Warum sind Menschen um meinetwegen immer besorgt?

14. Oktober 2016 Aus Von elsenorweb

Ich war heute in Langenfeld (Rheinland) zwischen Düsseldorf und Köln bei einem Vorstellungsgespräch für die Kundenkommunikation auf französisch, deutsch und niederländisch. Nach dem Gespräch durfte ich etwas im laufenden Betrieb schnuppern, also ich „musste“ mich neben einer Callcenter-Agentin hinsetzen und die Gespräche mithören und auch mit der Frau etwas auf französisch sprechen. Aus meiner Sicht hat es ganz gut geklappt.

Dann musste ich noch kurz auf zwei E-Mails antworten machen, auch ganz gut. Abschließend kam noch ein Abschlussgespräch, auch alles ganz nett und sehr sympathisch. Der Gesprächspartner sagte, dass sich allerdings seine Kollegin, also mit der ich da im Callcenter saß, sich Sorgen machen würde, dass ich Probleme bekommen würde mit einer Vielzahl von Gesprächen, die kurz hintereinander kämen und so. Also kurzum, wenn Rushhour in der Gesprächskommunikation herrscht.

Ich nehme so etwas sehr ernst. Schon im Juli sprach der Ansprechpartner seine Sorgen bei einer Firma in Bottrop, ob ich das überhaupt schaffen würde?

Bei der letzten Firma war man sich auch nicht sicher. So im Prinzip schon, aber ich war dort auch ein Wackelkandidat, weil ich nicht schnell gut lerne.

Also ich höre das immer und immer wieder. Ich habe noch die Zeilen vor meinen Augen, wo damals als Grundschüler stand für die Versetzung auf die Realschule: „Vielleicht geeignet“. Auch schon damals wussten die Verantwortlichen es nicht so richtig. Und was war? Ich bin die Realschule ohne Sitzen geblieben durchschritten. Ok, ich habe die Quali fürs Gymnasium nicht geschafft, aber darauf kommt es nicht an.

Ich bin für alle Menschen immer ein Wackelkandidat. Strahle ich soviel Unsicherheit aus? Wirke ich nicht so überzeugend in meinen Bewerbungen oder Gesprächen? Oder sind meine Talente unter einer vielleicht wohl behüteten Oberfläche verborgen, die andere erst auf dem zweiten oder dritten Blick sehen würden, wenn sie es überhaupt sehen werden. Vielleicht kennen mich zu wenige Menschen wirklich gut genug, um beurteilen zu können, wie ich wirklich bin. Leider sind die beiden Menschen, die das hätte tun können, leider tot. Der eine seit Januar 2016 und der andere seit März 2005.

Witzigerweise wurde ich heute gefragt, ob mir etwas an der Firmenwebseite aufgefallen wäre, vom Unternehmen. Und das erste was mir aufgefallen war, dass es keinen Button gab, wo man von Deutsch auf Französisch bzw. Niederländisch umschalten könne. Das hatte ich denen gesagt, aber das war nicht was gemeint wurde (ich wette mit Sicherheit, haben beide, es waren zwei Personen anwesend, sich gefragt, wie kommt er darauf, auf so etwas Unwichtige), nein es ging um die Produktauswahl, die eher für älteren Herrschaften bestimmt ist.

Aber das ist genau das was mein erster Chef meinte, dass ich Dinge sehe, über den Tellerrand schauen, die andere nicht sofort sehen würden, oder erst auf den vierten Blick.

Der Chef, der das sofort sieht, muss noch geboren werden. Aber das ist halt heutzutage sehr schwierig.

Ja, ich wüsste schon, wo man sich bewerben würde, wo ich meine Talente einsetzen könnte, aber bei allen Stellen muss man wenigstens studiert haben und zwar in Richtung Journalismus. Texte schreiben für Publikationen oder so, da erwartet keiner weniger als ein Studium als Ausbildung. Das gilt auch für die ganzen Webseitenbetreuung und so. Die Firmen erwarten da immer ein Hochschulstudium, und zwar mit Bestnoten, ein kaufmännisch ausgebildeter hat keine Chancen (habe ich schon alles versucht, zwar noch nicht bei allen Firmen auf diesem Planeten, aber bei vielen (und im Zweifel) nimmt man immer einen sehr gut ausgebildeten, mit langjährige Erfahrung), aber da gelte auch bestimmt als Wackelkandidat.

Ich hatte wirklich das saumäßige Glück bei einer Firma gearbeitet zu haben, wo ich 14 Jahre lang vollstes Vertrauen genossen habe. Die Bewerbungen unterbrochen von zwei Firmeneinsätzen von je zwei Monaten haben mir gezeigt, man vertraut mir nicht so richtig. Warum weiß ich nicht (und es kann auch nicht nur immer am Neid liegen, wegen meinen Fremdsprachenkenntnisse. Ich glaube, es spielen noch viele andere Gründe eine Hauptrolle).