Arnhem-Zevenaar-Didam-S’Heerenberg

7. Juli 2020 Aus Von elsenorweb

Das war meine heutige Tour. Eigentlich wollte ich nur bis Zevenaar fahren, aber spontan entschied ich mich für Arnhem.

Ich habe auf der Hinfahrt von einer grandiosen Aktion gehört. Wer im VRR, VRS, AVV und Westfalen-Tarif ein Ticket-Abo hat darf am Wochenende in Gesamt NRW fahren, ohne Aufpreis bis zum Ende der Sommerferien fahren. Im VRR kann ich sogar von Mo-Fr im gesamten Verkehrsverbund.

Ich hatte mir nämlich auf der Hinfahrt noch ein Zusatzticket, so ein Viererblock für 13 Euro gekauft. Wird nicht schimmelig. Hat ja noch nach den Sommerferien Gültigkeit.

Ich bin mit dem RE19 dann bis Arnhem gefahren und dann mit meinem Rad dann einmal zum Winkelcentrum Kronenburg. Ich habe mal sowas von gestrahlt. Endlich wieder in den Niederlanden unterwegs zu sein. Ich muss wohl so überzeugend für eine Frau gewirkt haben, dass sie mich auch anstrahlte, als ich die John Frostburg-Brücke in Richtung Süden überquerte. Sie sah auch sehr hübsch aus.

Ich war ja 2017 in Arnhem für sehr viele Tage, hatte ja eine Unterkunft über Airbnb gebucht und kannte das Einkaufszentrum.

In den Niederlanden gibt es keine Maskenpflicht in den Geschäften wie hier in Deutschland. Natürlich muss man die Hände desinfizieren und 1,50 Meter Abstand halten. Es gibt auch die cleveren Methoden, wo man mit dem Fuß auf ein Pedal drückt und dann kommt oben raus aus. Natürlich noch hübsch eingepackt. Bei manchen steht noch eine Flasche drunter, wo die Flüssigkeit gesammelt wird. Die Niederländer denken wirklich mit, was ich von uns Deutschen wirklich nicht sagen kann.

In ein Geschäft zu gehen ohne Maske ist seit dem 27.04. sehr ungewohnt. Aber man gewöhnt sich schnell daran.

kostenloser Parkplatz für Fahrräder im Einkaufszentrum Kronenburg in Arnhem.
Warum nicht in NRW möglich?

In diesem Einkaufszentrum gibt es auch einen bewachten überdachten Fahrradparkplatz. Den gab es schon 2017. Nicht einmal das CentrO in Oberhausen hat so einen Platz. Die Deutschen sind halt geistig noch nicht so weit und auf die einfachen Sachen kommen sie eh nicht. Das Auto steht überdacht und bewacht, aber beim Fahrrad nehmen es die Deutschen nicht so genau. Das hat auch die angenehme Folge, dass man die Fahrradtasche am Fahrrad lassen kann, während man shoppen geht.

Ich meine nicht die Radstationen an den Hauptbahnhöfen, die in manchen Städten nur zeitweise (gefühlt) auf haben.

Ich schleppe die Fahrradtasche auch nicht aus Spaß mit.

Eigener Radweg in Arnhem (links für die Gegenrichtung) in der Arnhemse Broek. Autos fahren rechts der Bäume

Dann bin ich zurück zur Innenstadt und weil es mir etwas langweilig war und ich sowieso nach Zevenaar wollte, bin ich dann von Arnhem über Viljtstraat und, Stadhouderstraat auf die Johan de Wittlaan gekommen und die bin dann ostwärts nach Zevenaar gefahren. Das sind ungefähr 15 km und ich muss kein einziges Mal an einer Ampel stehen und nicht wissen wo der Radweg weiter geht. Es war auch kein deutscher Radschnellweg, sondern ein ganz normaler Fietspad (Radweg).

Radweg Arnhem – Zevenaar. Super glatte Oberfläche. Rechts die Bahnlinie Arnhem-Emmerich.

Die gesamte Strecke bis Zevenaar ist auch ausgeschildert und nicht wie in Deutschland, dass die ersten 5 km ausgeschildert sind und dann endet die Beschilderung plötzlich (wie meine Fahrt vor einigen Jahren von Düsseldorfer Zentrum nach Benrath. Plötzlich endete die Beschilderung und ich stand mit dem Rad an einem Sportplatz – die deutsche Logik verstehe ich nicht).

Ja, an manchen Stellen dürfen auch Autos die Strecke benutzen (Auto te Gast), aber hier haben Fahrradfahrer immer noch Vorrang. In Deutschland ist eine Fahrradstraße immer noch eine Autostraße. Die deutsche Autofahrer kennen die Bedeutung einer Fahrradstraße nicht und denken, das wäre ihre Straße und der Radfahrer wäre hier geduldet.

In den Niederlanden sind alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt. Jeder muss mal warten, aber jeder bekommt auch seine Rechte. In Deutschland hat noch immer der Autofahrer das Sagen und die deutsche Politik unterstützt ihn auch noch und das stärkt in seinem Glauben, dass sein Gefährt das Allerwichtigste sei.

Die Radwege in den Niederlanden, also zu 99,9% sind so in einer Qualität, wie auch dieser nach Zevenaar, da kann man auch mal schneller treten. In Deutschland hat man alle 500 Meter einen Huckel, weil sich die Bäume sich unter dem Asphalt bohren. Bis dann mal einer von Straßen NRW sich bequemt das zu ändern, das dauert noch Jahrzehnte oder Jahrhunderte. Aus diesem Grund kann man nicht schnell fahren und auch aus diesem Grund ziehen die Deutschen das Auto vor, denn wenn ich mir vorstelle, der Weg ist im Winter nicht von Schnee befreit, wo ich dann die Landstraße benutzen muss und wo dann der deutsche blöde deutsche Autofahrer noch meint mehr als 26 km /h als erlaubt, wäre ganz normal und dürfte nicht bestraft werden, dem fehlen mir alle Worte. Also soll Tempo 120 oder 150 km /h erlaubt werden, damit alle Deutschen rasen möchten?

Der zurückgezogene Bußgeldkatalog suggeriert doch den doofen deutschen Autofahrer, es gäbe ein Grundrecht die Geschwindigkeit um 30 km/h zu übertreten, ohne belangt zu werden. Wer so denkt, der setzte Menschenleben auf Spiel. Vielleicht sollte man die Promillegrenze auf 2,3 anheben, damit man auch noch ordentlich bechern kann. Der deutsche Autofahrer denkt, er hätte die totale Narrenfreiheit.

Drei Rechtschreibfehler im Anschreiben in einer Bewerbung sind ein No-Go, aber 21 km/h zu schnell innerorts kein Problem. Die Logik der Deutschen ist mir oftmals schleierhaft.

Das ist ein Tunnel für Fahrradfahrer, um von der einen Seite auf die nächste zu kommen, zwischen Zevenaar und Didam. So etwas gibt es in den Niederlanden sehr häufig. In Deutschland fehlt es an der geistigen Denkleistung, an so etwas einfaches zu realisieren.

Auf jeden Fall bin ich von Zevenaar, weil ich doch viel Zeit hatte wieder nach Didam gefahren. Das sind so ungefähr 5 km. Didam ist eine kleinere aber sehr ansehnlichere Gemeinde.

In den Niederlanden gibt es eigentlich keine unschönen Städte. Architektonisch halte ich die Innenstadt von Rotterdam nicht so gelungen. Aber das ist meine Vorstellung.

Es ist alles sehr gepflegt, sehr aufgeräumt, kaum schmutzig. Das Ruhrgebiet ist sehr versifft. Aber auch Düsseldorf und Köln sind nicht bedeutend besser. Düsseldorf bemüht sich noch etwas. Kleine Städte sind sehr unterschiedlich. Während Kempen/Niederrhein, wo ein Arbeitskollege wohnt und Haltern am See sehr schön sind, ist die Nachbarstadt von Kempen, Grefrath total herunter gekommen. Aber auch Kamen, Datteln, Wesel sind sind so Städte, wo die Zeit stehen geblieben ist.

In Didam habe ich mir etwas gegessen und bin dann noch nach Beek über den Bievankweg und der späteren N335 gefahren.

In Beek habe ich vor Coop pausiert. Das war auf der Sint Jansgilderstraat. Ich bin weiter nach Süden gefolgt und auf dem Peekesweg in Richtung s’Heerenberg abgebogen. Hier geht es doch zügig bergauf. Nach über 25 km spürt man diese Steigung schon in den Knochen. Hier auf dem Peekesweg ist der Radweg auch nicht mehr so die allerbeste Ordnung. In Deutschland gäbe es keinen und die Straße wäre eine Schlaglochlandschaft. Hier war die Straße in einem tadellosen Zustand.

s’Heerenberg liegt direkt an der deutschen Grenze und ist ein Stadtteil von der Gemeinde Montferland.

Zentrum von s’Heerenberg. Wirklich sehr gemütlich – finde ich jedes Mal.

Auf dem Stadswal gibt so einen kleinen Springbrunnen. Auch wenn es sonst auf der Route nicht so aussah, hier knallte die Sonne und ich habe meine Schuhe und Socken ausgezogen und bin durch den Springbrunnen gelaufen. So einbißchen die Füßen abkühlen. Das Wasser war aber nicht so kühl, wie ich erhofft hatte.

Ich bin dann von s’Heerenberg zurück nach Emmerich gefahren, was nicht so weit ist, vielleicht 5 km. Der Grenzübergang ist wie Tag und Nacht. Niederlande Tag und Deutschland Nacht. Ich kann das nicht anders sagen.

In Emmerich habe ich mich direkt verfahren, obwohl ich die Stadt auch kennen müsste.

Mit dem RE19 um 15.08 Uhr habe ich dann Emmerich verlassen und war dann so um 16.24 Uhr wieder in Essen.

Natürlich habe ich wieder Zeitschriften in den Niederlanden gekauft: Linux Magazine, Psychologie Magazine und HP de Tijd.

Ich bin aber nicht müde. Ich bin recht munter nach meinen 35 km am heutigen Tag. Vielleicht macht das Schwimmen alle zwei Tage viel aus. Ich habe schon spürbar an Kondition gewonnen und selbst das Treppensteigen geht jetzt viel flotter.

Ich hoffe, ich kann das Schwimmen gehen ab der nächsten Woche irgendwie noch miteinbauen, so dass die Kondition nicht wieder flöten geht.

Von den Niederlanden bin ich nach wie vor begeistert. Ja, ich weiß, der besserwissersche Deutsche hebt so sofort den Moralfinger und sagt sofort: Geert Wilders und damit sind sofort alle andere Argumente fort gewischt.

Wenn ich das hier so schreibe: Es fehlt an der geistigen Denkleistung, dann meine ich: Es sind die einfachen Sachen, die man machen kann, um eine sehr vernünftige Radinfrastruktur aufzubauen. Erst wenn solche Grundlagen geschaffen sind, dann kann immer noch an die Feinheiten gehen. Aber der Deutsche denkt viel zu kompliziert, viel zu detailverliebt. Weil er so denkt, braucht es Jahrzehnte für die Realisierung. Der Deutsche will immer etwas Besonderes machen, worauf die Welt neidvoll blicken soll. Aber bis er das realisiert hat, sind die anderen schon längst weiter.

Man braucht einfach manchmal nur eine Brücke bauen und nicht wie in Mülheim am Radschnellweg 1, einen Aufzug, der von 12 Monaten an 11 Monaten stillsteht.