Das Ende von Linienbussen?

4. November 2016 Aus Von elsenorweb

Unser Stadtbild ist heutzutage geprägt von Automobilen, von Straßenbahnen und von Linienbussen. Zuerst kam die Straßenbahn, die in den meisten deutschen und europäischen Städten so zwischen 1880 und 1900 entstanden. Manche Städte entschlossen sich zu erst zu Pferdebahnen (das heißt ein Pferd zog einen Wagen auf Schienen), aber die Elektrische war nicht mehr aufzuhalten. Da zu der damaligen Zeit Straßenbahnen noch eine Konkurrenz für die damaligen Bahngesellschaften darstellten (ja es gab da noch keine Reichsbahn, sondern einzelne in Konkurrenz tretende Gesellschaften, die jeder ihre eigenen Bahntrassen hatten).

Später kamen auch die ersten Linienbusse auf. Hier in Essen fuhren im Jahre 1925 die ersten Busse bei der Süddeutschen. Sie fuhren allerdings als Ergänzung zu den Straßenbahnlinien, die in größeren Städten ein beachtliches Netz aufgebaut hatten. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatten sie kaum Bedeutung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Bild schlagartig. Warum und wieso weiß ich auch nicht so genau, aber durch den Trend der Individualisierung nahm der Autoverkehr zu, die Straßenbahn stand immer häufiger im Stau. Einige Städte verlagerten die Straßenbahn unter die Erde (sowie in Essen als man erstmals im Jahre 1967 die erste U-Bahnstation eröffnete (allerdings fuhr die Bahn einmal kurz unter die Erde)) oder stellten viele Strecken auch und gaben sie an den Bus weiter. Manche Städte bauten noch Oberleitungsbusnetze auf (wie in Essen auch), die sie aber nach wenigen Jahren wieder aufgaben.

In sehr vielen Städten in Deutschland ist es mittlerweile aber gang und gäbe, dass Straßenbahnen (sofern noch vorhanden) und Busse gemeinsam durch das Stadtgebiet fahren bzw. auch sich im Innenstadtbereich aufhalten. Einzig alleine das mir bekannte Beispiel mit den Dortmunder Stadtwerken wird das überall so gemacht. Dortmund hält bis auf eine oder zwei Linien den Linienbusverkehr aus dem Innenstadtbereich heraus. Die Buslinien sind mit den Stadtbahnlinien, die außerhalb dem Innenstadtbereich an die Oberfläche zurückkehren, an den jeweiligen Haltestellen verknüpft.

Ich verfolge seit einer Woche einem Unternehmer aus Seeshaupt (am südlichen Ende des Starnberger See in Bayern) auf Youtube. Er stellt seine Ansichten (gepaart natürlich mit einbißchen Werbung für seine Produkte) öffentlich und ausführlich dar. Leider stellt er die Eisenbahn eher etwas abstrakt dar („Zwei rostige Schienen mit eingebauter Vorfahrt“) und schwört auf das Auto, aber da auf Elektromobilität und Carsharing. Selber fährt er das berühmte Tesla. Also der Mann denkt nicht von gestern. Mein Blut bringt er etwas in Wallung wo er sagt, dass der ÖPNV zumindest auf dem Lande kein Zukunft hat, zumindest nicht in der Form wie wir ihn heutzutage betreiben. In dem Punkt gebe ihm Recht. Einsame Buslinien, die kaum Fahrgäste haben, sind wirklich nicht klasse, oder nur wenn gerade Schülerverkehr ist.

Seine Ansichten über einen ländlich geprägten Raum mögen stimmen, als Kind des Ruhrgebiets denke ich etwas anderes.

Ich bin ein ganz großer Fan von den schienen gebundenen Zügen nach Karlsruher Vorbild. Karlsruhe war die erste Stadt in Deutschland, die die innerstädtischen Straßenbahnenlinien ins Umland verlegte, aber nicht als eigenständigen Verkehr, so wie man das früher machte, sondern ein Mischbetrieb mit des normalen Zugverkehrs. Die Regionen von Kassel, Chemnitz und Saarbrücken haben das Konzept übernommen.

Linie 170 im beengten Essen-Schonnebeck Huestraße. Sieht das noch wirklich schön aus? Und soll das immer noch so bestehen bleiben?

Linie 170 im beengten Essen-Schonnebeck Huestraße. Sieht das noch wirklich schön aus? Und soll das immer noch so bestehen bleiben?

Jetzt kommt meine Titelzeile ins Spiel. Mein Gedanke ist es Linien nach diesem Karlsruher Vorbild bedeutend mehr ins Spiel zu bringen und dass man statt die klobrigen Busse an den Haltestellen mit autonomen Fahrzeuge anschließt. Die Zeit ist noch nicht so reif für selbstständige zuverlässige autonomen Fahrzeugen. Diese Fahrzeuge ähneln natürlich den bekannten Anrufsammeltaxen oder Taxibussen, die dann auch fahren, wenn man sie braucht. So ein bestelltes autonomes Fahrzeug hat den Vorteil, dass es keinen festen Linienweg hat, sondern man es beliebig fahren kann.

Ich stelle mir das so vor: Vor Fahrtbeginn tippt man in seine App seinen Startpunkt an zum Beispiel Mülheim (an der Ruhr) Rathausmarkt ein und als Endpunkt Selbeck Karl-Forst-Straße. Vom Rathausmarkt bis nach Selbeck würde man mit einer Überlandbahn fahren, in Selbeck angekommen, wartet das autonome Fahrzeug auf den Besteller und man steigt direkt ein und fährt bis zum Endziel. Man steigt aus und das autonome Fahrzeug fährt wie von Geisterhand gesteuert zurück zum Haltepunkt, tankt sich dort mit dem Strom auf (natürlich ist es ein Elektrofahrzeug) und wartet auf den nächsten Einsatz.

Diese Auto’s haben alle einen behindertengerechten Einstieg, so dass auch ältere Leute mühelos einsteigen können und natürlich auch einen Kofferraum. Der Kofferraum geht natürlich automatisch auf oder auf einen kleinen Knopfdruck an der Seite und auch wieder zu. Man steigt ein und fährt los. Vielleicht sagt man das dem Auto oder man drückt, wenn man noch kann auf einen Knopf. Später steigt man aus, schließt die Tür und öffnet den Kofferraum, holt sich seine Sachen heraus und sobald der Kofferraum leer ist und sich geschlossen hat, fährt das Auto los. In dem Fall müssen Sensoren überwachen, dass sich niemand auf den Sitzen befindet und auch nichts mehr im Kofferraum.

Für dieses Vorhaben muss man konsequent wieder den innerstädtischen Schienenverkehr ausbauen und den Busverkehr einstellen. Der Bus ist nachweislich nicht besonders schnell unterwegs, weder in der Stadt noch auf der Autobahn. Statt von autonomen Autos lasse ich noch Kleinbusse zu, die heutzutage bei der Bürgerbuslinien fahren, also maximal fünf Personen im Bus, wobei das auch eher noch eine Übergangslösung ist.

Und wohin mit den ehemaligen Busfahrern? Zu einem könnte man die Verknüpfungspunkte ausbauen, zu Servicecentern auch mit funktionieren Toilettenanlagen, einem kleinem gewärmten Café, einem Auskunftsschalter und so was. Diese Schalter sind von 6 bis 22 Uhr besetzt. Es würden auch Servicekräfte darin arbeiten, die die Leuten mit großem Gepäck, vor allem älteren, in die Fahrzeuge helfen. Bei besonders unsicheren fährt auch einer eben mit und hilft bis vor der Haustür.

Natürlich können solche Verknünfungspunkte nicht überall entstehen, aber sie sähen immer noch besser aus als so mancher heutiger Busbahnhof.

Die jetzigen Busspuren könnten die neuen Fahrradwege sein. Natürlich gäbe es auch Fahrradabstellanlagen mit kleiner Reparaturwerkstatt an solchen Verknüpfungspunkten.