Düsseldorf nach dem Regen

Düsseldorf nach dem Regen

In der letzten Woche hatte es mal endlich geregnet bei uns in NRW und somit wollte ich nun wissen, wie sich der Rheinpegel verändert hatte, ob nun wieder Schiffsverkehr möglich sei?

Es waren diesmal keine +39 Grad wie in der Vorwoche, sondern liebliche +21 bzw. +22 Grad, sodass ich mich entschlossen hatte, nach längerer Zeit wieder das Fahrrad mitzunehmen.

Innerhalb von hügeligen Essen fahre ich sowieso mit dem Fahrrad. Gerade für den sogenannten Alltag ist das Fahrrad mit den Fahrradtaschen für den Einkauf echt ideal.

Ich bin Deutschlandticket-Inhaber. Das heißt, ich brauche das gewohnte Fahrrad-Tagesticket für inzwischen stolze 4,60 Euro. Es hat auch schon mal weniger als 4 Euro gekostet und hat in den letzten Jahren eine massive Preissteigerung für den gleichen Nutzen eingebracht. Die Verkehrsgesellschaften möchten das Fahrrad aus den Zügen haben, weil Fahrräder nehmen Platz weg und daher erregt es sehr viele Fahrgäste. In Beiträgen in Social-Media tobt der Machtkampf zwischen Fahrradfahrern und „normalen“ Fahrgästen in den Zügen. Es kommen ständige die uralten Argumente, dass man das Fahrrad nur innerorts benutzen dürfe oder so.

Als ich noch in Düsseldorf gearbeitet hatte (in Düsseldorf Lichtenbroich) und als Ticket 2000 Inhaber konnte ich das Fahrrad kostenlos mitnehmen. Natürlich gab es auch einen ÖPNV zur Arbeitsstelle und auch zu mir nach Hause, aber die Gewissheit das Fahrrad dabei zu haben, half mir die Fahrt ruhig angehen zu lassen, weil ich sonst immer die Züge verflucht hatte wegen Verspätung und dem Anschluss.

Ich bin diesmal von Essen-Altenessen wieder gefahren, mit der RE3 der von der Eurobahn betrieben wird. Essen-Altenessen hat den Vorteil, dass die Anfahrt sehr eben ist, viel ebener als wenn ich zum Essener Hauptbahnhof fahre. Wegen der im Schneckentempo sich im Bau befindlichen CityBahn ist es am Essener Hauptbahnhof die Verkehrswegsituation sehr umständlich. Selbst in den Niederlanden wäre so ein Projekt schon viel zügiger vorangeschritten, aber in Deutschland geht immer alles sehr, sehr langsam. Vielleicht meint man auch, dass bis die Sonne in 5 Milliarden Jahre zum Roten Riesen wird, dass man noch so viel Zeit hätte, das Projekt fertigzustellen.

Der RE3 kam pünktlich und war auch so einigermaßen pünktlich in Düsseldorf Hauptbahnhof. Aber es war mir sowieso egal, weil ich mein weiteres Fortbewegungsmittel ja eh dabei hatte.

Von der Friedrich-Ebert-Straße, die später zur Steinstraße und Benrather Straße bis zur Breite Straße langsam gefahren. Es gibt viele Ampeln und alle schalten sich gerne auf Rot, wo man wiederum warten muss. Wenn es Autos vor einen gibt, dann fahren sie auch nicht zügig an, weil jeder Autofahrer muss sich ja im Innenspiegel schön machen.

Derzeit ist die Königsallee an diesem Wochenende (21.08. bis 23.08) für den Autoverkehr mit Pollern gesperrt, weil dort findet das Gourmet-Festival statt. Als Fahrradfahrer darf man das Fest an der Stelle der Stein- / Benrather Straße queren.

Ich bin dann rechts in die Breite Straße gefahren, um nach Norden zu gelangen. Hier liegen noch die alten Straßenbahnschienen, wo man etwas vorsichtiger fahren muss. Nach der Fertigstellung der sogenannten Wehrhahnlinie fahren die Bahnen jetzt nur noch unterirdisch. Es ist schade, denn die oberirdisch fahrende Straßenbahn bot sich hier an der Heinrich-Allee und dem östlichen Jan-Wellem-Platz immer wieder tolle Fotomotive an, die jetzt natürlich nicht mehr möglich sind. Das wäre eine Fundgrube für massenhafte YouTube Shorts ;-).

Ab der Elberfelder Straße wird der Radweg endlich gemütlich, er wird breiter. Es hatte mich so ein komischer Vogel mit einem Lastenfahrrad überholt, der irgendwie fast schon Karnevalsähnliche Musik abspielte. Er hatte aber auch irgendwie kaum Geduld, denn über mehrere rote Ampeln ist er wohl gerne gefahren.

Düsseldorf Rhein Blick auf die Fahrrinne mit mehr Wasser als in der letzten Woche

Die Anfahrt zur Oberkassler Brücke über die Hofgartenrampe war doch gemütlicher als gedacht. Als Fußgänger habe ich schon so manche Steigung falsch eingeschätzt. Schließlich wenn man mit dem Fahrrad unterwegs ist, ist es doch machbar. Aber es zieht sich dennoch bis man den Scheitelpunkt der Brücke erreicht. Da ich das gleiche Foto und Filmmotiv wie vor einer Woche machen wollte, musste ich auf der gegenüberliegenden Seite nicht den baulich abgetrennten Radweg benutzen, sondern den Fußgängerweg. Ich wollte ja ein Vorher – Nachher Film machen. Dabei war das letzte Woche gar nicht so richtig geplant, dass ich den Rhein filmen würde. Aber die Idee, nach den Regen am Anfang der dieser Woche noch einmal zur gleichen Stelle zu fahren, kam mir auch erst seit vorgestern so richtig auf.

Ich bin dann noch zur Festwiese für die Rheinkirmes hinuntergefahren. Aber am Rhein direkt war ich doch nicht.

Ach so, fast vergessen zu erwähnen. Ja, Schiffsverkehr ist wieder möglich auf dem Rhein, wobei ich noch nicht glaube, dass die Schiffe wie in normalen Zeiten ganz gefüllt sind.

Von der Festwiese bin ich dann durch Düsseldorf Oberkassel (Sailerstraße, Oberkasseler Straße und Luegallee) wieder in Richtung Belsenplatz gefahren. Die Luegallee geht dann in die Hansaallee über. Der Radweg ist hier sehr breit, was mir natürlich sehr gefällt.

Düsseldorf Stadtbahn Hansaallee mit den Gleisen.
Düsseldorf Blick in die Hansaallee mit den Stadtbahngleisen im Vordergrund

An der Brücke der Brüsseler Straße, wo oberhalb die Bundesstraße B7 verläuft, habe ich dann gestoppt. Auf den Anzeigetafeln der Rheinbahn sah ich, dass in 2 Minuten eine U77 zum „Am Seestern“ käme. An der Ecke Hansaallee / Fritz-Vomfelde-Straße bietet es sich als Filmmotiv natürlich eine abbiegende U77 für ein YouTube Shorts an. Es ist schon immer eine Eigendynamik, wenn schienengebunden Fahrzeuge eine Kurve fahren. Da ich auch nicht lange warten musste, habe ich da auch gefilmt.

Ich bin dann in die Fritz-Vomfelde Straße, später „Am Seestern“ abgebogen und bis zur Kreuzung Lütticher Straße. Mein ursprünglicher Plan war es über die Theodor-Heuss-Brücke und über den Nordfriedhof dann entweder ab dem S-Bahnhof Düsseldorf-Derendorf oder ab Düsseldorf-Flughafen wieder zurück nach Hause zu fahren.

Ich entschied doch auf der Lütticher Straße (das hier die Landesstraße L30) zu bleiben und später auf der Arnulfstraße zu fahren. Weil der Radweg nicht einmal seinen Namen verdient hatte, (eine uralte Version von ca. 60 cm Breite, der auch an Bäumen unterbrochen war, entschied ich mich auf die Straße zu wechseln. An der Luegallee, das ist die Landesstraße L392, bin ich dann mit dem Strom der anderen Fahrradfahrer ostwärts gefahren. Der Anstieg auf der Oberkasseler Brücke ist von Westen ein wenig heftiger als von Osten, aber immer noch locker machbar.

An der Theodor-Körner Straße habe ich so ein wenig das Treiben an diesem Ende-August Tag zugeschaut. Wegen des Gourmets-Festivals gibt es nur eine relative enge Stelle für Fußgänger und Fahrradfahrer und wegen den etwas hohen temporären Kabelschächte, die sehr holprig sein können, als Fahrradfahrer habe ich das Fahrrad an dieser Stelle (100 Meter) geschoben. Ich merkte natürlich hinter mir einen männlichen Fahrradfahrer, der mich wohl verfluchte, weil ich bestimmt aus seiner Sicht als Weichei, nicht normal herübergefahren. Er sagte aber nichts. Später sah ich, dass mit einem rasanten Tempo auch noch durch die Fußgängerzone schoss.

Um zum Düsseldorfer Hauptbahnhof zu gelangen bin ich dann die Schadowstraße, wo in der Mitte sich ein aufgemalter Radweg sich befindet, wunderbar zu fahren, auch wenn man eher Schrittgeschwindigkeit haben sollten. Über Nebenstraße (Cantador- und Leopoldstraße bin ich auf die Kölner Straße gelangt). Etwas weiter nördlich befindet sich die Haltestelle Pempelforter Straße, wo ich in früheren Zeiten hier mit der Buslinie 727 zum Düsseldorfer Flughafen gefahren. Ich konnte es mir gut behalten, Buslinie 727 und zum Flughafen passte wie Faust aufs Auge, denn 727, Boeing 727 also ein Flugzeug zum Flughafen, passender konnte es nicht sein. Leider wurde aus der Flughafenlinie 727, dann später die Linie 721, was natürlich nicht mehr zum Flughafen passte.

Am Schluss bog ich noch die Karlstraße ab, die weitestgehend parallel zur Bahnstrecke verläuft (nicht ganz, denn die Karlstraße hat einen anderen Winkel, als um als Parallel zur Bahnstrecke zu gelten). Am Schluss noch in die Friedrich-Ebert-Straße für die Schlussetappe zum Bahnhofsgebäude und dan natürlich in die Bahnhofshalle hinein. Auf der schon längst modernisierten Anzeigetafel nach einen passenden Zug zu finden ist, war nicht ganz einfach, denn durch die Baustellen fährt nicht jeder durch.

Und mal wieder typisch, ein arg verspäteter RE2. Wegen der Baustelle in Recklinghausen derzeit fährt er nur bis Herne-Wanne-Eickel Hauptbahnhof, aber das nützt schon, um ihn um eine halbe Stunde verspäten zu lassen. Selbst, wenn der RE2 nur zwischen Essen Hauptbahnhof und Essen-West verkehren würde, er hätte auch da 30 Minuten Verspätung. Manchmal glaube ich, es liegt vielleicht auch eingesetzten Material. Die BR146 scheint wie auch die Doppelstockwagen nicht mehr so taufrisch zu sein. Es fahren auch andere Linien auf diesen Strecken und die haben nicht so eine Verspätungszuverlässigkeit wie der RE2. Der RE2 ist noch eine der wenigen Regionalexpresse in NRW mit einer echten Lok am Anfang. Die anderen Linien werden mit Triebwagen befahren.

Erst sollte der RE2 auf Gleis 9 einlaufen, wo aber schon der RE3 stand, mit dem ich ja nach Düsseldorf gekommen bin. Da der Triebwagen des RE3 auch nicht wegfuhr, war die große Frage, was jetzt passieren würde. Erst am Schluss stellte sich heraus, dass der RE2 auf Gleis 7 einfahren würde.

Gleis 10 Düsseldorf Hauptbahnhof mit dem RE11 nach Hamm Hauptbahnhof und der S68 nach Langenfeld Rheinland, die nur im Berufsverkehr verkehrt
Gleis 10, wo auch die im Berufsverkehr verkehrkehrende S68 abfährt, die mal früher die BR420 als Triebwagen hatte

Da aber auf Gleis 10, direkt gegenüber vom Gleis 9, der RE11 nach Hamm/Westfalen Hauptbahnhof eingefahren ist in Doppeltraktion, bin ich dann von Düsseldorf Hauptbahnhof an einem Freitag nachmittag, eigentlich mitten im Berufsverkehr völlig entspannt nach Essen Hauptbahnhof gefahren. Ich sitze in den RRX-Zügen in der Regel immer direkt am Fahrrad.

Ich hatte unterwegs gesehen, dass der RE2 wegen der Verspätung nur bis Essen Hauptbahnhof gefahren ist. Aber ich sage eins, obwohl der RE11 in Duisburg Hauptbahnhof den RE2 bei der Ausfahrt vorlassen musste, hat der RE11 den RE2 zwischen Mülheim Hauptbahnhof und Essen Hauptbahnhof überholt, weil der RE2 befuhr die Ortsgleise, also die S-Bahngleise und musste irgendwo der Heißener Straße in Essen stoppen. So wird es nichts mehr mit dem Abbau der Verspätung.

Auf dem Rückweg habe ich die übliche Strecke Holle- , Herkules- Goldschmidtstraße genommen. Die Eingangs erwähnten Bau der CityBahn hat hier noch einmal deutlich gemacht, warum in der Zeitung stand, dass man noch ein weiteres Jahr braucht. Es hätte mich auch gewundert, wenn wir in Deutschland mal keine Verzögerung hätten. Die Kreuzung Hollestraße / Steeler Straße scheint in der Baufachwelt die größte in menschengedenken veranlasste Baustelle zu sein, denn die Baumaßnahmen kommen hier nicht voran. Vielleicht hat man auch eine alte Mumie aus der Römerzeit gefunden, wo man nicht weiß, wie man weiter bauen kann. So eine Kreuzung wäre in Estland in 6 Monaten fertig gebaut, aber in Deutschland ist man schon mindestens bei 12 Monaten hier dabei und wahrscheinlich wird man noch weitere 12 Monate brauchen. Manchmal frage ich mich, wie unsere Großväter in den 1930 / 1950 / 1960 so schnell und langliebrig bauen konnten. Vielleicht man auch neben der Mumie noch den Essener Kreuzungslurch gefunden, den man in einer sehr langen aufreibenen Aktion umsiedeln muss. Kann ja auch sein.

Es wird Zeit, das Land hier zuverlassen, denn dieses Trauerspiel ist nicht mehr auszuhalten.

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