Deutschland ist eine digitale Steinzeit, auch bei der Bahn

Ich habe heute mein Ticket bei der Bahn für meine Fahrt nach Rostock online gekauft. Eigentlich hätte ich zum Schalter gehen können; das Ergebnis wäre das gleiche gewesen.

Ich habe mich auch noch bei der Bahn endlich online angemeldet, weil ich dachte, das würde helfen. Aber nix da.

Das gebuchte Onlineticket muss ich fein säuberlich auf dem Drucker zu Hause ausdrucken.

Das ist das digitale Deutschland oder was es nicht ist.

Ich habe in meiner totaler Naivität geglaubt, dass ich das Ticket online buche und in meine DB Navigator App laden könne und dann dem Schaffner im Zug es zeigen könne. Nein, das geht natürlich nicht. Natürlich nicht in Deutschland.

Wahrscheinlich dauert das mal wieder 10 oder 20 Jahre bis das technisch möglich ist.

Natürlich habe ich das dem Kundenservice der Bahn mitgeteilt, dass mir das so auf diese Art und Weise nicht schmeckt. Wenigstens kann man jetzt den Fahrradstellplatz auch online buchen, denn das war eine Zeitlang überhaupt nicht möglich.

Der größte Witz war: Beim Abschluss meiner ersten Buchung, also wirklich ganz am Schluss, als ich schon auf „kaufen“ gedrückt hatte, kam der rote Hinweis: „Der von gewünschte Fahrradstellplatz ist leider schon ausgebucht“. Im Jahre 2018 ist das bei der Bahn nicht technisch möglich, dass man direkt beim Aussuchen der Fahrt, dass es schon da geprüft wird.

Also durfte ich den ganzen Vorgang noch einmal durchführen. Im zweiten Versuch war die Fahrkarte um 1 Euro günstiger, weil ich über Gelsenkirchen fahre und nicht den üblichen Weg vom Essener HBF direkt nach Rostock.

Auch hier habe ich den Kundenservice (aber eine andere Abteilung) geschrieben, dass ich deren Praxis nicht ok finde. Aber wahrscheinlich geht das technisch nicht anders, weil die Software, die das macht wurde ganz billig eingekauft, oder es hat jemand die programmiert, der seit 10 Jahre im Ruhestand ist und man kann das nicht mehr ändern.

Die 100 Euro Gesamtkosten (Hin-+Rückfahrt) setzen sich aus der Fahrkarte zusammen, der Stellplatzkarte fürs Rad und die Sitzplatzreservierung. Gegen den Preis kann man nichts sagen. Rostock liegt ja auch nicht direkt nebenan von Essen ausgesehen. Man muss da noch die Bahncard 25 einkalkulieren.

Wenigstens kann ich vor Ort das kostenlose digitale Probeabo der Ostseezeitung beziehen und muss nicht mehr die Papierzeitung kaufen, damit ich mich informiere was da vor Ort so los ist. Die Ostseezeitung hat mir das heute schriftlich auf Anfrage von mir bestätigt.

Ich bin mal gespannt, wenn mich Unternehmen zum Vorstellungsgespräch einladen. Vor ungefähr zwei Jahren hatten alle Personaler alle meine Unterlagen fein säuberlich ausgedruckt. Da saß niemand mit einem Tablet vor mir. Die Variante war denen wahrscheinlich noch viel zu Neuland. Also ich schreibe keine Bewerbungen mehr und drucke sie aus.

So dann werde ich mal zum Schlafen mich nach draußen auf dem Balkon legen. Da muss ich mich erst einmal wieder abreagieren. Schokolade hilft ja nicht so viel dagegen.

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