Schienenkatastrophen im Industrieland Deutschland / oder doch Normalität?

8. April 2017 Aus Von elsenorweb

Eigentlich sollte hier eine andere Überschrift stehen, aber die Abellio und die Deutsche Bahn AG haben es mal wieder auf die Spitze getrieben.

Eigentlich sollte da oben die Überschrift stehen: „Arnhem wunderbarer Tag“ oder so.

Genau in die Niederlande wollte ich heute fahren, bin aber nur bis Wesel gekommen. Am frühen Morgen bin ich mit dem 140 (9.03 Uhr) zum Bahnhof Altenessen gefahren, um von dort aus mit dem RE3 nach Oberhausen HBF zu fahren. In Oberhausen bin ich in die neue Linie RE19 nach Arnheim (Niederlande) umgestiegen. Abfahrt 9.50 Uhr, geplante Ankunft um 11.15 Uhr. Ich bin nur bis Wesel gekommen.

Warum?

Der Triebwagenführer hat uns mitgeteilt, es gäbe ab Wesel keinen neuen Triebwagenführer (Personalmangel), also endet der Zug in Wesel. Wahrscheinlich darf nur ein Triebwagenführer die Strecke befahren, wenn dieser niederländisch sprechen kann, denn das stand in der Abellio Zeitschrift, die ich zuvor gelesen hatte.

Zuvor habe ich noch einwenig mit mir selber geunkt. Bei dem anderen privaten Schienenbetreiber im VRR, der Eurobahn, kam es zum Jahresanfang zu massiven Ausfällen wegen Personalmangel, manche Linien verkehrten nur noch im zwei-Stunden-Takt, statt im Stundentakt und das über zwei Wochen lang. Man hat den Geschäftsführer der Eurobahn verpflichtend zu einer Veranstaltung der Städte und Gemeinden eingeladen. Dies passiert nur dann wenn erhebliche Versäumnisse eintreten und eigentlich nur ganz selten.

Aber die Deutsche Bahn AG hat auch schon mal morgens im Berufsverkehr die Linie S6 (Essen nach Köln) lahmgelegt, weil der einzige Stellwerksverantwortliche sich krank gemeldet hatte. Also fuhren im Essener Bereich für zwei oder drei Stunden keine S-Bahnen. Wir sprechen hier vom Jahr 2017 und von Deutschland und nicht von Angola, Algerien oder Zentral Afrika.

 

Die Story geht noch weiter. Ich wollte dann zurückfahren. Ich bin dann noch kurz durch Wesel gelaufen, auf der Suche nach einer Toilette. Der Bahnhof in Wesel hat keine Toiletten. Da für die Deutsche Bahn AG der Fahrgast nur noch eine Kostenstelle ist, hat das Unternehmen in den kleinen Bahnhöfen alle Toilettenanlagen geschlossen, aber das schon seit Jahren. Nichts neues also. Nein, man bekommt noch vom Kundenservice der Deutschen Bahn AG auch so sinngemäß noch vorgeworfen, dass man ein Mensch ist, der gefälligst kein Drang entwickeln darf, sich entleeren zu können. So kam mir das vor. Aus diesem Grund hatte ich damals die Community bei Google+ der Deutschen Bahn AG verlassen.

 

Ich bin dann zurück gefahren. Ich wollte den RE5 um 11.06 Uhr nach Koblenz nehmen. Der RE5 hatte man zum neuen Fahrplanwechsel in 2016 von Emmerich bis Wesel verkürzt. Also er verkehrt jetzt zwischen Wesel und Koblenz. Grund war die hohe Verspätungsanfälligkeit.

Der Zug um 11.06 Uhr ist ausgefallen, weil der RE5 25 Minuten Verspätung hatte und nur noch bis Dinslaken fuhr. Dinslaken ist drei Bahnstationen vor Wesel. Bahntechnisch vollkommend unbedeutend. Am Samstag fährt der SB3 von Dinslaken nach Wesel, alle zwei Stunden.

Die Fahrgäste in Wesel am Bahnsteig waren alles andere als super freundlich auf die Deutsche Bahn AG zu sprechen. Aber wenn der RE5 jemals pünktlich war, dann ist Weihnachten, Ostern und mein Geburtstag auf den gleichen Tag gefallen. Die Linie ist und bleibt und das wird sich nicht ändern, eine Verspätungslinie. Ich glaube eine von zehn Fahrten ist pünktlich.

Autofahren macht auch keinen Spaß.

Und diese ganzen Pseudodiskussionen im Radio in der letzten Woche im WDR und NDR sind sowas von daneben. Ich glaube, alle so genannten Experten, die ich da gehört habe, leben in einer total anderen Welt. Nämlich in der Welt dass sie alle Realitäten total ausblenden, abgehobene und verblendete Menschen. Wahrscheinlich wohnen die alle nur fünf Minuten zu Fuß von der Arbeitsstelle entfernt oder sie wohnen in der Arbeitsstelle selber. So was ich und auch so viele andere Menschen jeden Tag erleben, verstopfte Straßen, jahrelange unnötige Autobahnbaustellen, jahrzehnte Bauarbeiten von Stadtstraßen, Brücken, Verspätungen, Personalmangel bei den Verkehrsgesellschaften oder etc. sowas bekommen die alles gar nicht mehr mit. Anders kann ich mir die vielen Aussagen in solchen Sendungen nicht mehr erklären.

Mein Tag in den Arnheim hätte so schön werden können. Niederländisch vor Ort sprechen, niederländische Zeitschriften kaufen, vielleicht wäre ich noch in Arnheim schwimmen gegangen und das alles super bequem mit dem Zug und auch noch im VRR-Tarif, denn der RE19 gehört bis Arnheim zum VRR-Tarif.

Nein, es ist nicht nur dieser Ausfall. Es ist die schleichende stetige Verschlechterung unserer deutschen Infrastruktur und keiner merkt es so richtig. Und wenn etwas gemacht wird, dann muss man sich auf 10 Jahre Bauzeit mindestens einstellen, wo andere Länder allerhöchstens die Hälfte brauchen und dann im doppelten Umfang, während man in Deutschland nur das notwendigste macht und dann leider so schlecht, dass man es gleich wieder abreissen müsste, weil es gerade so hält.

Update: 09.04.2017, 6.30 Uhr:

Nach dem Durchlesen von sehr vielen Artikeln, nachdem ich diesen Eintrag gemacht habe, ist wohl nicht Personalmangel die Ursache für den Ausfall, sondern die Software.

Der Zughersteller Stadler hat kurz vor Beginn Inbetriebnahme der Verlängerung ein Update bereitgestellt. Dieses Update betrifft die ETCS-Systeme. Die ETCS-Systeme sind für den Grenzübergang verantwortlich. Die europäischen Eisenbahnunternehmen fahren leider immer noch sehr unterschiedlichen Stromsystemen, von Spurweiten mal ganz zu schweigen. Seit vielen Jahren ist es nämlich schon längst Alltag, dass es einen europäischen Grenzverkehr gibt, ohne am Grenzbahnhof auf die landeseigene Lok zu warten. So schaltet sich ein ICE auf dem Weg von Oberhausen nach Amsterdam kurz nach Emmerich auf das niederländische System um, oder der ICE nach Brüssel schaltet sich im Aachener HBF auf das belgische System um.

Es sind Computersysteme, gepaart mit der entsprechenden Technik mit an Bord, die das ermöglichen.