Das Social-Media-Hamsterrad habe ich verlassen

Das Social-Media-Hamsterrad habe ich verlassen

Der 06.08.2026 war ein besonderer Tag für mich.

Am 06.08.2026 war der Tag, wo der letzte Social-Media-Account gelöscht wurde. Es gibt bei den meisten Plattformen ja eine 30-Tages-Frist, wo man sich wieder anmelden kann und alles ist wie vorher. Das soll das Heimkehren doch leichter machen, was so viele Social-Media-Plattformen sich wünschen. Der Kunde soll ja bei mir bleiben. Als Selbstständiger verspüre ich diesen Wunsch auch natürlich, aber ich sage mir, niemand muss bei mir bleiben.

Der letzte Account war von Facebook. Im Januar, was ich damals noch nicht wusste, begann ich mit Threads. Das ist eine reine Schnackplattform von Meta, also Schnacken im Sinne von Unterhalten. Eigentlich sinnlos, wenn es genau nimmt.

Dann habe ich die Selbstverherrlichungsplattform Nummer 1 aufgegeben. Nein, das ist nicht Instagram. Die ist durchschaubar. Die Selbstverherrlichungsplattform Nummer 1 ist LinkedIn. In seinen Ursprüngen ist LinkedIn eine Businessplattform und sollte den Austausch auf geschäftlicher Ebene dienen. Im Lauf der Jahre ist es aber immer zu einer Plattform: „Ich bin der allerbeste, ich habe voll den Durchblick“.

Voll den Durchblick? Nein, wenn man kluge und vor allem technische Fragen stellt, dann bricht das Kartenhaus sofort zusammen. Da haben sie plötzlich keine Ahnung mehr oder es kommen nur so halbgegarene Sätze heraus.

Auffällig ist, niemand berichtet von sich selber so richtig. Witzig ist bei LinkedIn: Vor meinem Haus ist ein Vulkan ausgebrochen, mein Haus wurde unter der Asche begraben und neben dem Haus sind noch Außerirdische gelandet und haben noch den Geräteschuppen mit ihren Laserstrahlen zertrümmert und das sind die 10 wichtigsten Regeln, die ich für mein Business gelernt habe. Ich wette, die Regeln sind alle allgemeingültig und das andere ist nur erfunden, was man Storytelling nennt. Ok, ich gebe es zu, das mache ich jetzt auch hier in diesem Blogeintrag und eigentlich auch in meinen Blogartikel. Aber ich erwarte kein Applaus.

Ich hatte mir noch für viel Geld Bücher für die Handhabung auf Social-Media gekauft. Aus meinem heutigen Lernen war es vollkommen unnötig. Man braucht auch keine Kurse (es sei denn man möchte, wie alle anderen dort auch werden).

Die andere Fraktion hat immer den perfekten Lebenslauf parat. „Mit diesem Lebenslauf, werden Sie zu jedem Vorstellungsgespräch“ eingeladen. Wenn sich die alle aber mal angeschaut hat, wenn mal welche gezeigt wurden (meist musste man sich irgendwo anmelden, wo man dann vielleicht ein Probeexemplar bekommt), sie waren im Prinzip alle gleich. Die eine Fraktion frönt den einseitigen Lebenslauf und die andere meint, man könne auch mehr schreiben. Ich hatte mal bei einigen den Vorschlag gemacht, weil sie doch alle so große Expertise haben, dass sie sich mal alle treffen sollten und dann den perfekten Lebenslauf kreieren sollten. Der Vorschlag lief immer eigenartigerweise ins Leere. Wie seltsam ;-).

Ach ja, ganz wichtig netzwerken. Wenn die Plattform nicht dazu auffordert, dann halt kam es von den Usern. Erst bei einer Zahl ab 10.000 wäre es interessant. Ach ja, die Depression bei den meisten Leuten entstand bei LinkedIn immer, wenn mal für einen Post nur 5.000 Views bekommt, anstatt die gewohnten 30.000. Wenn ich mir vorstelle, 5.000. So viele Einwohner haben viele spanische Städte gar nicht.

Auch nach 3 Monaten hat mich noch keiner vermisst dort. Ich war erst 9 Jahre bei LinkedIn, habe den Account bei 1100 Kontakten gelöscht. Nach 6 oder 7 Monaten war ich dann wieder da, hatte einige Vernetzungsanfragen zu vorherigen gefragt und bei manchen kam die Frage: „Sind wir nicht schon längst vernetzt?“ Da kann man sehen, die meisten wissen gar nicht, wenn man dort nicht mehr angemeldet ist. Ich konnte dann auch sehen, so wichtig war ich in deren Augen auch nicht. So ist es jetzt auch. Ich war mit einer auch privat vernetzt aus LinkedIn über WhatsApp. Sie hat sich bis heute nicht bei mir gemeldet, hat noch nicht bemerkt, dass ich nicht mehr da bin. Diesen Kontakt habe ich schon längst in Whatsapp und meinem privaten Telefonbuch gelöscht.

Instagram war ich auch, aber da war das Löschen viel einfacher.

Und bin ich bei Facebook gegangen. Erst habe ich meinen Unternehmensbereich gelöscht, wo ich nur 11 Follower hatte nach 6 Monaten und dann noch in dieser Phase, wo der Unternehmensaccount gelöscht habe, habe ich den Schritt vollzogen und mich auch ganz bei Facebook verabschiedet.

Vermisse ich irgendwas? Nein. War es hart, diesen Schritt zu gehen? Nein. Wenn das Gehirn signalisiert, dass es einem nur noch nervt und über einen etwas längeren Zeitraum von 2 bis 4 Wochen sollte man sich wirklich überlegen, ob man das noch wirklich braucht.

Ich bin auch kein Typ, der einen Account auf Eis legt. Manche rühren sich nicht mehr, aber der Account ist noch da. Da ist aber wie eine Tafel Schokolade. An die wird nicht mehr gedacht, bis sie aufgegessen ist. So ist es und eigentlich ist es noch viel stärker der Effekt bei Social-Media. Die Schokolade macht höchstens dick, aber dann sollte man etwas für sich tun. Social-Media belohnt einen nicht wirklich. Man wird immer nur so halb satt, weil der nächste Account, das nächste Gespräch könnte folgen. Es ist eine Mohrrübe, die einem vor der Nase gehalten wird. Die ganz große Mohrrübe ist, wenn man eine bestimmte Anzahl an Followern hat. Dann bekommt noch Geld dafür.

Aber: Man ist immer auf diesen Plattformen gefangen und nur Anwender. Die Betreiber bestimmen wie der Hase läuft. Wenn sie ihre Software verändern, muss wieder was anderes erfüllen.

Man denkt, dass man interessant wäre, was man dort veröffentlicht, postet. Das Einzige, was interessant ist, wie wirkt sich das auf den Geldbeutel aus? Da sieht es oftmals ganz mau aus. Man muss seine knappe Lebenszeit noch damit vergeuden sich auf den Plattformen zu halten, deren Bedingungen zu erfüllen, um auch nicht gesperrt zu werden.

Vor allem bei Firmen, die haben neben einer Firmenwebseite, genügt eigentlich, auch im Jahre 2026, noch zig Social-Media Accounts. In der Regel veröffentlichen sie dort nur. Interaktionen mit den Leuten gibt es so gut wie gar nicht. Also wozu der ganze Aufwand? Das was die Firmen dort in Social-Media posten an Fotos, könnte man auf der eigenen Webseite auf dem eigenen Server posten. Das wäre eigentlich viel sinnvoller. Dort kann man auch einen Blog einrichten, was manche machen und dort die Interaktionen fördern. Dann ist man als Kunde, auch ich bin als Selbstständiger immer Kunde woanders, auch eher geneigt sich deren Produkte anzuschauen.

Ich kann mich immer sehr gut selber beschäftigen. Also warum sich das noch schwer machen und auf Social-Media unterwegs sein?

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