte. Ich vermute, wir werden noch sehr viele Zugausfälle wegen Personalmangel erleben (oftmals wird auch geschrieben: „Zug musste repariert werden).

Ich verstehe nicht, warum die Bahngesellschaften jetzt so rigoros bei den Fahrgästen durchgreifen. Das hätten sie schon seit 10 Jahren machen müssen. Durch die ganzen Zugausfällen verschärft sich die Lage vom Füllegrad noch einmal. Ich würde mich nicht wundern, wenn viele Lokführer irgendwann kündigen werden / Bahnpersonal. Der Nahverkehr ist am Ende in Deutschland, wenn kein Personal mehr vorhanden ist.

Ja wie bin ich dann wieder zurück nach Essen gekommen, ohne Zug?

Es gibt da einige Nebenstrecken per Bus, die ich aber bereits kannte, weil ich sie in der Vergangenheit schon mal befahren hatte und bis heute noch existieren.

Von Münster/HBF mit der Linie X90 bis Lüdinghausen Bustreff (ich habe mir noch kurz Lüdinghausen angeschaut).

Dann mit der Linie S91 nach Datteln Busbahnhof. Das ist mir noch neu, denn von früher kannte ich es noch, dass der S91 nur bis Lüdinghausen ging, von Lüdinghausen musste man dann mit der Linie R44 bis Olfen fahren und dann mit der VRR-Linie 236 bis Datteln. Das ist jetzt sehr vereinfacht. Also Datteln nach Münster ist ohne Umsteigen möglich.

Also mit dem S91 bis Datteln, dann mit dem SB24 nach Recklinghausen HBF, mit dem 238 nach Gelsenkirchen Buer Rathaus, 302 bis Gelsenkirchen Musiktheater und dann mit der Linie 107 nach Krankenhaus Stoppenberg.

Ab Datteln gab es immer noch alternativere Verbindungen. Also statt SB24 Datteln-Recklinghausen ginge auch die Linie 232. Recklinghausen-Gelsenkirchen Buer statt 238 auch 249 – eine Linie, die es seit über 25 Jahren gibt und wohl nie in ihrem Verlauf verändert wurde oder SB49 (das ist neu, früher hieß die Linie wohl mal SB23). Gelsenkirchen-Buer – Gelsenkirchen Musiktheater bzw. Gelsenkirchen HBF – das ist aus meiner Sicht egal, Linien 301, 380, 381.

Wenn die Linie 107 nicht fährt, gibt es immer noch die Möglichkeit mit der Linie 340 ab Musiktheater bis Landschede / 155 bis Essen Helfenbergweg oder mit der Gemeinschaftslinie 194 bis Achternbergstraße und dann mit der Linie 155 nach Essen – Helfenbergweg. Oder wenn die 107 nur in Essen fährt, könnte man auch mit der Linie 340 bis Abzweig Katernberg fahren und dann mit der Linie 107 / 183 in Essen fahren.

Mir schwant übles. Am 30.06.2022 fliege ich nach Spanien. Erstens fährt morgens der Zug um 5.09 Uhr und zweitens komme ich durch die Sicherheitskontrollen am Düsseldorfer Flughafen. Nein, ich fliege nicht mit Lufthansa/Eurowings, sondern mit Iberia, weil ich in Madrid umsteige nach La Coruna. Leider habe ich vernommen, dass die spanischen Fluglotsen jetzt in der Ferienzeit streiken wollen.

Wenn ich Pech habe, habe ich über 600 Euro umsonst ausgegeben, weil irgendwas nicht funktioniert.

In die städtischen Freibäder ist auch sehr schwierig. Ein großes Freibad hat auch Personalmangel und nur von 6.30 Uhr bis 10.00 Uhr geöffnet, ein anderes, weil es an der Ruhr liegt, hat immer noch Schäden vom Hochwasser im letzten Jahr, das Grugabad eine Limitierung an Besuchern eingeführt. Statt 12.000 dürfen nur noch 5.000 ins Freibad. Was mit Oststadt ist (ist angeblich offen) und Hesse, weiß ich nicht.

Ob ich nach meinem Urlaub noch einmal mit der Bahn verreisen werde, zumindest mit Nahverkehrszügen, wage ich zu bezweifeln. Fernverkehr höchst wahrscheinlich. Mit dem Nahverkehr ist es mir zu unsicher geworden besonders nach dem heutigen Erlebnis.

Der harte Umgangston der Lokführer hatte ich schon an meinem Geburtstag in einigen Zügen vernommen. Was mir allerdings auffällt, es sind recht junge Lokführer, die so eine kesse Lippe haben. Ich vermute mal die Älteren haben schon die Bedingungen vor Corona mitgemacht und sich wohl abgehärtet.

Ich werde nur noch die notwendigsten Fahrten mit den Nahverkehrszügen machen.

Natürlich kann ich das Zugpersonal verstehen, aber der TON macht die Musik. Ein herrschender Lokführer, der meint er wäre der Gott höchstpersönlich, kann die Bahn nicht gebrauchen und wie gesagt, volle Züge sind keine Erfindung des 9-Euro-Tickets, die gab es in den vielen Jahren vor Corona auch jeden Tag oder kommt jetzt die Entladung was sich vor Corona aufgestaut hatte, nun zum Ausbruch?