Paderborn und Hamm/Westfalen

18. Juli 2020 Aus Von elsenorweb

Ich bin heute mit dem Ticket2000 wieder losgefahren.

Achtung!!!

Das wusste ich selber nicht. Fahrradmitnahme im Ticket2000 bedeutet, dass man noch ein Tagesticket NRW fürs Fahrrad für 5 Euro kaufen muss.

Mir ist das auf der Rückfahrt zum Verhängnis geworden, als mich der Schaffner darauf hinwies. Er gab mir ein Westfalen Fahrradtagesticket für 4 Euro.

Der größte Blödsinn ist, dass in der DB Navigator App diese Fahrradtageskarte für 5 Euro nicht kaufen kann. Wir leben noch im Jahre 1800 bei der Bahn. Ich kann in der App eine Tageskarte für eine Person ohne Fahrrad kaufen, aber ein Extra Tagesticket fürs Fahrrad ist technisch nicht möglich. Ich fasse mich sehr oft hier an den Kopf. Ich wette das ist eine Managemententscheidung.

Die Fahrradkarte für den Fernverkehr ist seit Januar 2020 möglich, aber für den Nahverkehr nicht. Ich verstehe das Land wirklich nicht.

Für den IC braucht man neben der Fahrradkarte noch eine Reservierung und man soll noch so ein Papierstreifchen am Fahrrad befestigen. Das ist technisch möglich, aber für den Nahverkehr ist das technisch nicht möglich. Ich weiß auch, das der Nahverkehr von den Bundesländern bestellt wird, aber arbeiten dort keine Menschen im 21. Jahrhundert?

Alle beschwören in allen Sonntagsreden auch das Fahrrad als das Verkehrsmittel der Zukunft, aber das ist immer nur ein Platzhalter in deren Sonntagsreden.

Also Fahrrad: Ticket 2000 + NRW Fahrradtagesticket 5,00 Euro.

Ich bin dann um 8.13 Uhr mit dem RE11 losgefahren. In Dortmund stieg eine Frau mit einem Faltrad dazu. Sie war in meinem Alter und wir haben uns sehr für zig Radrouten unterhalten. Sie plane Ende August eine große Reise von Dresden, an der Elbe entlang nach Magdeburg und dann irgendwie den Aller-Radweg und dann den Weserradweg wieder irgendwie zurück. Natürlich mit mehreren Übernachtungen. Für mich hört das nach Stress an. Stress, dass man die Kilometer zählt, dass man nur das nötigste sieht.

Sie stieg auch in Paderborn aus. Wäre das meine Partnerin, ich hätte ihr das in diesem Umfang ausgereden. Dresden – Magdeburg in 1,5 Wochen kann man machen und dann sich nur an diesen bekloppten Radweg halten. Ich wäre viel zu neugierig, spontan andere Routen zu fahren. Nur die Elbe zu sehen, macht auch irgendwann keinen Spaß. Vor allem viele fahren diesen Radwanderwege und dann ist das meistens nur ein Überholen, Bremsen und gucken, wo ist der Vordermann.

Wir haben uns Paderborn verabschiedet, sie wolle nach Bad Lippspringe, dann Sande, Delbrück und Rheda Wiedenbrück.

Radweg am Maspernplatz. Der Kreuzungspunkt ist tiefergelegt

Ich bin dann erst einmal zur Schwimmoper am Maspernplatz gefahren. Es gibt auch eine Schwimmoper in Wuppertal, wo ich schon mal schwimmen war. Die in Paderborn gefiel mir draußen ziemlich gut. Direkt daneben ist die Maspernhalle. Hier war ich mal vor sehr vielen Jahren wegen ETB SW Essen, Basketball. Die hatten ein Auswärtsspiel an einem Samstag Abend. Ob da noch Basketball gespielt wird, weiß ich nicht.

Dann bin ich auf der Stolbergsallee, das ist sogar fast wie in den Niederlanden ein eigener Radweg, wobei der Radweg hier so breit ist, wie in den Niederlanden für eine Fahrspur. Am Rolandsbad standen lange Schlangen.

In Paderborn war es schwül und heiß. Die 17 km nach Hövelhof, was ich so eingeplant hatte, habe ich gekippt.

Ich bin am Heinz-Nixdorf-Museum an der Fürstenallee ausgekommen. Hier war ich mal mit meinem Vater wegen einer Ausstellung über die Zukunft der Medizin.

Schloss Neuhaus im gleichnamigen Stadtteil

An der Pader schlängelte sich der Radweg in Richtung Stadtteil Schloss Neuhaus. Ich bin dann an der Straße: Im Quinhagen ausgekommen und sah dann auch schon das Schloss Neuhaus.

Über den Fluss Alme habe ich mich rechts gehalten, um zum Lippesee zu fahren. Der Radweg, der am Böker-Heide-Kanal entlang läuft, ist vorhanden, die Qualität des Belags lässt zu wünschen übrig.

Ich wollte eigentlich im Lippesee schwimmen, aber es gibt dort keine freie Badestelle. Man muss Eintritt bezahlen. Ich habe sein gelassen. Bin dann nach Sande weitergefahren.

Lippesee – an seiner wenigen zugänglichen Stellen

Wir sprechen hier von Sande bei Paderborn und nicht südlich von Wilhelmshaven, wobei Sande auch ein Stadtteil von Paderborn ist.

Sande wirkt wie eine Kleinstadt, sehr ländlich geprägt. Mir wäre das da zu einsam. Eigentlich war ich fast bereit die 7 km nach Delbrück zu fahren, aber weil es eine Baustelle gab und sich dunkle Wolken aufzogen habe ich die Richtung, Richtung Paderborn Elsen gewechselt.

Elsen liegt auf westlicher Seite von Paderborn und hat wenigstens ein Ortszentrum auf der Von-Ketteler Straße mit Geschäften, wo man kleinere Dinge erledigen kann. Der Stadtteil hat auch ein Hallenbad. Bis nach Paderborn wären es 5 km. Die Buslinien 6, 8, und 68 bedienen den Stadtteil. Alle fahren auch zum Paderborner HBF, wobei die Linie 8 noch einen Schlenker macht.

Ich bin die von-Ketteler Straßer, später Paderborner Straße weiter gefahren und bin an der Benteler-Arena ausgekommen. Benteler, die sitzen auch bei uns im Gebäude drin. Ich wusste nicht, dass die auch die Namensgebung von einem Stadion war. Ok, das Stadion wird mal wieder 2. Liga Format sehen, weil der SC Paderborn 07 wieder abgestiegen ist.

Die Linien 6 und 68 halten hier an der Haltestelle Arena.

Aus der Paderborner Straße wird die Elsener Straße, die ich dann bis zum Ende gefolgt bin und bin dann auf die Neuhäuser Straße abgebogen und schlussendes den Radweg gefolgt, der dann in die Rathenaustraße bog. Bei der erst besten Gelegenheit bin ich dann links in Richtung Zentrum abgebogen in die Jahnstraße, die man sehr gut befahren kann. Sehr verkehrberuhigt. Ein fast ländlicher Abschnitt fast im Zentrum.

Schließlich habe ich mein Fahrrad am überdachten Abdinghof abgestellt, wo noch zig andere Räder standen und habe erst einmal etwas gegessen.

Meine Laune wuchs wieder, aber nicht so sehr die Kraft. Ich bin dann also schnell zum Paderborner HBF gefahren, um mit der RB89 (Eurobahn) um 13.51 Uhr nach Hamm zu fahren.

Hier bin ich nicht sofort umgestiegen, sondern bin ich auch ausgestiegen.

Hamm ist fahrradtechnisch ziemlich gut aufgestellt. Ich wurde von einem anderem Fahrradfahrer kurz hingewiesen, dass ich die Fahrradampel nicht so schnell von Rot auf Grün springen gesehen habe. In Essen gibt es nur eine Fahrradampel auf dem Rad am Essener HBF und das war es.

In Hamm war mein erstes Ziel der Flugplatz Hamm-Lippewiesen. Eine Cessna 182 (?) versuchte zu Starten oder war es ein Flugschüler, der die ersten Gehversuche unternahm, keine Ahnung, die Maschine hob nicht ab.

Ich bin die L507, die Hessener Straße / Dolberger Straße entlang gefahren. Ich war zu müde, um mich über die miese Radwegqualität zu ärgern. Was es in Hamm gibt an Radwegen gut, die Qualität der Wege – na ja.

Hamm – Lippe -an der K26 mit Blick Richtung Westen

Schließlich bin ich auf die Fährstraße, K26, in Richtung Uentrop abgebogen. Mein Ziel war der Maximilianpark im Hammer Osten.

Hamm wird mit jeden Kilometer Richtung Osten immer ländlicher. Die Qualität der Häuser ist bescheiden. Irgendwie wird in Hamm nichts so richtig investiert.

Direkt am Maximilianpark befindet sich die Westpress Arena, Heimat vom ASV Hamm (Handball) und direkt daneben steht die HeLiNet Eissportarena. Hier spielte der Eishockeyverein ASV Hamm (gefürchteter Gegner von den ESC Moskitos Essen – früher, immer Niederlagen für Essen) und ESC Hamm. Heutzutage spielen dort die Hammer Eisbären.

Unweit befindet sich der Maximilianpark, wo man Eintritt zahlen muss, wo auch lange Schlangen vor dem Eingang sich befanden. Den gläsernen Elefanten kann man auch noch später begutachten.

Direkt am Eingang gibt es auch ein Bahngleis, welches nach Lippeborg führt. Eigentlich fährt hier ein Zug der Museumseisenbahn. Man könnte auch darauf eine gute ÖPNV Anbindung mittels Überlandstadtbahn nach Karlsruher Vorbild aufbauen, die in Soest oder Lippstadt endet.

Über den Grenzweg und weil da auf dem Radweg eine Baustelle war und man eine Umleitung fahren musste (am liebsten dient der Radweg sehr gerne als Abstellplatz für Baugeräte – denn wer braucht schon einen Radweg – da fährt doch niemand) und bin über das ländliche Mark (so heißt der Teil wirklich in Hamm) und über die Marker Allee ins Zentrum gefahren.

Bis zum Maximillianpark sind es 7,3 km. Auf dem Hinweg dachte, ich käme nie an.

Mit dem RE3 um 16.30 Uhr bin ich dann schließlich bis Essen-Altenessen, Ankunft 17.35 Uhr vom Hammer HBF gefahren. Auf Gleis 11 steht der Zug, also mal wieder jenseits vom HBF. Hier fährt auch der RE11 nach Düsseldorf ab.

Ich bin jetzt sehr oft in Ostwestfalen, weil ich da nicht so oft war. Es hat auch den Grund, weil ins Rheinland, nach Köln oder Aachen, also die Verkehrsverbünde VRS und AVV kann man mit dem Einfach-weiter-Ticket für 6,80 Euro eine Fahrt + Fahrradkarte NRW 5 Euro und 6,80 Euro wieder zurück fahren.

Nach Ostwestfalen oder ins Münsterland muss man weiterhin ein Tagesticket für 30 Euro + 5 Euro Fahrradtageskarte kaufen.

Eine Anfrage wann dieses Einfach-weiter-Ticket auch für Ostwestfalen gelten würde, wurde abgetan, dass man es nicht wüsste und es kompliziert wäre. Dabei gibt es den Westfalentarif für gesamt Westfalen. Die ganzen Verkehrsverbünde, der Sechser (für Bielefeld), Verkehrsgemeinschaften, zig Stück wurden in diesen einen Westfalentarif integriert.

Das Fahren mit dem ÖPNV könnte so einfach sein, wie in den Niederlanden mit der OV-chipkaart, aber wie gesagt in den Köpfen der Länder ist das überhaupt noch nicht angekommen. Der deutsche doofe Bedenkenträger hat immer noch Oberhand.

Nein, das beste ist, jeder schreit nach einem einheitlichen, einfachen Tarif, aber keiner ist bereit seine getrockneten Schäfchen wieder zu wässern. Der Nahverkehr in den Niederlanden und wahrscheinlich auch in der Schweiz ist deshalb so gut, weil nicht wie in Deutschland,wo das Denken an der Gemeindegrenze aufhört. Viele Deutsche leben im Gedanken irgendwie noch in den alten deutschen Fürstentümern.