49 Euro und der Ausbau des ÖPNV’s

5. November 2022 Aus Von elsenorweb

Ich muss wirklich lachen. Jetzt wo es ein verbilligtes Ticket für den ÖPNV geben wird, wohl dauerhaft, also mehr als die drei Monate im Sommer 2022, jetzt fällt den ganzen Verantwortlichen auf, dass die Infrastruktur nicht mehr ausreicht. Es wird beklagt, dass durch das verbilligte Ticket die Gelder weniger werden.

Ich frage mich, was hat man mit den Geldern vor dem Jahr 2022 gemacht? Sind sie nur in Prestigeobjekte gegangen? Obwohl ich muss auch sagen, dass ein Land wie Deutschland, so ein großes Land wie wir immer betonen, auf solche Hochgeschwindigkeitsstrecken auch nicht verzichten können. Wir sind nicht die Niederlande, wo man von Süd nach Nord in knapp 4 Stunden fahren kann oder Belgien (obwohl sie haben ja durch den Thalys zwei Strecken (Aachen – französische Grenze und die Strecke von den Niederlanden nach Brüssel, wo sie auf die erst genannte Strecke trifft), aber ernsthaft kann man nur von Brüssel nach Liège mit den Hochgeschwindigkeitszügen von Thalys und ICE fahren. Selbst der belgische InterCity fährt von Eupen bis nach Oostende auch nicht länger als 5 Stunden. 5 Stunden hat man in Deutschland vielleicht gerade einmal Essen nach München geschafft mit dem ICE, aber nicht mit dem IC.

Wobei ich wirklich sagen muss, dass ich zum Beispiel München nach Hamburg immer noch fliegen würde. Viele vergleichen dann mit der Schweiz oder Österreich. Die Rheinstrecke also von Köln über Bonn Koblenz nach Frankfurt ist romantisch, aber sorry, hier wird gebremst, angefahren, gebremst, der Wagen schwenkt nach links, dann nach rechts. Für einmal im Jahr im Urlaub ist das noch in Ordnung, aber ein Geschäftsmann, der von Frankfurt regelmäßig nach Köln muss, doch ein Gräuel. Da ist die Hochgeschwindigkeitsstrecke an der Bundesautobahn 3 doch ein Segen. 4 Stunden von München nach Berlin muss sein. Ich weiß, jetzt kommen wieder ältere Herrschaften, die den ganzen Tag Zeit haben und sagen, wie schön romantisch doch so eine 8 stündige Fahrt von München nach Berlin an den schönen Flüssen und Bergen vorbei sei. Klar, wenn man Zeit hat, gerne.

9 Stunden und 32 Minuten braucht der EC7 von Hamburg Altona nach Basel. Der EC9 braucht sogar noch einmal 45 Minuten länger, also 10 Stunden und 15 Minuten. Der ICE71 braucht 6 Stunden und 28 Minuten. Klar, wenn man morgen ohne Bahncard fahren würde, würde er auch in der zweiten Klasse 134 Euro kosten. Ich weiß jetzt kommt ein Aufschrei: „so teuer, das ist ja unmöglich, das muss billiger sein.“

Echt? Aber beim 49 Euro Ticket kommt der Aufschrei, wer das soll das bezahlen, also die Mehrkosten?

Wenn man billiger derzeit mit dem Auto von Hamburg nach Basel als 134 Euro fahren kann und wahrscheinlich wird jeder sagen, bedeutend schneller als ein ICE. Also 6:28 Stunden ist verdammt schnell würde ich sagen mit dem ICE und das gerechtfertigt natürlich den Preis. Die Bahn muss Trassenmaut bezahlen, den Strom und Stationsgebühren fallen noch an. Ok, bei der Bahn wird das linke Tasche rechte Tasche sein, weil DB Fernverkehr zahlt an DB Netz – wahrscheinlich – denke ich mir mal.

Aber bevor ich hier weiter ausufere.

Wer jetzt aufschreit, dass Gelder für den Ausbau der Bahn fehlen, sollte sich mal überlegen, warum wurden die Gelder vor August 2022 nicht für den Ausbau verwendet? Ich meine jetzt nicht alte Schiene mit neuer Schiene oder alte Oberleitung zu neuer Oberleitung ersetzen und mal einige Bäume an der Strecke zurechtstutzen, sondern einen richtigen Ausbau, mehr Gleise an der Strecke, an Bahnhöfen.

Warum hat man viele kleinere Städte wie Heilbronn zum Beispiel vom Fernverkehr abgehängt? Nach Heilbronn HBF fährt kein IC / ICE. Wo war das Geld, welches man in vollem Umfang vor diesem 49 Euro Ticket hatte im Schienennetz?

Was ist jetzt mit dem Deutschland-Takt? Kommt der oder ist das Thema wieder zu den Akten gelegt?

Für mich ist und bleibt der Ausbau der Bahn nur ein Lippenbekenntnisse für Traumwandler in der Politik.

Ach ja es wird auch in der Politik beklagt, dass alles so schwerfällig wäre mit dem Ausbau. Ihr seid doch in der Politik! Welche Berufsgruppe kümmert sich um Gesetze? Sind das nicht zufällig Politiker oder kümmern die Frau an der Kasse von Supermärkten um diese Gesetze? Ich glaube nicht. Oder sind einmal formulierte Gesetze nun für die nächsten 100 Jahre in Stein gemeißelt, dass man sie nicht mehr ändern könnte? Oder sind so viele Verträge mit x-belieben Unternehmen geschlossen worden, die exorbitante Laufzeiten haben? Oder was ist das Problem? Oder fehlt es einfach nur am Willen? Ist es leichter den Bürgern Säcke von Sand in die Augen zu streuen, dass sie glauben sollen, dass die Politiker den Bahnausbau forcieren?

Oder ist das das heimliche Ziel von Politik und Politiker, dass sie die Menschen zwingen möchten, dass sie sich nicht mehr mobil sein sollen (Grüne Umweltpolitik nach dem Motto, jede Erzeugung von Zement, Beton, das vermieden werden kann, wegen den CO2 Ausstoß, ist gut, also machen wir an unserer Infrastruktur am besten gar nichts). Anders kann ich mir es nicht erklären.

Außerdem ist eine Neiddebatte für die Politik innerhalb der Gesellschaft immer gut, denn das lenkt die Bürger von anderen wichtigen politischen Entscheidungen ab. Bald ist ja wieder WM und während sich die Nation über Katar aufregt, werden viele politische Entscheidungen in Nacht und Nebelaktionen (passend zum nebeligen November) durchgeführt. Auch die tägliche Berichterstattung in den Medien über den Ukraine – Krieg dient dazu. Mich interessieren die Landgewinne nicht. Es geht doch eh nicht mehr richtig vorwärts für beide Seiten.

Man postet auf den Nachrichtenwebseiten das mit der Ukraine ganz nach oben, während die wichtigen und relevanteren Nachrichten kommen auf einer Unterseite ganz nach unten, damit bloß sie kaum jemand liest. Die Erweiterung von § 130 StGB, die man spät am Abend mit anderen Paketen verabschiedet hat, ist so ein Beispiel. PS: Ich mache das auch nicht anders hier (in diesem Falle). Wahrscheinlich werden die meisten Leser eh nicht so weit kommen.