Verallgemeinerungen in unserer Gesellschaft

8. Dezember 2016 Aus Von elsenorweb

Ich werde seit heute Abend nicht mehr einen Gedanken los.

Ich hatte unter Privat einen Post gepostet, wo ich nicht verstanden habe, warum die Tagesschau nicht über einen Übergriff einer ausländischen Person auf eine Deutsche berichtet hat. Daraufhin wurde ich in eine bestimmte politische Ecke gestellt.

Mir lag aber eine Verallgemeinerung ganz fern. Auch die Medien versuchten nach einem Überfall eines Iraker in Bochum sofort die Verallgemeinerung den Leuten aus den Köpfen zu treiben. Aber das wird leider nicht passieren, denn wir verallgemeinern leider sehr schnell und auf viel zu banale Art und Weise schon seit Jahren/Jahrzehnten, die den meisten überhaupt nicht mehr bewusst ist.

Stichwort Autofahrer:

Wenn ein 75 jähriger Mann einen Unfall begeht, weil er was übersehen hat, kommen sofort die Rufe, er soll doch gefälligst in seinem Alter das Autofahren sein lassen (sofortige Nachprüfung und wenn nicht dann Führerscheinentzug) Wenn ein 23 jähriger das macht, dann soll er doch gefälligst noch eine Nachprüfung machen, denn grundsätzlich überschätzen sich alle jüngeren Männer maßlos (dass dies nicht stimmt, steht auf einem anderem Blatt, aber die Verallgemeinerung ist sofort da).

Und was ist mit Frauen? Darüber wird nie berichtet. Wenn eine 23 jährige Frau einen Unfall macht und darüber berichtet wird, dann kommt das mit der Nachschulung nie, beim Mann kommt das reflexartig sofort. Warum weiß ich nicht (eigentlich doch, weil man dem Mann grundsätzlich heutzutage eine bewusste Böswilligkeit in allen Bereichen, die ich noch aufzählen werde, unterstellt).

Stichwort Computer:

Alle Männer, die etwas programmieren können, werden als Hacker hingestellt, die sich verziehen alle in die dunkelsten Ecken, kommen nur ganz selten ans Tageslicht, haben fettige Haare, essen am liebsten nur Pizza, alle vor allem Männer, die die Egoshooter spielen, sind sofort auch verdächtigt, die sind die nächsten Mörder.

Stichwort Berufe:

In den Augen von sehr vielen Menschen leben Bibliotheksangestellte in der Vergangenheit. Frauen tragen einen Dut, und sind immer noch bieder angezogen, Männer gibt es anscheinend nicht.

Die Fahrer in den öffentlichen Verkehrsmitteln werden als selbstverständlich angesehen, oder sie kommen nur in den Medien vor, wenn sie mal jemanden absichtlich draußen gelassen haben oder eine Haltestelle übersehen habe oder Kinder herausgeschickt haben. Dann wird über sie in den Kommentarspalten der Lokalzeitungen hergezogen, dass sich die Balken biegen.

Ich weiß noch, wie wir abteilungsweise damals in meiner ehemaligen Firma einen unsere Probleme aufgeschrieben haben. Dabei kam erstaunliches heraus: Alle Abteilungen in der Firma hatten das Gefühl, dass man ihre Arbeit nicht verstehen würde. Die Personalabteilung, die Schulungsabteilung, die Geschäftsführung, die Sekretariate, die EDV-Abteilungen und etc.. fühlten sich nicht richtig verstanden. Alle beklagten ein mangelhaftes Verständnis ihrer Arbeit, keiner fühlte sich richtig wertgeschätzt. Die Umfrage wurde ca. 2008 oder 2009 durchgeführt. Man konnte das intern nachlesen.

Kinder haben in den Medien heutzutage einen Heiligenschein. Wenn man der Meinung in den Medien glauben schenken kann, dann darf man diesen kleineren Menschen bloß kein Haar mehr krümmen, man muss sie als Heilige ansehen. Temperaturen unter 10 Grad, wenn Kinder mehr als nur fünf Sekunden warten müssen, wird als unmenschlich angesehen.

Frauen sind sofort Rabenmütter, wenn sie irgendwas nicht im Sinne der angeblichen Öffentlichkeit mit ihren Kindern gemacht haben. Väter sind grundsätzlich unwichtig oder unmenschlich, denn nur sie vergewaltigen Kinder.

Jeder Ältere, und körperlich nicht mehr so aktive Mensch über 60, fühlen sich sofort traumatisiert und diskriminiert, wenn der Einsatz von Hilfsmitteln aufgrund von Sicherheitsgedanken nicht möglich gemacht wird (es gab mal vor einem halben Jahr die Fälle in Bochum wo aufgrund von Standproblemen des neuen Transportmittel für Behinderte, die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht gestattet wurde).

Das Schubladendenken geht mit unserer Ernährung weiter (die die Fleisch essen werden in eine Schublade gesteckt, wie auch die für sich persönlich entschieden haben, das nicht zu essen), die noch die Braunkohle abbauen werden genauso verunglimpft, wie die in den Kernkraftwerken arbeiten sowie alle Straßenbauingenieure, die nicht mehr in der Lage sind eine Baustelle zu managen.

Die Bürger, die sich entschlossen haben, über das Internet etwas zu bestellen, werden genauso „beschuldigt“, wie auch die die am Sonntag gerne in der Innenstadt einkaufen wollen.

Das gleiche ist auch, von den Leute, die nur mit dem Auto fahren, oder nur mit dem Fahrrad oder nur mit dem ÖPNV oder zu Fuß gehen, die einen nur mit Schuhen, die anderen nur barfuß und etc…

Egal was man nimmt, so wird man ständig in Schubladen gesteckt.

Wenn man sich das alles durch den Kopf gehen lässt, dann frage ich mich wirklich erstens wohin soll das noch weiterführen und zweitens was kann man noch machen, worüber man noch reden kann, ohne, dass man befürchten muss, etwas falsches gesagt haben?

Ja, ich bin auch davon betroffen, auch ich stecke Menschen manchmal in bestimmte Schubladen, auch wenn ich es wirklich versuche, das nicht zu machen.

Ich versuche zwar immer von der wissenschaftlichen Seite zu kommen, versuche zu verstehen, dass es vielleicht auch nur einmalig so war, aber ich habe auch Emotionen und die lasse ich auch mal freien Lauf.

Es ist sehr schade, wie wir uns entwickelt haben. Leider habe ich den Eindruck, dass es immer schlimmer wird, der raue Ton wird immer rauer, statt dass wir uns mehr darauf besinnen, offener zu werden und die Vorurteile, die ich oben aufgezählt habe, zu beseitigen.