Rückfahrt von der Arbeit nach Essen

7. Juli 2017 Aus Von elsenorweb

Das nahende Wochenende habe ich genutzt und bin von meiner Arbeit im Düsseldorfer Norden nach Essen gefahren. Mir ist allerdings kotzübel geworden. Nicht wegen einem gesundheitlichen Zustand, sondern wie ich sehe, dass Städte ihre Infrastruktur bewusst vergammeln lassen und die Radverkehrsanlagen wurden einmal angelegt, vor 20 oder 30 Jahren und dann wurde nie mehr ein Finger krum gemacht. Faule Beamte – auf diesen Zustand kann man das wohl wirklich reduzieren.

Ich bin von Düsseldorf Lichtenbroich, wo ich arbeite, über Ratingen Tiefenbroich, Lintorf, Mülheim Selbeck, Saarn und einbißchen Menden nach Mülheim HBF. Da war mir so kotzübel, dass das restliche Stück über den Prestige RS1 gespart habe.

Was Stuttgart21 für den Schienenverkehr ist, so ist der RS1 für den Radverkehr. Alle Welt schaut auf diesen Radweg und jubelt sich hoch bis die Balken biegen. Aber abseits des RS1 herrscht Flaute, nein, da werden mal angelegten Radverkehrsanlagen ganz bewusst vergammelt. Da kann man wie bei den Nebenbahnstrecken keine tollen Bändchen durchschneiden und tolle Reden halten, wie toll sich der Radverkehr entwickeln würde und wie er angeblich die Autobahnen entlasten solle (was blanker Unsinn ist, blanke Lüge, weil der RS1 ist bei Schönwetter am Wochenende voll, am Montag bei Regen ist er leer, da ist die A40 umso voller). Politiker, die so etwas behaupten, sagen die gleichen Lügen, wie bei anderen Prestigeobjekten.

Der gleiche Politiker schweigt und duckt sich weg, will keine Frage beantworten wie zum Beispiel auf der B1 bei Mülheim-Selbeck. Die Autos haben eine gute ausgebaute Straße, wo sie 30 km/h fahren, der Rad teilt sich den Weg mit dem Fußgänger, wobei das Zeichen 240 zum Einsatz kommt. Wobei hier die Fußgänger oben abgebildet sind, was ich meine so kenne, dass sich der Fahrradfahrer unterzuordnen hat. Es gibt dieses Zeichen auch umgekehrt.

Lange Rede kurzer Sinn. Die Stadt Mülheim will in diesem Bereich den Radfahrer dazu bewegen, verpflichtend auf dem sehr engen Gehweg mit den Fußgängern zu verkehren.

Radweg mit Dornen in Mülheim Klostermarkt

Viel später will dass der Radfahrer in Zweige mit Dornen rein fahren soll (B1, Straße Klostermarkt) und sich verletzten.

Schon viel früher in Ratingen. Westtangente von der K3 (Volkardeyerstraße) bis L422 (Kaiserswerther Straße), toller Radweg (nein, wirklich toll, hier war ich noch gut gelaunt). Im weiteren Verlauf nach Norden wird aus der Westtangente die K2 (Am Roten Kreuz). Das Kreuz ist bitter notwendig, denn der Radweg endet hier plötzlich und irgendwann in Höhe der Christinenstraße (ca. 600 Meter) sehe ich plötzlich, der Radweg geht auf dem linken Bürgersteig weiter. Vorher hatte man überhaupt keine Mühe gemacht, irgendein Zeichen zu gehen, von radfahrergeführten Spuren mal ganz zu schweigen. Ich bin also bis zur Jägerhofstraße eigentlich gesetzlich gesehen verkehrt gefahren.

Von der Jägerhofstraße, die in die L239 (Blyth-Valley-Ring) bin ich nach Lintorf abgebogen. Der Radweg hatte auf der rechten Seite hatte solche Schäden, dass er eigentlich radfahruntauglich ist. Warum hier ein Schild steht, was wiederum zur Pflicht erklärt wird, den Radweg zu benutzen, weiß nur ein schläfriger Beamter im Tiefbauamt. Auf der L239 ist theoretisch 70 km/h erlaubt, aber ich denke die meisten Autofahrer werden hier 80 oder 90 km/h fahren. Ich will da auch nicht fahren, aber der Radweg hat hier schon wieder bessere Tage gesehen.

Radweg von vorvorvorvorgestern. in Ratingen Lintorf

Nächster Schock in Ratingen Lintorf. Eigentlich ein wunderschöner Stadtteil. Ich schätze mal der Radweg hatte hier eine Breite von höchsten 40 bis 50 cm, schlängelt sich überall durch. Zwischen ausgestellten Tischen und Stühlen, vielleicht eine Breite von 30 cm. Hier hatte wohl jemand geplant und beschlossen, der keine Ahnung hatte, aber auch schon vor 20 oder 30 Jahren. Die Speestraße sollte hier für den Autoverkehr komplett gesperrt werden, aber dann stehen ja wieder alle Geschäfte ganz kurz vor der Firmenpleite (es sei gesagt, auch Radfahrer haben eine Geldbörse und können einkaufen gehen, aber das sieht ja kein Geschäfteinhaber).

Ratingen könnte aufgrund seiner Flachheit so eine tolle Radfahrstadt sein, aber sie schläft wie alle Ruhrgebietsstädte zusammen einen Dornröschenschlaf.

Aber eins haben alle Städte gemeinsam. Der Radfahrer ist nur für die Radtouristik interessant.

Die Niederlande haben auch an vielen „Bundesstraßen“ richtig gute Radwege (es muss ja keiner einen top aalglatten Boden haben, aber solche Huckelpisten wie sie in Westdeutschland zu finden sein, kenne ich dort von meinen Besuchen nicht), wie zum Beispiel in der Region Sluis (von Breskens nach Oostburg via Schoondijke). Und wenn man schon keine Radwege an den „gefährlichen“ Straßen hat, dann gibt es interessante Nebenstrecken, die außerorts auch mit 60 km/h zugelassen sind (Beispiel: von Delfzijl via Appingedam, Loppersum nach Groningen).

PS: Es gibt mit Sicherheit wahnsinnig tolle Planungen auf irgendwelchen Stadtservern, die man bewundern kann. Meist bleiben sie auch dort liegen und werden nie in die Tat umgesetzt, weil es mal wieder an der Durchsetzungskraft fehlt.