Gute Nachrichten von mir

20. Juni 2022 Aus Von elsenorweb

Auch in diesen vermeintlichen tristen Zeiten, Inflation, Ukraine-Krieg gibt es doch gute Nachrichten. Zumindest von mir. Meine Venenentzündung ist fast vorbei. Nur noch ein kleiner Venenstrang ist verhärtet, aber der Hauptteil ist wieder weich. Das ist sehr gut. Also hat das Gel, welches ich vor ungefähr 14 Tagen bekommen habe, doch seine Wirkung entfacht.

Ich war vor 14 Tagen doch etwas deprimiert, so kurz vor dem Urlaub, so eine solche Diagnose zu bekommen, ist doch nicht so arg schön.

Für den Flug habe ich nun wieder Thrombosespritzen bekommen. Die soll ich dann spritzen. Es war meine Idee, denn 2012 als das letzte Mal nach Málaga (mit Swiss) geflogen bin, bekam ich auch welche für den Flug. Damit fühle ich mit dem neuen Kompressionsstrumpf doch sicherer. 12 Tage in Spanien Urlaub zu machen, wo alles wieder praktisch von vorne anfängt, wäre sehr blöd – um es mal gelinde zu sagen.

Ob ich es nicht lästig finde – das ganze? Ja natürlich, aber was soll ich machen? Herumheulen? Das bringt es auch nicht weiter. Ich fühle mich schon von der Arbeit ziemlich gestresst, dann muss ich mir wegen meiner Dauerkrankheit nicht auch nicht stressen.

Ob ich mir meine Krankheit schön rede? Ja muss man, wie gesagt herumheulen bringt nichts. Klar, ich bin schon manchmal traurig, aber wer ist das nicht, der dauerhaft krank ist? Meine Mutter war auch nicht 365 Tage glücklich. Sie hat auch wegen ihrer Multiplen Sklerose und dem Rollstuhldasein traurige Momente gehabt. Klar gibt es einige Menschen, die das für immer herunter zieht, aber so einer bin ich auch nicht.

Ich kann ja alles machen. Ok, alles was jetzt die Beine stressen würde, wahrscheinlich nicht. Aber ich war nicht der Typ, der auf Berge herauf steigen musste, Kraftsport wie Gewichtheben war auch nie meins.

Ob ich nicht „Angst“ vor den Spritzen hätte? Nein, ich habe mich schon so oft selber gespritzt, das ist kein Problem. Ich möchte es so oft wie es geht vermeiden, natürlich, es wird nie ein Hobby von mir sein. Aber wenn es mein Leben doch sicherer macht, nehme ich das gerne in Kauf.

Ich wette selbst die Frau, die ich heute sah, die einen Kathederbeutel mit sich herum schleppte, wird bestimmt noch sagen, dass es ihr sehr gut geht. Meine Mutter hatte auch zeitweise so einen am Rollstuhl. Für mich nichts besonderes.

Mich schockt eigentlich nicht mehr so viel. Wie oft war ich auf Intensivstationen (als Gast, selber war ich noch nie da) und habe zig Schläuche gesehen, irgendwo hat immer etwas gepiept oder geblinkt. Ich bin froh, dass wir solche Techniken haben. Nein, den Tod können wir nicht bezwingen. Wie sagt doch Dr. Brinkmann von der Schwarzwaldklinik, der Tod ist der beste Freund (oder so ähnlich) oder war es der Dr. Schübele (auch Schwarzwaldklinik)?

Schade, dass keiner so richtig von meinen Bekannten freuen konnte, als ich sagte, dass ich diese Spritzen bekommen habe. Die meisten wissen doch um meine Situation. Hut ab vor allen, die bis ins hohe Alter noch so gesund und fit sind. Die Natur hat es gut gemeint. Andere haben nicht so viel Glück.

Wer hat es schlimmer drauf als ich? Also wer nicht mehr laufen kann, ist doch schon recht schlimm dran. Als junger Mensch ist das irgendwie noch kompensierbar, aber als älterer Mensch ab 70 doch schon hart. Dann kann man noch so viel Technik haben, aber wenn man sich nicht mehr alleine behelfen kann, also aus dem Rollstuhl alleine heraus und sich wo anders hinsitzen, wenn man dafür jemanden braucht.

Ich habe es ja bei meine Mutter (55) gesehen. Sie konnte gar nichts mehr, nur noch den Kopf bewegen (sie war wenigstens noch klar bei Verstand). Nein, sie konnte gar nichts mehr bewegen, keine Beine, keine Arme, Hände. Meine Mutter war auch nicht gerade leicht, aber mit der richtigen Hebetechnik konnte auch sie jemanden heben, der eher schmächtig wirkte.

An Betreuern war alles dabei, aber keine Frauen, aber von schwul bis hetero, Familienvater bis Single, auch viele Ausländer. Da war einer aus Israel, der sich dreimal am Tage zu seinem Gott verneigte. War alles kein Problem. Meiner Mutter war nur wichtig, dass er sie pflegen konnte. Welche Religion er hatte, welche sexuellen Orientierung hatte, total egal.

Ich bin immer wieder überrascht, dass in ganz einfachen Büroberufen, das bei manchen immer noch eine Rolle spielt und dass man es in Stellenanzeigen noch explizit erwähnen musste.

Warum keine Frauen? Ich weiß nicht mehr warum. Ich glaube, die meisten Frauen, die sich bei meiner Mutter vorstellten, hatten auf eine leichtere Person eingestellt.

Bei jungen gehbehinderte und an den Rollstuhl gebundenen Menschen, besonders die noch Wettkampf machen können, die können sich noch sehr gut alleine behelfen. Sie brauchen auch Hilfe, aber sie haben noch die Kraft in den Armen, wo sie sich von alleine hoch heben können.

Ich habe auch Zivildienst gemacht, mobiler sozialer Hilfsdienst und alle zwei Wochen war ich bei einem Rollstuhlfahrer, der um die 30 Jahre alt war, aber bei dem die Multiple Sklerose so durchgeschlagen hatte, wo er leider vom Kopf wie ein 18 jähriger vorkam. Auch das gibt es.

Ob ich das alles traurig fände? Ich habe es bei meiner Mutter auch mit 10 Jahren bewusst erlebt. Vor 1990 konnte sie noch am Stock laufen, aber dann kam wohl ein Schub, der sie dauerhaft in den Rollstuhl brachte. Sie verstarb 2005 an einem Magentumor.

Ob es schlecht war? Ich weiß es nicht. Es hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Zu mir: Klar, man könnte bei mir deprimiert sein, aber das möchte ich nicht. Behandelt mich so wie jeder anderer auch.

Warum ich das über meine Krankheit hier so schreiben kann? Ich finde, vielleicht trauen sich dann mehr Menschen von sich zu berichten. Es schränkt mich ja nicht ein, ich kann alles machen (bis auf körperlich schwere Berufe).