Ich lese immer nur Spritpreis

25. März 2022 Aus Von elsenorweb

Ich lese derzeit immer nur Sorge um den Spritpreis. Leider fällt aber keinem auf, dass wir ein Leben mit dem Auto geplant haben. Also Mobilität heißt: 100%ig Auto. Die Menschen, nicht nur die Deutschen, haben sich 100%ig auf das Auto, auf niedrige Benzinpreise verlassen und verlassen, dass es so bis in aller Ewigkeit so weiter geht.

Wir Bürger werfen der Bundesregierung vor, sich auf das Gas von Russland 100%ig verlassen zu haben, aber der Bürger verlässt sich 100%ig auf einen günstigen Benzinpreis. Es ist nicht schlimm, ein Auto zu besitzen, aber auch Stadtbewohner verlassen sich 100%ig auf das Auto. Die Situation auf dem Land ist natürlich noch eine andere. Aber: Die Menschen, die auf dem Land wohnen kennen es sowieso nicht anders. Es gibt aber auch welche, die dahin gezogen sind, im Glauben, günstig mit Auto und schnell zur nächsten Großstadt zu fahren.

Ich weiß, das jetzt wegen den Benzinpreisen jammern. Aber die Preise im ÖPNV steigen auch ständig und die Preise sind nicht so tagesaktuell wie der Benzinpreis. Wenn bei mir die Preise steigen, dann gilt das bis zur nächsten Preissteigerung im nächsten Jahr.

Keine Ahnung wann ich mit dem Ticket 2000, der Monatsfahrkarte des VRR, hier für Essen eingestiegen bin, aber kann mich noch an Monatspreise von 60 Euro erinnern. Jetzt sind wird bei 80 Euro im Monat. Ich kann ja in der Woche nach 19 Uhr und am Wochenende durch den gesamten VRR fahren (+ Fahrrad). Preisstufe D für den gesamten VRR im Ticket 2000 im Abo kostet derzeit 184,80 Euro. Im gesamten VRR bedeutet auch auf bestimmten Linien nach Venlo, Nijmegen, Arnhem, Borken, Bocholt, Kamen, Unna und viele andere mehr. Das Ticket 2000 habe ich seit über 25 Jahren.

Ich halte eigentlich nicht so viel von bewusst gesteuerten Veränderungen. Viele sind ja bereit die Raumtemperatur zu senken, aber wie viele fahren mit dem Rad oder mit dem ÖPNV. Klar es gibt einige, die das jetzt fahren, aber auch nur weil es so teuer ist. Aber ist das nur ein vorübergehender oder ein dauerhafter Effekt? Das muss sich zeigen. Ich glaube, viele haben die Vorstellung noch von ihren alten Fahrrädern aus der Kindheit mit einer 3er Gangschaltung.

Gestern hielten Ricarda Lang (Grünen), Christian Lindler (FDP) und Lars Klingbeil (SPD) ein Statement, dass sie nun auch den ÖPNV ausbauen würden. Diese Forderung, diesen Wunsch habe ich schon von zig SPD-/Grünenpolitiker der letzten 20 Jahre gehört. Es ist nichts eingetreten. Der Ausbau beschränkte sich auch auf mehr Verkehr auf bestehender Strecke.

Dortmund über Lünen, Werne, Ascheberg nach Münster ist wohl noch zum Teil eingleisig. Nach den Ruhr-Nachrichten gibt es Skepsis. Ich frage mich warum? Im Jahre 2022 (oder 2021 wovon der Artikel ist) sollte es selbstverständlich sein, dass Bahnstrecken zweigleisig sind, außer natürlich an Stellen, wo es topografisch nicht anders geht, weil Berge im Weg stehen oder hier im Ruhrgebiet an manchen Stellen, aber dort wo Land ist, muss jede Strecke zweigleisig sein – jede.

Denn neben dem Personenverkehr muss auch wieder Güterverkehr stattfinden. Größere Firmen sollten wieder häufiger einen Gleisanschluss besitzen, um sperrige, große Güter zu transportieren. Neben den Bahnstrecken muss auch Platz sein für einen Radschnellweg.

Ich hoffe das eben erwähnte politische Dreigestirn hat auch die langen Planungsverfahren berücksichtigt.

Während man mal eben die Benzinpreise senken kann oder eine kleine Subvention zahlen kann, braucht es wieder 20 Jahre für den Ausbau von Bahnstrecken wie zum Beispiel eine Verlängerung der Linie RE44 von Moers nach Kamp-Lintfort. Anlässlich einer ehemaligen Bundesgartenschau gibt es bereits einen Haltepunkt in Kamp-Lintfort. Bestrebungen gehen dahin, dass die Linie auch bis ins Stadtzentrum verlängert wird.

Oder dass die Bahnstrecke von Cloppenburg bis nach Ocholt über Friesoythe und Saterland offiziell in den Personenverkehr überführt wird. Von Friesoythe bis Saterland muss man wieder Gleise neu verlegen, sollte aber doch kein Problem sein.

Ich weiß, es geht wieder um Wirtschaftlichkeit und das muss man genau ausrechnen und wenn der Wert unter 1 ist, ist die Strecke unwirtschaftlich – auf dem Papier oder im Computer. Ja dann meinen wir das mit dem Ausbau auch nicht sonderlich ernst.

Man hat doch bei der RB28 zwischen Düren und Euskirchen über Zülpich gesehen, dass so eine ehemalige Strecke, erst über einen reinen Wochenendbetrieb zu einem Dauerbetrieb angewachsen ist.

Vielleicht kann man auch automatisch fahrende Batteriezüge zwischen Cloppenburg und Ocholt fahren lassen. Außerdem schafft es auch wieder einige Arbeitsplätze mehr, vor allem für die Digitalisierung.

Der Deutsche muss auch wieder mehr riskieren und nicht nur bei jeder Sache tausende Überlegungen anstellen, was alles schief laufen könnte.

Ach so als letztes noch: Schafft diese ganzen widerlichen Verkehrsverbünde und Verkehrsgemeinschaften ab. Es reichen 16 Verkehrsverbünde, pro Bundesland ein Verkehrsverbund, also einen für ganz NRW, Niedersachsen (in Berlin/Brandenburg gibt es nur einen), Bayern etc… Dieses ganze Wirrwarr an Tickets, Preisstufen ist im Jahre 2022 selbst im nicht digitalisierten Deutschland nicht mehr zeitgemäß. Ich weiß, es geht um Posten, Geld und etc.. Von mir aus können sie ihr Gehalt alle noch beziehen und ihren Titel behalten.

Ich glaube, wenn dieses Wirrwarr an so verschiedenen Preisstufen / Tickets endlich wegfällt, dann fahren auch mehr Leute mit Bus und Bahn. In den Niederlanden gibt es nur einen Tarif und das funktioniert. Es gibt verschiedene Verkehrsgesellschaften – das ist ok, aber von Nord nach Süd fährt man mit einem Tarif. Punkt fertig aus. So schwer kann das auch für Deutschland nicht sein. Es ist nicht schwer, es ist einfach nicht gewollt.