Die Verlängerung der Linie 105 nach Oberhausen

25. März 2015 Aus Von elsenorweb

Nach dem misslungenen Bürgerentscheid am 08.03.2015 ist nun etwas Zeit ins Land gegangen. Die persönliche Enttäuschung ist in diesem Punkt ziemlich groß. Enttäuschung, dass man selbst so ein Projekt nicht mehr auf die Beine stellt, ist erheblich. Es wurde abgestimmt und damit muss man leben.

Worum geht es?

Die Straßenbahnlinie 105 verkehrt derzeit vom Essener Westen von der Haltestelle Unterstraße, die direkt an der Essener Westgrenze endet (oder anfängt) nach Essen-Rellinghausen bis zur Endhaltestelle Finefraustraße über Essen-Altendorf (Helenenstraße), Berliner Platz, Rathaus Essen, Essen HBF, Moltkestraße, Bahnhof Essen-Süd. Auf dem gesamten Verkehrsweg besteht ein 10 Minuten Takt in der Woche (später am Abend alle 15 Minuten), Am Samstag 15/30 Minuten Takt und am Sonntag 15/30 Minuten Takt. Zusätzlich gibt es in der Hauptverkehrszeit Mo-Fr in der Schulwoche einige Schülerverstärkerfahrten bis zur Schleife „Frintroper Höhe“.

Derzeit muss man in die Linie 185 an der Haltestelle Unterstraße umsteigen. Da der Bus aber einen anderen Takt fährt und die Linie 105 nicht gerade die pünktlichste Linie ist; sie hat schon ihre Ausreißerfahrten zu Hauf, ist ein Umstieg in den Bus nicht gerade praktisch. Gerade dem 185, der schon vor einigen Jahren bis zum CentrO verkürzt worden, weil die STOAG (Stadtwerke Oberhausen AG) neue Verkehrswege für ihre Buslinien ausgekundtschaftet hat. Der 185 fuhr nämlich über die Essener Straße (B231 und Teile der B223 direkt zum Oberhausener HBF und endet im südlichen Innenstadtbereich an der Marktstraße).

Derzeit kann man nur mit der Linie 143, die aber trotz ihrer Essener Linienummer, gänzlich von der STOAG betrieben (ich habe bislang nur grüne STOAG-Busse auf dieser Linie gesehen) wird von „Am Kreyenkrop“ zum Oberhausener HBF fahren. Die Oberhausener Linien liegen alle im 900-Bereich.

Die Planungen:

Die Linie 105 sollte über das westliche Endstück zum Oberhausener CentrO und ggf. am Oberhausener HBF enden. Zwischen Oberhausen CentrO und Oberhausen HBF verkehrt noch die Linie 112 der Mülheimer Verkehrsgesellschaft (die auch immer wieder stark auf der Kippe steht). Am Oberhausener HBF gibt es nämlich das Wartegleis, der ehemaligen Linie 116, was die 105 hätte mit benutzen können. Ganz ursprüngliche Planungen sahen eine Verlängerung bis Mülheim-Dümpten vor.

An der Neuen Mitte, da wo sie in die Linie 112 einbiegt, war auch eine Weiche nach Oberhausen Sterkrade in Planung. Wie wirklich Sinn das gemacht hätte, weiß ich nicht. Es wäre vielleicht aber die Möglichkeit gegeben, am östlichen Teil des CentrO eine Wendeanlage zu errichten, damit Straßenbahnverstärkerfahrten zum Olgapark oder zur Arena dort parken könnten. Mit so einer Weiche wären auch Straßenbahnverlängerungen weit in den Oberhausener Norden möglich gewesen und man hätte ein neues Netz mit attraktiven und störungsfreien Schienenfahrzeugen aufbauen können.

Die 105 hätte dann einen ähnlichen Ausmaß wie die damalige Essener Linie (vor 1980) 1 die von Essen Bredeney über Essen-Altenessen, Gelsenkirchen Horst, -Buer zum Gelsenkirchener HBF gefahren ist. Wirklich lange Straßenbahnlinien gibt es mit der 302 (Ge-Buer nach Bochum Laer), der Linie 310 (Bo-Höntrop nach Witten Heven), Linie 901 (Du. Hamborn-Mülheim HBF) und der Linie 903 (Dinslaken nach Du. Hüttenheim) nicht mehr allzu oft im Ruhrgebiet.

Die Gegner des Weiterbaus argumentieren mit der Vorstellung, dass der Abschnitt zwischen Essen-Unterstraße und Ob. Neue Mitte (so heißt die Haltestelle am Oberhausener CentrO) sehr teuer wäre. Das Problem ist, die Trasse der Linie 112 am Centro bzw. der Buslinien befindet sich auf einer aufgeständerten Trasse. Die Linie 105 hätte man zu dieser Trasse hinführen müssen. Technisch wäre das kein Problem gewesen. Gegner argumentierten, und das ist immer das Problem (wie auch schon bei Stuttgart21), viele sehen nur ihren eigenen Nutzen bzw. in sehr klein dimensierten Räumen. Borbecker fahren nicht so häufig ins CentrO (wie man es titutiert als Konsumtempel oder als Freizeitangebot), oder die immer wieder angesprochenen Studenten, die im preiswerten Oberhausesn wohnen würden und dann nach Essen in die Uni fahren.

Das mag ja alles sein, aber eine Verlängerung hätte zwar höhere Kosten zur Wartung und Unterhalt der Strecke bedeutet, aber es hätte das Ende des Kirchturmdenkens (oder wollen wir das immer noch so gerne, anscheinend ja) aufgehört und die Linie 105 wäre in sicherer Fahrwasser. Den jetzigen Stillstand kann irgendwann aufgrund knapper Kassen nur die Verkürzung der Linie bedeuten. Auswegslos? Nein, wenn man sich das Beispiel der Linie 104 am Essener Mülheimer Flughafen nachdenkt und den ganzen Planungen zum Straßenbahnverkehr in Mülheim an der Ruhr, wo eine Einstellung der Bahn in der Stadt laut nachgedacht wurde, dann ist dass nicht ganz aussichtlos. Erst fängt man ganz harmlos an. Erst fährt man nur am Sonntag morgen und abends nicht direkt zur Unterstraße (sondern nur bis zur Frintroper Höhe), dann wird das ganze auf den ganzen Sonntag ausgedehnt, dann der Samstag morgen und abends. Dann denkt man für den Ersatz einer Busverbindung von der Schleife „Frintroper Höhe“ nach der Unterstraße nach. Dann womöglich noch an einem Taxibus, weil Zählungen ergeben haben, dass nicht so viel Betrieb los ist.  Oder man verändert den Linienweg irgendeiner nahe liegenden Buslinie, so dass auf deren bisherigen Linien, diese Haltestellen nicht mehr angefahren werden, was zu einer Verärgerung der dortigen Anwohner führt.

Die Verlängerung hätte eine Argumentation geliefert, dass man mit einer Linie zwei oder drei Zentren (man kann vom CentrO denken was man möchte, aber Fakt ist, es zieht mit dem Kino, dem Sealife, dem Spaßbad und der Außengastromonie und nicht zu Vergessen der König-Pilsener Arena unzählige Leute) ansteuert. Eine direkte Straßenbahnlinie hätte dem CentrO erheblichen Gewinn eingebracht und auch der Linie. Mag ja sein, dass am Montag um 09.00 Uhr morgens nicht so viele damit fahren würden (aber am Beispiel S28 (Mettmann-Kaarst) kann man sehen, dass dies nicht so ist, wenn man es richtig anpackt). Und es würden ja nicht nur Kunden damit fahren, sondern auch viele Beschäftigte, die eher das Auto stehen lassen würden.

Es hat auch noch einen anderen Effekt, den man nicht außer Acht lassen sollte. Der Fahrpreis. Gewiss jemand der in der Stadtmitte wohnt, zahlt, wenn er das Ticket 2000 hat, noch das Zusatzticket. Aber ich fahre von Altendorf meistens nur bis zur Unterstraße und laufe dann. Das Zusatzticket kostet derzeit um 3,20 Euro. Die Fahrt mit dem 185 dauert ca. 10 Minuten bis zum CentrO. Für 10 Minuten Busfahrt und eine unbestimmte Wartezeit zahle ich keine 3,20 Euro. In der Regel bin ich auch viel schneller zu Fuß am CentrO als der Bus mich überholt hat. Das man nur machen, wenn man noch jung ist und Spaß am Laufen hat.

Es hätte mit der Linie 105 auch tagsüber eine direkte Ausweichstrecke (Oberhausen-Essen) gegeben. Im Falle eines Ausfalls der S3 (Oberhausen-Hattingen – der Deutschen Bahn AG) im Falle eines GDL-Streiks oder durch Sturmfolgen oder der ganz normale Bahnwahnsinn, hätte man mit der Linie direkt nach Essen fahren können. Ich kenne nicht den prozentualen Anteil der Leute, die nicht in Frintrop oder Borbeck oder vielleicht Altendorf wohnen, die darüber hinaus die Linie 143 als Alternative nach Essen angesehen hat. Ich möchte niemanden etwas unterstellen, aber nur äußerst wenige Katernberger, Schonnebecker würden diese Linie als Alternative auf Anhieb wissen, wenn die S3 ausfiele, um dann nach Essen zu gelangen.

In Zeiten der Smartphones sollte die Anzeige dieser Möglichkeit nach einigen wenigen Klicks und Wischereien zu finden sein.

Ein Essen-Eiberger fährt auch weiterhin mit der S 1 bis max. Mülheim-Styrum, um dann in die S3 und dann in eine der Linien zur Neuen Mitte zu fahren.

Fazit: Ich hoffe es nicht, es könnte aber durchaus so sein, dass die Linie 105 sowieso auch auf gewissen Liste der Kürzung steht, weil sie so häufig in der Woche Verspätung hat (und selbst am Samstag um 6.41 Uhr ist sie nie richtig püntklich – denn da fahre ich morgens zum Einkaufen am Borbecker Südbahnhof – ich bin gefahren, heutzutage laufe ich morgens die gesamte Strecke in ca. 25 Minuten hin und dann vollgepackt wieder zurück – ist auch gut für meine Kondition). Gedanken wird man sicherlich deswegen machen und ich hoffe wirklich nicht, dass man die Linie verkürzt.

Man hat wirklich eine große Möglichkeit vertan. Sehr schade und sehr enttäuschend.

Dass es funktioniert, kann man am NE (Nachtexpress) 11 sehen, der von Essen HBF nach Oberhausen HBF fährt.

Zum Glück steht die Veränderung des Linienweges der Linie 310 in Bochum-Langendreer noch nicht auf dem Prüfstand einer Bürgerbefragung. Seit Jahrzehnten fährt diese Linie direkt am Zentrum von Bochum-Langendreer vorbei und nur die überlange Linie 345 (Langendreer – HBF – Dahlhausen) bedient den Stadtteil direkt als Alternative zur S 1). Man hört auch schon Stimmen von: „Zu teuer, nicht nützlich und etc..“, auch hier gilt. Die Störungen und Verspätungen auf der S 1 sind überregional bekannt, zumal hier sie auch von einem GDL-Streik betroffen wäre. Die superlange Linie 345 ist wohl auch nicht immer superpünktlich – kann ich mir nicht vorstellen.