Fehlerbehebung in Deutschland

16. Juni 2017 Aus Von elsenorweb

Diesen Artikel, auch wenn er von 2013 ist, habe ich vor kurzem auf Zeit.de gefunden und ich muss ehrlich sagen; ich stimme ihm sehr zu.

Die Kunst des Scheiterns

Wie ein Schlag auf das Gesicht kam mir dieser Satz vor:

In kaum einem anderen Land der Welt werden Misserfolge so sehr geächtet wie hier.

Hier ist die Rede von großen Misserfolge, aber auch bei kleinen guckt man weg, verurteilt.

Ich frage mich allerdings woher kommt das?

Ich gehe meine Fehler sehr selbstbewusst an, verarbeite sie und versuche daraus zu lernen. Was mich aber zu schaffen macht, ist die Beurteilung anderer. Andere sagen sehr schnell: „Das hättest du aber wissen müssen“, „Das ist doch so einfach“ (und meist in einem vorwurfsvollem Ton).

Habe ich schon alles gehört und wahrscheinlich schon jeder einmal oder mehrere Male. Ich frage mich, warum gehen wir schon bei so kleinen Dingen strafend mit anderen um?

Früher fand ich mal eine Basketballerin richtig gut, aber also nicht nur spierlerisch. Auf jeden Fall war ich oft bei den Spielen von ihr dabei und sie war im Gegensatz zur restlichen Truppe schon eine Erfahrende, war zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt, hatte bei einigen Bundesligisten gespielt. Nun spielte sie in der zweiten Mannschaft, einige Klassen tiefer als die Bundesliga. Ich habe aber immer ihren Trainer anmahnend gehört, dass etwas falsch machen würde und er sagte immer: „Das hättest du wissen müssen“. Das waren wohl einfache Fehler (Schrittfehler oder ähnliches).

Blinken Autofahrer bewusst nicht, oder weil sie es vergessen haben? Als Mensch hat man es doch gelernt, dass da ein Hebel gibt, um die Fahrtrichtung anzuzeigen. Gilt auch für Radfahrer mit dem Handzeichen.

Ich vergesse auch so manches Mal hier in meinem Blog ein Wort oder ein Buchstabe am Ende des Wortes. Fehler findet man bei anderen leichter. Aber findet man sie selber bei sich? Aus meiner Berufserfahrung kann ich das so sagen, dass man die eigenen Fehler nicht sieht. Ich hatte in meinem Berufsleben Dokumente gehabt wo ich geglaubt habe, höchstens 1 oder 2 Fehler gehabt zu haben. Derjenige, der Korrektur gelesen hat, hat 40 gefunden. Umgekehrt habe ich bei anderen Fehler gefunden, die sie nicht gesehen haben.

Ich habe auch heute morgen beim Einkaufen meine Geldbörse vergessen. Heute morgen habe ich sie aus dem Rucksack geholt, um nach Geld zu schauen und ich habe sie vergessen, später wieder in den Rucksack zu stecken. Bemerkt habe ich das erst an der Supermarktkasse, als ich bezahlen musste. Peinlich für den Augenblick, aber lehrreich. Wäre einer bei mir gewesen, der hätte mir bestimmt wieder einen Vorwurf gemacht („Wo hattest du wieder nur deine Gedanken?“). Ich war geistlich beim Verlassen des Hauses bei einem Thema, das eigentlich nebensächlich war, mich aber geistig beschäftigte, als ob es das Wichtigste überhaupt wäre. Beim Bemerken des Nichtvorhandenseins ist mir bewusst geworden, dass das Thema im Kopf eigentlich unwichtig gewesen ist und ich hätte mich auf das Wesentliche konzentieren sollen. Gedanklich hatte ich die Geldbörse wieder in den Rucksack gesteckt, aber nicht praktisch.

In das gleiche Schema passt das Speichern von Daten in einem Computerprogramm, das Aufschreiben von Informationen etc..

Einmal ist kein Problem, zweimal auch nicht, aber wenn es mehrere Male passiert dann ist das nicht gut. Das Fehler im System, in seiner Gesamtheit wird selten gesucht, der Fehler beim Menschen schon.

Kommt ein Autofahrer beim Blinken mit seinen Händen nicht an den Hebel dran oder liegt es nicht in seinem Sichtfeld oder was könnte es beheben, damit er daran denkt? Zugebenermaßen der Hebel für den Blinker liegt, wenn man es genau nimmt versteckt. Man sieht ihn nicht sofort. Man weiß, dass er da ist, weil man ihn von seinen Eltern gesehen hat. Aber würde man einen Menschen ins Auto sitzen, der noch nie zu vor eins von innen gesehen hat, würde er den Blinker finden?

Sehr viele Pilotenfehler sind auf unzureichende Ausführbarkeit von Instrumenten zurück zu führen. Entweder weil man Warntöne einfach abschalten kann oder weil eine Querverbindung des Cockpitfensters die Sichtweise genau an der Sichtweise des Piloten angebracht worden ist.

Die NASA hat zum Beispiel umfangreiche Programme durchgeführt, um die Checklisten, die die Piloten immer wieder lesen müssen und gemeinsam lesen müssen, zu verbessern, dass man keinen Punkt vergisst. Piloten hatten manche Punkte einfach übersehen, weil die Checklisten zu lang waren, und man nach einem Funkspruch wieder abgelenkt war und nicht genau wusste, wo man vor dem Funkspruch gewesen sei. Ein Pilot muss den Funkspruch hören und ihn wiederholen und der andere Pilot hört mit.

Das Abarbeiten von Checklisten und das Rückwärtslesen von Befehlen wird in den Warten der Kernkraftwerke genauso befolgt.