Brühl-Wesseling-Lülsdorf-Köln

7. August 2021 Aus Von elsenorweb

Sommerzeit ist Ausflugszeit und was gibt es besseres als das eigene Bundesland zu erkunden.

Mich hat es diesmal südlich von Köln verschlagen. Durch die Aktion des Landes NRW kann ich ja mich beliebig entscheiden, wo ich aussteige. Auch wenn das Wetter überhaupt nicht August entspricht, habe ich mich heute auf dem Weg natürlich mit dem Rad gemacht. Ich fahre ja auch so meine Kilometer zur Arbeit und zurück.

Zurzeit gibt es ja noch die Dauerbaustelle zwischen Düsseldorf und Köln, so dass der RE1 und inzwischen wieder der RE6 über die Strecke Hilden-Langenfeld nach Köln-Mülheim umgeleitet werden. Zwischen Düsseldorf und Köln wurde ein neues Gleis gebaut. Ich fürchte in den nächsten Sommerferien also 2022 wird die Oberleitung dazu gebaut. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man das in einem Rutsch macht.

Auf jeden Fall bin ich bis Köln HBF gefahren mit dem RE1 betrieben von Abellio. Ich bin ja ganz spontan. Mein verstorbener Vater war das auch. Auf solchen Fahrten am Wochenende plane ich nichts großartiges. Geld fürs Essen ist dabei und mein Smartphone für die Route. Die heutige Fahrt hätte auch ganz anders verlaufen.

Brühl Schloss

Ich bin dann in Brühl ausgestiegen und bin wie die restliche Meute auch zum Brühler Schloss gelaufen. Irgendwo muss man ja auch mal kurz Mainstream sein. Ich schaue mir das einmal kurz von außen an und fahre wieder weiter. In dem Falle nach Wesseling.

Wesseling liegt am Rhein, hat 36.000 Einwohner und ist aus meiner Sicht eine reine Industriestadt. Im Norden hat Evonik sein Werk, im Süden Shell und dazwischen liegt die Stadt, die auch ziemlich viel 50 Jahre Altbau hat. Der westliche Stadtteil Berzdorf hat einen dörflichen Charakter. So etwas gefällt mir sehr. Leider gibt es keinen Supermarkt (mehr) im Ort. Es muss ja kein mega großer sein, aber einer, wo man die notwendigsten Sachen kaufen kann. Aldi Süd liegt etwas außerhalb des Dorfkerns.

Ich bin nach Wesseling eingefahren. Vor dem Bahnhof von Wesseling gab es mehrere Möglichkeiten, wie ich weiter fahren hätte können. Nein, das ist kein Bahnhof von der Eisenbahn, sondern von der Kölner Verkehrsbetrieben, von der Linie 16, die Köln mit Bonn verbindet. Die Linie 18 durchfährt auch Brühl, wo ich ausgestiegen bin. Beide Linien gehörten zur Köln-Bonner Eisenbahn Gesellschaft, die mal für etlichen Jahrzehnten selbstständig war, als noch keinen Verkehrsverbund Rhein-Sieg gab. Die Strecken der Linie 18 nennt man auch Vorgebirgsbahn und die Linie 16 Rheinuferbahn.

Für mich gab es zwei Optionen, entweder Köln in 20 km oder Bonn in 17 km Entfernung. Also Bonn ist hier näher, wenn auch um 3 km, als Köln.

Blickrichtung Norden, in nach Köln von Wesseling

Wesseling machte jetzt wenig Lust, schon dort etwas zu essen und ich bin erst einmal zum Rhein gefahren. Dort gibt es einen kleinen Park und ich sah doch tatsächlich eine Fähre, nach Lülsdorf (Stadtteil von Niederkassel).

Die 2 Euro mit dem Fahrrad für die Überfahrt habe ich gern genommen. Es gibt bis Bonn keine einzige Brücke über den Rhein.

Kaum hatte die Überfahrt begonnen, goß es aus Strömen. Ich hatte auch Regenschutz dabei. Die Hose und die Schuhe wären nass geworden, aber irgendwie gerade rechtzeitig kam der Regen. Er dauerte auch genau 5 Minuten an, so lange wie die Überfahrt dauerte.

Lülsdorf, wo auch ein Evonik Werk sich befindet, ist ein mittelgroßer Stadtteil von Niederkassel. Ich bin dann nach Ranzel (auch Niederkassel) gefahren. Es fing wieder an zu regnen. Bis ich die Jacke aus der Fahrradtasche packen wollte, hat es auch wieder aufgehört. Ranzel macht wieder einen dörflichen Charakter. Mein Ziel war Köln. Es hätte auch Troisdorf werden können. Ostwärts bin ich dann in Libur angekommen, welches zu meiner Überraschung zu Köln gehört. Die Buslinie der Kölner Verkehrsbetriebe 163 durchfährt den Ort und endet in Wahn S-Bahnhof.

Köln Libur Kirche

Hier stand Troisdorf 7,1 km, was ja wirklich keine Entfernung ist. Aber wie es der Zufall so will, ich habe mich verfahren und bin dann doch in Wahn (in Köln Wahn oder genauer Köln Porz-Wahn) ausgenommen. Hier begann mein Wahn oder meine Wahnvorstellungen.

Ich bin die gesamten 14 km von Wahn nach Köln-Mülheim der B8 (oder fast) entlang gefahren und gefühlt wies jedes Verkehrsschild auf das Zentrum von Köln Porz hin. Ich hege ab sofort der Vermutung, dass man in Oslo oder am Nordpol noch einen Hinweis wie man nach Köln Porz gelangen könnte.

An der B8 in Porz (natürlich) Gremberghoven musste ich kurz runter von der B8, weil es hier eine Baustelle gab. Die Umleitung war nicht lang, aber ich musste kurz zu der Bahn (unter dem Haltepunkt Köln-Frankfurter Straße).

Köln Ostheim Gleise der Linie 9 nach Rath/Heumar

Das südliche Köln-Ostheim ist eher gutbürgerlich gebaut. Schicke Gebäude aus den 50ern oder älter. Die Stadtbahnlinie 9 der KVB hält hier auf eigenem Bahnkörper.

Dann passierte Köln-Höhenberg (in der Nähe in Köln-Kalk habe ich mal 2 Monate gearbeitet – es war ein Versuch). Eigentlich wollte ich direkt nach Hause fahren, aber dann entschied ich mich doch noch etwas zu essen.

Es gibt nur eine Verbindung von Köln-Mülheim nach Hause. Das ist erbärmlich. Ich bin als Radfahrer etwas eingeschränkter. Natürlich gibt es einen SEV mit Bus, aber mit Fahrrad sieht es schon blöd aus. Die anderen Alternativen waren auch abgeschnitten.

Ich hätte unter normalen Umständen auch mit der RB48 bis Solingen HBF fahren können und dann mit der S1 nach Essen. Aber zwischen Hilden und Solingen ist auch eine Baustelle. Oder mit der RB48 nach Wuppertal-Vohwinkel und dann mit der S9 nach Essen scheiterte auch, weil auch hier fuhr ein SEV von Essen nach Wuppertal. Der RE7 fuhr im Bereich Leverkusen überhaupt nicht. Blieb also nur zu hoffen, dass der RE1 nicht zu voll sein würde. Der RE6 hält auch nicht ausnahmsweise in Köln-Mülheim.

Kurzentschlossen bin ich dann zum Gilden Bauhaus im Kölner Mülheimer Norden gefahren. Vorher hatte ich gesehen, dass der RE1 um 16.01 Uhr und ich dacht, das ist leicht zu merken, also immer alle 60 Minuten, immer .01.

Aber das stimmte leider nicht. Mein Zug um 17 Uhr fuhr nicht um 17.01 Uhr ab, sondern um 17.11 Uhr und der nachfolgende um 18 Uhr, fuhr um 18.05 Uhr ab. Vielleicht hing das mit der Ausweichstrecke und dem Fernverkehr zusammen.

Fazit: Sehr schöne Örtchen wie Berzdorf und Lülsdorf, was mich reizen würde, zu wohnen, aber Köln ist und bleibt nichts für mich. Libur ist einfach zu klein.

Ich suche nach etwas Neuem. Nach 43 Jahre im Ruhrgebiet, nie aus Essen herausgezogen, mit Ausnahme von 14 Jahren in Essen-Altendorf, schaue ich seit sehr vielen Jahrzehnten immer auf die gleiche Aussicht und ich habe hoffentlich noch so viele Jahrzehnte vor mir und ich sehne mich nach einem großem Ortswechsel.

Eigentumswohnung hin oder her. Den Standort hätte ich mir nicht selber ausgewählt. Außerdem ist nach 43 Jahre schon alles sehr festgefahren. Ich weiß hier alles, was man so bekommt und ich gehöre nicht zu den Deutschen, die auf ewig so klasse finden. Leute, die mir das einreden wollen, dass ich doch hier wohnen solle, denen habe ich inzwischen auch den Kontakt abgebrochen. Solche Leute brauche ich nicht in meinem Umfeld.